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15.09.2020

Nach traditioneller Methode

Zum Tod von Jürgen Patzschke


Viel wurde und wird diskutiert über die Architektur der Zwillinge Jürgen und Rüdiger Patzschke, aber eines ist sicher: Mit ihrem Traditionalismus wollten sie die Welt in einen besseren Ort verwandeln. Das unterscheidet ihre Gebäude von den Projekten vieler Epigonen, die mit einer gänzlich oberflächlichen Formensprache im Auftrag der Immobilienwirtschaft einen schnellen Euro machen wollten. Ende vergangener Woche ist Jürgen Patzschke im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben.

Zum Gründungsmythos des Büros gehört das Erschrecken der beiden Brüder über die abgeschlagenen Stuckfassaden vieler Altbauten im Berlin der Nachkriegszeit. Der Abriss ganzer Quartiere, wie er im Zuge der Flächensanierung noch bis in die 1970er Jahre üblich war, dürfte sein Übriges getan haben. Anders als viele Zeitgenoss*innen reagierten sie darauf jedoch nicht mit einer postmodernen Auseinandersetzung. Stattdessen ließen historische Formen wiederaufleben. 1968 gründeten sie in Berlin-Grunewald ihr Büro.

Die Widersprüche und Herausforderungen, die sich aus dem Versuch ergeben, eine sogenannte traditionellen Formensprache unter heutigen ökonomischen Bedingungen zu realisieren, wurden insbesondere im Zusammenhang mit ihrem bekanntesten Bau, dem Hotel Adlon am Brandenburger Tor, immer wieder diskutiert. Allein schon die niedrigen Geschosshöhen lassen das Haus im Vergleich zu dem im Krieg zerstörten Original deutlich weniger mondän erscheinen. Anderseits kommt das Adlon jenseits der strengen Kollegenschaft bis heute gut an. Nur wenige Architekturbüros haben jedenfalls in einschlägigen Internetforen eine ähnlich enthusiastische Fangemeinde.

Geboren wurde Jürgen Patzschke in Radebeul bei Dresden, studiert hat er zusammen mit seinem Bruder in Berlin. Zu ihren ersten realisierten Entwürfen gehörte interessanterweise eine entfernt historisierende Ferienarchitektur auf Gran Canaria. Der große Erfolg kam für das Büro allerdings erst, als der damalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann den Berliner Städtebau am historischen Stadtgrundriss auszurichten begann. Der Zeitgeist hatte sich zu ihren Gunsten gedreht, große Stadtpalais entstanden, aber auch viele gediegene Villen. Seit einigen Jahren wird das Büro von den Kindern der beiden Gründer geführt. (sb)


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Jürgen Patzschke (1938–2020)

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Hotel Adlon am Brandenburger Tor in Berlin, 1997

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Hotel Titanic in der Französischen Straße in Berlin, 2015

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