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28.09.2020

Vater der Raumnetze

Zum Tod von Conrad Roland


Der Architekt Conrad Roland gilt als Wegbereiter der Konstruktion von Raumnetzen und war wohl der einzige, der die Herangehensweisen seiner beiden Lehrer und Vorbilder Mies van der Rohe und Frei Otto miteinander verband. Geboren wurde er als Konrad Otto Roland Lehmann in München. Er absolvierte nach dem Abitur eine Tischlerlehre und studierte von 1954 bis 1963 Architektur zunächst an der TH München, dann am Illinois Institute of Technology in Chicago (IIT) bei Ludwig Hilberseimer, Walter Peterhans und Mies van der Rohe und schließlich, um die Promotionsberechtigung zu bekommen, an der TU Berlin. Es  war in der Crown Hall des IIT, erinnert sich Roland in einem Interview mit Uncube, als ihm eine Veröffentlichung von Frei Otto in die Hände fiel, die sein Leben als junger Architekt nachhaltig beeinflusste. Nachdem er parallel zum Studium im Büro von Mies van der Rohe gearbeitet hatte, zog es ihn 1961 nach Berlin.

Der Aufenthalt in Frei Ottos Büro, wo er am Freilichttheater Wunsiedel abeitete, verlief jedoch nicht besonders gut: Im Interview mit Oliver Elser gab Roland 2015 zu Protokoll: „Ich stellte mich unweigerlich als Mies-Perfektionist heraus, der an bestimmten Stellen mit Ottos etwas weniger perfekten architektonischen Details kollidierte. Nach ein paar Wochen haben wir uns in Frieden getrennt, meine Begeisterung aber blieb. Sie mündete in Rolands 1965 veröffentlichtem Buch „Frei Otto – Spannweiten“.
 
Ab 1963 arbeitete Conrad Roland selbstständig in Berlin. Unterstützt durch ein Stipendium der Gründerin des CCA in Montreal, Phyllis Lambert, begann er eine Dissertation über „Hängehäuser und Raumnetze“, die er später jedoch abbrach. 1964 entstand das Projekt eines spektakulären 440 Meter hohen Spiral-Hochhauses, dessen Geschosse an außenliegenden Seilen aufgehängt waren und deshalb nicht senkrecht übereinander liegen mussten. 1967 lehrte Roland als Gastdozent in Portsmouth, parallel hielt er zahlreiche Vorträge über „Suspended Buildings and Spacenets“ in den USA, Kanada und Mexiko. Pläne für den Bau eines Sportstadions in Abu Dhabi, die er zusammen mit dem Architekten Jörn-Peter Schmidt-Thomsen 1974 entwickelte, und für ein Wohnhaus für Rudolf Augstein in Hamburg 1967 wurden nie verwirklicht.

Ab den 70er Jahren befasste sich Roland mit der Entwicklung von Raumnetzen. Während er die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zum Beispiel für mehrstöckige Gewächshäuser, Rankgitter, Sommerhäuser, Ausstellungspavillons und vor allem Wohnbauten darlegte, wurden seine mehrfach ausgezeichneten Seilklettergeräte zum internationalen Bestseller. Die von ihm gegründete Firma „Corocord Spielbau GmbH“ produzierte für Spielplätze und Schulhöfe in über 50 Ländern. Für die Bundesgartenschau 1975 in Mannheim entstand ein so genannter Super-Zweimast-Seilzirkus. Zur Bundesgartenschau im Südpark Düsseldorf 1987 konstruierte Roland einen Super-Viermast-Seilzirkus, der nach der Renovierung 2007 weiterhin in Betrieb ist und noch heute als größtes Raumnetz der Welt gilt.

1985 verkaufte Conrad Roland seine Firma und alle Patent- und Urheberrechte an einen griechischen Architekten, verließ Deutschland und ließ sich auf Hawai nieder, wo er eine Bananen- und Macadamianuss-Plantage kaufte und ein Paradiesgartenprojekt in Holualoa verwirklichte. Ebendort ist Conrad Roland vergangenen Freitag im Alter von 86 Jahren verstorben. (fm)


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Super-Viermast-Seilzirkus im Südpark Düsseldorf, entworfen von Conrad Roland

Super-Viermast-Seilzirkus im Südpark Düsseldorf, entworfen von Conrad Roland

Conrad Roland

Conrad Roland

Ausstellungshalle mit „schwebenden“ Ebenen in einem Raumnetz aus Stahlseilen. Entwurf und Zeichnung Conrad Roland 1964. Sammlung Deutsches Architekturmuseum

Ausstellungshalle mit „schwebenden“ Ebenen in einem Raumnetz aus Stahlseilen. Entwurf und Zeichnung Conrad Roland 1964. Sammlung Deutsches Architekturmuseum

Super-Ballfangnetz in der GSW-Siedlung an der Obstallee in Berlin, 1978. Entwurf von Conrad Roland, Foto: Antonius Flaskamp

Super-Ballfangnetz in der GSW-Siedlung an der Obstallee in Berlin, 1978. Entwurf von Conrad Roland, Foto: Antonius Flaskamp

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