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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zum_Tod_des_Berliner_Architekten_Ludwig_Leo_2989165.html

02.11.2012

Vom Konstruktivismus zur Postmoderne

Zum Tod des Berliner Architekten Ludwig Leo


Ludwig Leo, obgleich 1924 in Rostock geboren, war so etwas wie ein West-Berliner Eigengewächs: Hier hat er studiert (1951-54 an der Hochschule der Künste), hier hat er gearbeitet (zuerst 1953-55 bei den Luckhardt-Brüdern, ab 1956 selbständig), hier hat er seine (wenigen) Bauten realisiert, von denen drei schon zu Lebzeiten unter Denkmalschutz gestellt wurden, hier hat er gelehrt (1963-67 als Assistent bei Ungers an der TU, 1976-82 als Professor an der HdK), hier ist er gestorben (am 1. November 2012 im Alter von 88 Jahren; dies teilte die Akademie der Künste mit).

Zwei seiner Berliner Bauten sind über eingeweihte Kreise hinaus zu populären Ikonen der spätmodernen Architektur der sechziger/siebziger Jahre geworden: die DLRG-Zentrale in Spandau (1968-73) und der Umlauftank der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau in Charlottenburg (1968-75). So berichtete heute auch das von der Boulevardzeitung „B. Z.“ gespeiste U-Bahn-Fernsehen in Berlin von Leos Tod.

Leos Biograph Gregor Harbusch schrieb zum Umlauftank einst in der Arch+ programmatisch: „Ludwig Leo gehört zu jenen eigenwilligen und über Berlin hinaus kaum bekannten Figuren der deutschen Architektur, die in den 1960er Jahren für kurze Zeit West-Berlin in ein besonderes experimentelles Biotop verwandelten. In dieser Zeit hat der öffentlichkeitsscheue Einzelgänger mit dem Umlauftank eines der ungewöhnlichsten Bauwerke der Stadt geschaffen: Ein Laborgebäude, das sich aus einer riesigen rosafarbenen Rohrschleife und einer darauf aufsitzenden, mehrgeschossigen blauen Box zusammensetzt.

Die Forschungsanlage mit ihrer mysteriösen Großform gehört zu den ganz wenigen Bauten, deren bildhafte und narrative Vielschichtigkeit für populäre und fachliche Interpretationen gleichermaßen ein weites Spielfeld eröffnet. Der Bau entwickelt im Stadtraum ikonische Qualität, weist auf die Postmoderne voraus und den Konstruktivismus zurück und bleibt dabei einem dezidierten Funktionalismus verpflichtet.“

Ludwig Leos Umlauftank befindet sich derzeit in einem heruntergekommenen Zustand. Die Wüstenrot-Stiftung plant dessen denkmalgerechte Wiederherstellung.


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