Kenntnisreicher Vermittler
Zum Tod von Yorck Förster
Von Peter Cachola Schmal
Das Deutsche Architekturmuseum DAM trauert um Yorck Förster, seinen langjährigen freien Kurator und Ausstellungsführer.
Geboren 1964 in Hannover, verbrachte er seine Kindheit in Kornwestheim, die Jugendjahre in Hanau. Zum Zivildienst zog er nach Frankfurt am Main. Er studierte an der Goethe-Universität Philosophie, Soziologie und Kunstpädagogik.
Seit Anfang der 1990er Jahre führte er regelmäßig jeden Samstag und Sonntag durch die Ausstellungen des DAM. Und nur er führte, es gab keine Führungsteams von jungen Studierenden, wie in anderen Museen üblich. Das Publikum war begeistert und er machte sich unzählige Fans, die seinen kenntnisreichen Ausführungen, in sonorer Stimme verständlich vorgetragen, andächtig lauschten. „Der Architekturmärchenerzähler“, wie Architekturjournalistin Martina Metzner ihn bezeichnete, veranstaltete somit eine Art kostenlosen Volkshochschulkurs der Architektur, jahrzehntelang, jedes Wochenende. Und darüber hinaus in vielen weiteren Führungen, Stadttouren und Exkursionen – im DAM als auch extern.
Seit 2005 kuratierte er auch Architekturausstellungen im DAM, in hohem Tempo, zu vielfältigen Themen und mit unterschiedlichsten Partnern. Anfangs Einzelausstellungen mit Peter Kulka, dem Künstler Claus Bury und den Holländern UNstudio. Gefolgt von „Gaudi Unseen“ und im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld 2007/08 mit aufsehenerregenden Vor-Ort-Analysen zum Thema „Gewahrsam“. Gemeinsam mit mir arbeitete er an „Heterotopia“ über Outsider Artists. Er organisierte dann Übernahmen wie „Die Weiße Stadt Tel Aviv“, „Richard Neutra in Europa“ und „Studio Mumbai“, gefolgt von Einzelausstellungen mit Johannes Peter Hölzinger, Coop Himmelb(l)au und Antonio de Campos. Schließlich war er Teil der Teams von „Große Oper – viel Theater?“ (seit 2017) und „Stadt bauen Heute?“ im letzten Sommer.
In dieser umfangreichen kuratorischen Arbeit konnte er sein enzyklopädisches Wissen, seine Neugier, sein zugewandtes Wesen und seine „außergewöhnliche Sensibilität und Tiefe“, wie es Antonio de Campos formulierte, sehr gut einbringen. Zusätzlich recherchierte und organisierte er gemeinsam mit Christina Gräwe seit 2010 den DAM Preis, schrieb die zugehörigen Publikationen und kuratierte die Ausstellungen. Die neueste Ausführung, Ende Januar 2026, konnte er noch miteröffnen und zusammen mit den Preisträgern und Nominierten feiern.
Seine schockierend endgültige Diagnose erhielt er im November 2025. Vier Monate später hatte ihn der Krebs schon besiegt. Das DAM verliert einen großartigen Mitarbeiter und Architekturexperten, eine wichtige Stütze und einen liebenswerten Mitmenschen. Wir werden ihn sehr vermissen.