Generalshotel akut bedroht
Zum Protest gegen die Abrisspläne am ehemaligen Flughafen Berlin-Schönefeld
Das sogenannte Generalshotel auf dem Gelände des Flughafens Berlin Brandenburg (BER), ein frühes Zeugnis der Ostmoderne, das seit 1996 unter Denkmalschutz steht, ist akut vom Abriss bedroht. Eine parteiübergreifende Initiative zur Rettung des Gebäudes appelliert in einem offenen Brief an Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD), Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), den kurzfristig angesetzten Rückbau zu stoppen. Gestern lud sie zur Vor-Ort-Begehung.
Von Diana Artus
Ein großer Bauschuttcontainer steht schon da, direkt neben dem Eingang der als Generalshotel bekannten Villa auf dem Vorfeld des einstigen Flughafens Schönefeld, das nun zum Gelände des BER gehört. Schon in wenigen Wochen könnte das Baudenkmal unwiederbringlich verloren sein – es soll abgerissen werden. Beschlossen wurde der Rückbau gegen das Votum der Landesdenkmalpflege bereits 2011 im Zuge der Planungen des BER. Damals wurde argumentiert, der historische Bau stünde dem vorgesehenen Neubau eines Regierungsterminals im Weg. Im Herbst 2022 wurde jedoch bekannt, dass die Bundesregierung aus Kostengründen darauf verzichtet und weiter das vor wenigen Jahren errichtete Interimsgebäude nutzt. Dennoch wollen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), die das Gebäude verwalten, den Abriss noch im Laufe des Sommers vollziehen. Man benötige die Fläche für den Flughafenbetrieb, lautet die Begründung. Genauer gesagt sollen hier künftig zwei Flugzeuge der Regierungsstaffel parken.
Beim Generalshotel handelt es sich jedoch nicht etwa um irgendein unwesentliches Überbleibsel des alten Schönefelder Flughafens, auch wenn das Haus heute für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und wie aus der Zeit gefallen auf dem Areal des Terminal 5 steht. Vielmehr bescheinigen ihm Denkmalschützer und Historikerinnen einen Status als einzigartiges bauliches Zeugnis der frühen DDR-Geschichte. Noch dazu befindet es sich in sehr gutem Zustand, da es die Bundespolizei bis 2022 unter anderem als Rückführungsgewahrsam für abgelehnte Asylsuchende nutzte.
Von den Sowjets für den neuen Flughafen beauftragt, wurde die Villa im Stil des sozialistischen Klassizismus zwischen 1947 und 1950 nach Plänen von Georg Hell (1906–1986) errichtet und diente anschließend der „Sonderabfertigung“ prominenter Persönlichkeiten und Staatsgästen der DDR. Dementsprechend opulent ist ihre Innenausstattung mit hochwertigen Materialien, baugebundenen Kunstwerken und aufwendig gearbeitetem Inventar, darunter Metallgestaltungen des Kunstschmieds und Bildhauers Fritz Kühn (1910–1964).
Denkmalwerte Ausstattungselemente sollen in Abstimmung mit der Denkmalpflege gesichert werden, teilt die BImA dazu mit – wo und wie genau war beim gestrigen Presserundgang, zu dem die Initiative „Generalshotel retten!“ geladen hatte, allerdings nicht zu erfahren. Dabei steht der Abriss unmittelbar bevor, wie Sahra Damus, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, erklärte. Schon im Juli solle der Bau vollständig ausgeräumt werden, im August der Rückbau beginnen – der Baucontainer steht nicht zufällig bereit.
Grüne und Linke engagieren sich gemeinsam mit zahlreichen Architekt*innen, Denkmalschützer*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen schon seit einiger Zeit für den Erhalt des Gebäudes und fordern in einem offenen Brief ein sofortiges Abrissmoratorium. Sie führen dabei nicht nur die architektonische und historische Bedeutung an, die am gestrigen Abend von Stephanie Herold (Professorin für Städtebauliche Denkmalpflege und Urbanes Kulturerbe an der TU Berlin) und Haiko Türk (Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege) vor Ort noch einmal untermauert wurde. Auch hinsichtlich der aus Klima- und Ressourcenschutzschutzgründen dringend notwendigen Bauwende sei der Abriss eines rundum intakten, derart qualitätvollen Gebäudes auf keinen Fall vertretbar. Zumindest sollte zuvor eine öffentliche Diskussion über den Umgang mit dem Bau stattfinden, statt ihn klammheimlich und ohne Not einfach zu beseitigen, verlangt die Initiative.
