Studieren im Holzmodul
Zollhochschule in Rostock von sauerbruch hutton
Studieren im Holzmodul
Zollhochschule in Rostock von sauerbruch hutton
Anfang Juli wurde in Rostock die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung eröffnet, die sogenannte Zollhochschule. Der Campus entstand nach Plänen von sauerbruch hutton (Berlin) in einer Rekordbauzeit von 24 Monaten. Er gilt als derzeit größtes modular erstelltes Holzgebäude in Europa.
Rostock-Lichtenhagen, inmitten einer Großwohnsiedlung aus den 1960er bis 80er Jahren. Hier erwartet man vielleicht eine neue Sporthalle oder ein Einkaufszentrum, aber einen neuen Hochschulcampus? Genau der wurde Anfang Juli mit der sogenannten Zollhochschule eröffnet. Sie ist neben Münster in Deutschland der zweite Standort und nimmt im deutschen Hochschulkontext eine Sonderstellung ein. 600 Anwärter*innen auf die gehobene Bundesverwaltungslaufbahn aus ganz Deutschland und 130 Mitarbeiter*innen werden künftig auf dem Gelände lernen, arbeiten und leben.
Quartiersbaustein und Freiraum
Viele kommen direkt nach dem Abitur, andere über berufliche Vorbildungen oder den zweiten Bildungsweg. Das Altersspektrum ist entsprechend breit. Wohnen und Verpflegung folgen dem Modell einer Bundesdienststelle. Küchen, Gemeinschafts-, Fitness-, Waschräume und Aufenthaltsbereiche sind Teil des Konzepts. Insofern ist der Campus mit dem Lehrgebäude und den beiden Wohnriegeln nicht nur Ausbildungsort, sondern auch temporäres Zuhause.
Quartiersbaustein und Freiraum
Viele kommen direkt nach dem Abitur, andere über berufliche Vorbildungen oder den zweiten Bildungsweg. Das Altersspektrum ist entsprechend breit. Wohnen und Verpflegung folgen dem Modell einer Bundesdienststelle. Küchen, Gemeinschafts-, Fitness-, Waschräume und Aufenthaltsbereiche sind Teil des Konzepts. Insofern ist der Campus mit dem Lehrgebäude und den beiden Wohnriegeln nicht nur Ausbildungsort, sondern auch temporäres Zuhause.
Zudem bereichert er als Quartiersbaustein und Freiraum die Nachbarschaft. Kein Zaun schirmt die Studierenden ab, kein Anschein einer Behördenburg kommt auf, im Gegenteil. Garten und Grünflächen, die nach Plänen von ST raum a. (Berlin) unter anderem auf dem Dach der Garage angelegt wurden, sind öffentlich zugänglich. Inmitten der DDR-Großwohnsiedlung schaffen sie eine Verbindung zwischen Alteingesessenen und den periodisch wechselnden jungen Menschen.
Erfolgsgeheimnis Dialogverfahren
Ein Lehrgebäude mit Auditorien, Seminarräumen, Mensa und Bibliothek und zwei Wohngebäuden für die Studierenden bilden den Rahmen der Anlage. Dass diese in Holz-Hybrid- und Holzmodulbauweise in nur 24 Monaten fertig gestellt werden konnte, ist der weitsichtigen Entscheidung der Bauherrschaft zu verdanken.
Erfolgsgeheimnis Dialogverfahren
Ein Lehrgebäude mit Auditorien, Seminarräumen, Mensa und Bibliothek und zwei Wohngebäuden für die Studierenden bilden den Rahmen der Anlage. Dass diese in Holz-Hybrid- und Holzmodulbauweise in nur 24 Monaten fertig gestellt werden konnte, ist der weitsichtigen Entscheidung der Bauherrschaft zu verdanken.
Die Zollhochschule zeigt, dass große öffentliche Bauvorhaben schneller, wirtschaftlicher und zugleich mit hoher architektonischer Qualität realisiert werden können, wenn Planung, Projektentwicklung und Ausführung von Anfang an als gemeinsamer Prozess verstanden werden.Lorenz Nagel
Um die richtigen Partner zu finden, hatte das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Rostock ein Dialogverfahren veranstaltet und den Auftrag an ein Generalübernehmerteam vergeben: PRIMUS developments (Hamburg), Kaufmann Bausysteme (Reuthe) und sauerbruch hutton (Berlin). Alle Beteiligten – Projektentwicklung, Architektur, Fachplaner, Ausführende, Bauherrenvertretung und kommunale Ämter – waren demnach früh in den Prozess eingebunden und entwickelten Entwurf und Konstruktion gemeinsam weiter.
Die rund 1000 verbauten Holzmodule wurden im eigens errichteten Werk in Rostock vorgefertigt. Ein Holzmodulbau dieser Größe ist bisher ohne Vorbild. Zugleich schreibt er zwischen den Großtafelbauten die vom seriellen Bauen geprägte Geschichte von Rostock-Lichtenhagen fort. „Die Zollhochschule zeigt, dass große öffentliche Bauvorhaben schneller, wirtschaftlicher und zugleich mit hoher architektonischer Qualität realisiert werden können, wenn Planung, Projektentwicklung und Ausführung von Anfang an als gemeinsamer Prozess verstanden werden“, sagt Lorenz Nagel, Geschäftsführer von PRIMUS developments.
