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04.12.2020

Engagierte Autorität

Zum Tod von Hans Waechter


Von Werner Durth

Am 26. November ist Hans Waechter gestorben, ein vielfach ausgezeichneter Architekt, erfahrener Hochschullehrer und berufspolitisch engagierter Kollege, geboren 1936 in der Uckermark, aufgewachsen in Bonn und Aachen. Nach dem Studium in München und ersten Berufserfahrungen wechselte er 1963 in das Kölner Büro von Margot und Joachim Schürmann. Joachim Schürmann folgte 1966 einem Ruf an die Technische Hochschule Darmstadt und stellte dort Waechter als Oberassistent auf Lebenszeit ein – ein nachhaltiger Beweis des Vertrauens in die Fachkompetenz und Loyalität des gerade 30-jährigen Architekten. Der gründete 1967 mit Schürmanns Einverständnis ein eigenes Büro, um in der Lehre auf Dauer den Bezug zur Praxis zu stärken.

Ab 1972 Professor für Entwerfen und Gebäudekunde an der TH Darmstadt, war er in seiner zurückhaltenden Freundlichkeit für Generationen von Studierenden eine stille, aber wirksame Autorität, jederzeit erreichbar, mit offenem Ohr für deren Anliegen. Er war gerne Lehrer, das spürte man. Seine wichtigste Aufgabe neben dem eigenen Werk war ihm die Nachwuchsförderung, für die er in seiner Zeit als Dekan Ende der 1990er Jahre mit großem persönlichen Einsatz durch die personelle und strukturelle Erneuerung des Fachbereichs optimale Voraussetzungen zu schaffen suchte.

Über Jahrzehnte wurde er als Lehrer besonders deshalb geschätzt, weil er gegenüber den bisweilen abenteuerlich abgehobenen Vorstellungen kreativ experimentellen Entwerfens durch seine praxisbezogene Lehre für die erforderliche Bodenhaftung sorgte. Mit der Ernsthaftigkeit seiner Befragung von Bauaufgaben und möglichen Lösungen vermittelte er den Studierenden schon früh ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Verantwortung des Berufsstands. Damit beugte er von Anbeginn auch jedem Anflug von Anmaßung und Standesdünkel vor.

Mit diesem Verständnis einer die Gesellschaft prägenden und zum Besseren verändernden Baukultur engagierte sich Waechter seit 1976 über 25 Jahre ehrenamtlich in der Architektenkammer Hessen. In seiner Haltung und seinem Werk hoch anerkannt, wurde er 1980 in den Bund Deutscher Architekten berufen, war ab 1986 Vorsitzender der Gruppe Darmstadt-Starkenburg, von 1991 bis 1995 Landesvorsitzender des BDA Hessen und Mitglied des Bundesvorstands. Auch danach blieb er noch viel gefragter Ratgeber und Moderator – eher ein weiser Anwalt, kein Funktionär. Bei der Feier zur Ehrenmitgliedschaft des BDA 2013 nannte ihn die damalige Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer und jetzige Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinkmann, den hessischen „Landesvater“ des BDA.

Er war ein Familienmensch, der mit seinem der Gemeinschaft verpflichteten Denken und Wirken zu seiner Zeit auch diesen Berufsverband prägte und dabei stets die soziale Dimension der Baukultur insgesamt im Auge behielt. Sehr bewusst legte er den Schwerpunkt seines Schaffens als Architekt auf Bauaufgaben zur Verbesserung der Lebensbedingungen von alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen. Die heute viel gepriesenen „Helden des Alltags“ in Heimen und Krankenhäusern mit ihren schwierigen Arbeitsbedingungen waren ihm die gesellschaftlichen Partner auf der Suche nach einer bedürfnisgerechten Umweltgestaltung vor allem für jene, die in ihrer Umgebung auf besondere Fürsorge und Zuwendung angewiesen sind.

Mit selbstbewusster Bescheidenheit gelang es ihm im Lauf der Jahrzehnte immer wieder, durch die breite Anerkennung seiner Bauten, durch Auszeichnungen und Preise die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Vielfalt karitativer Aufgaben zu lenken, die im Schatten der großen Architekturspektakel zumeist wenig Beachtung finden. Ein Höhepunkt in seinem Lebenswerk war für ihn der Bau der Autobahnkirche Medenbach – ein markanter Blickfang, zugleich ein Ort der Stille und Einkehr neben dem tosenden Verkehr, 2003 gewürdigt mit dem BDA-Preis Hessen.

Am 26. November hat sich das „reiche und erfüllte Leben“ von Hans Waechter vollendet, so die Nachricht der Familie in der Todesanzeige. Er wird als Vorbild in Erinnerung bleiben.

Dieser Nachruf erscheint mit freundlicher Genehmigung des BDA Hessen und des Autors.


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Hans Waechter (1936–2020)

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Im November 1997 engagierte sich Hans Waechter mit Studierenden bei einer Demonstration auf dem Darmstädter Luisenplatz.

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Autobahnkapelle in Medenbach, 2001

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Pflegeheim Laurentius Muench Haus in Floersheim, 1998

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