Der Planfeststellungsbeschluss von 2011 müsste dafür nicht einmal geändert werden – man müsste lediglich von der Umsetzung absehen. Die vollständige Verlegung der Regierungsstaffel vom Flughafen Köln/Bonn nach Berlin habe einen Zeithorizont bis 2034, damit bestehe kein Grund zu überstürztem Handeln, so Damus. Man könne sich in Ruhe zusammensetzen, um die geänderten Planungen für den Regierungsflughafen neu zu bewerten und mögliche Nachnutzungskonzepte für das Gebäude zu entwickeln – zum Beispiel als Empfangsgebäude für die Regierungsstaffel. „Die Verhinderung des Abrisses ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, betonte die ebenfalls gestern anwesende kulturpolitische Sprecherin der Linken, Isabelle Vandre, die Dringlichkeit der Sache. „Das Abrissmoratorium muss jetzt kommen, sonst gibt es nach dem Sommer kein Gebäude mehr, über dessen Weiternutzung wir miteinander diskutieren können.“
Fotos: Volker Sattel, Martin Maleschka, Archiv Fritz Kühn
Der Offene Brief kann hier eingesehen und unterzeichnet werden: generalshotelretten.blog
Übrigens auf der Seite der BImA: "Die "mission E" ist eine Kampagne der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die sich an die Beschäftigten des Bundes richtet. Durch Aktionen direkt am jeweiligen Arbeitsort vermittelt sie energiebewusstes Verhalten – sei es auf der Arbeit, unterwegs oder zu Hause. Darüber hinaus gibt die "mission E" zahlreiche Tipps, wie Sie mit teils schon geringem Aufwand Energie einsparen und Emissionen vermeiden."
Die restlichen Schlussfolgerungen und Aufregungen. Alle Achtung! Also den verbalen Rundumschlag muss man erst einmal hinbekommen. Entspannung hat schon vielen Menschen geholfen.
Find ich geil wenn man als Architekt scheinbar soweit vom Bauen entfernt ist und dann noch durch die TEUTSCHE Architekturgeschichte die man an Unis eben so hört, mit so einer Kommentierung daherkommt. Die "Nationale Tradition" ist halt eine eklektizistischer Stil und daher ist die reduktion auf Klassizismus deinerseits weit hergeholt. Was du bei deinem schwachbrüstigen Geschichtsidologischen Diskurs vll. auch mal bedenken solltest: Bauen. Materialverfügbarkeit, Personalstand und deren Ausbildungsgrad und die damit einhergehenden Fluktuationen in der SBZ/DDR. Das Gebäude ist ähnlich wie die Architektur aus der Zeit in Eisenhüttenstadt von vielen Peronellen und Materiellen Mängeln gekennzeichnet bei der man sich von Idealvorstellungen offensichtlich verabschniedet hatte oder wie man vor allem an Höhe, Vorbau und Dachübergang sieht in die Kompromissebene gegangen. So wie das auch bei heutiger Architektur ist und auch schon davor so war. Dieses Gebäude ist dabei in seinem Sammelsurium-Elementen welches offensichtlich die verfügbaren Kunsthandwerker und Materialien repräsentiert eben ein Ausdruck seiner Zeit. Am besten du gehst mal in die Bauleitung, damit du von deiner an der Uni aufoktroyierten Äußerlichkeiten-Fetisch weg kommst, den deine Professoren eigentlich kennen darüber aus langeweile und Dummheit aber nicht reden. Man sollte sich mal langsam in TEUTSCHLAND daran gewöhnen das man nicht immer das gebaut bekommt was man sich ausdenkt und das dass dann vll. auch einfach nicht gut war. Von Arbeitskräfte Ausbeutung auf der Baustelle und Lieferketten mal abgesehen...
Aber das Ding sieht richtig scheiße aus. Das spricht die morbide bling bling Sprache des späten Stalinismus, der gnadenlos die Sprache autoritärer Regime benutzte und irgendwie ein paar historisch Formen aufgriff. Das ist ein Haufen schlechter Geschmack! Da mochte jemand ein bisschen Klassizismus und hats nicht ganz verstanden. Die Proportionen und formale Differenzierung des Portikus sind weit am Ziel vorbei. An so einem Ding hat vielleicht ein Trump Gefallen, aber sonst? Gut, das ist natürlich kein Grund zum Abreißen, musste aber mal gesagt werden.
Was für ein nices Teil.