Die rund 1000 verbauten Holzmodule wurden im eigens errichteten Werk in Rostock vorgefertigt. Ein Holzmodulbau dieser Größe ist bisher ohne Vorbild. Zugleich schreibt er zwischen den Großtafelbauten die vom seriellen Bauen geprägte Geschichte von Rostock-Lichtenhagen fort. „Die Zollhochschule zeigt, dass große öffentliche Bauvorhaben schneller, wirtschaftlicher und zugleich mit hoher architektonischer Qualität realisiert werden können, wenn Planung, Projektentwicklung und Ausführung von Anfang an als gemeinsamer Prozess verstanden werden“, sagt Lorenz Nagel, Geschäftsführer von PRIMUS developments.
Die vorgefertigten Holzmodule sind im Falle der Wohnriegel auf eine Art Betontisch gestapelt. Dieser bildet das Erdgeschoss, sorgt für Aussteifung und trägt die Erschließung. Obwohl die serielle Struktur ablesbar bleibt, kommen die beiden, mehrfach geknickten Wohnriegel individuell daher. Vor allem die im wechselnden Licht changierende, farblich gestaltete Holzfassade wirkt dem Anschein von Monotonie entgegen. Horizontale Brandüberschlagselemente sind in die Fassade integriert und geben ihr Tiefe.
Halb im Park
Halb im Park
Lernen passiert nicht nur im Hörsaal. Es geschieht auch auf dem Weg dorthin, in der Pause, im Park, im zufälligen Gespräch an der Treppe.Tom Geister
Anders bei dem mit Aluminium verkleideten, 130 Meter langen Lehrgebäude, wo aufgrund der Versammlungsstättenverordnung eine Holzfassade nur eingeschränkt möglich war. Obwohl es von außen wie eine Flur-Hörsaal-Maschine anmutet, ist das Innere überraschend vielfältig organisiert. Frei nach dem Motto, wer im Erdgeschoss steht, ist räumlich bereits „halb im Park“, orientieren sich die Räume nach Süden, wo lange Vordächer den Sonnenschutz übernehmen.
Sichtbeziehungen prägen auch die Flure und Treppen, die immer wieder neue Blicke eröffnen. Neben dem klassischen Raumprogramm einer Hochschule sind es eben jene Aufenthaltsbereiche für selbstorganisiertes Lernen, die in ihrer Vielgestaltigkeit ins Auge fallen. „Lernen passiert nicht nur im Hörsaal. Es geschieht auch auf dem Weg dorthin, in der Pause, im Park, im zufälligen Gespräch an der Treppe“, sagt Projektmanager Tom Geister von sauerbruch hutton.
Sichtbeziehungen prägen auch die Flure und Treppen, die immer wieder neue Blicke eröffnen. Neben dem klassischen Raumprogramm einer Hochschule sind es eben jene Aufenthaltsbereiche für selbstorganisiertes Lernen, die in ihrer Vielgestaltigkeit ins Auge fallen. „Lernen passiert nicht nur im Hörsaal. Es geschieht auch auf dem Weg dorthin, in der Pause, im Park, im zufälligen Gespräch an der Treppe“, sagt Projektmanager Tom Geister von sauerbruch hutton.
Im großen Hörsaal schließlich wird deutlich, dass das Haus auch für offizielle Veranstaltungen der Bundesbehörde als Aushängeschild geeignet ist. Eine großformatige digitale Projektionswand dürfte die Zollhochschule künftig für Tagungen aller Art attraktiv machen.
Bautafel
- Architektur:
- sauerbruch hutton, Berlin, Matthias Sauerbruch, Louisa Hutton
- Projektleitung:
- Jürgen Bartenschlag, Tom Geister, Philipp Koch, Ilona Priwitzer
- Mitarbeitende:
- Peter Apel, Alessandro Bucchi, Stefan Fuhlrott, Julia Garcia, Asya Güney, Lea Hirschmann, Hannah Idstein, Lariza Johnen, Weronika Kessler, Farah Khattab, Nisa Kömürcü, Denis Kolesnikov, Celia Landry, Catarina Medroa, Isis Perez Martin, Meta Popp, Hilary Simon, Yinan Sun, Ludwig Thanhäuser, Gregory Then, Lu Zhang
- Generalübernehmer:
- Kaufmann Bausysteme, Reuthe, mit PRIMUS developments, Hamburg
- Landschaftsplanung:
- ST raum a., Berlin
- Tragwerk:
- Merz Kley Partner, Dornbirn; Wetzel & von Seht, Hamburg
- TGA:
- Ecotec, Bremen
- Bauphysik:
- Drees & Sommer, Berlin
- Bauherrschaft:
- Staatliches Bau- und Liegenschaftsamt Rostock
- Fläche:
- 51.200 m² Bruttogeschossfläche
Zum Thema
Dieser Text und ein ausführliches Gespräch mit den Projektbeteiligten erschien in BauNetz WOCHE #695 „Potenzial Holzmodulbau“.
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