Drei Bögen
Zeichenhafte Villa in Belgien von Dieter de Vos
Sieht fast so aus, als wären Louis Kahn oder Mario Botta in dem Provinzdorf De Pinte in Flandern vorbeigekommen: Große, parabelförmige Segmentbögen sind in ansonsten geschlossene Ziegelfassaden im „Flämischen Verband“ geschnitten worden – eine große Geste für eine kleine Villa in einem Einfamilienhaus-Neubaugebiet. Entworfen wurde sie von Dieter de Vos Architecten aus Brüssel.
Nicht nur die Fassaden, die jeweils im Segmentbogen knicken, sondern auch die Grundrisse sind zeichenhaft: Das Haus stellt ein großes „Y“ dar; den Drehpunkt der drei Flügel mitten im zweigeschossigen Haus markiert eine gewagte, exzentrische Spindeltreppe ohne Handlauf. Alle drei Flügel sind gleiche, zweigeschossige Kuben – lediglich einer davon wurde im Erdgeschoss für den Carport verlängert. Durch die drei Flügel werden drei Gartenabschnitte abgeteilt, die jeweils einer Tageszeit zugeordnet sind: Morgen-, Nachmittags- und Abendgarten.
Die Wohnbereiche im Erdgeschoss werden ausschließlich durch die drei Segmentbögen belichtet, die auch einen engen Bezug zum Garten herstellen sollen. Die drei Kuben nehmen Arbeits-, Sitz- und Essbereich auf. Hier dominieren warme, natürliche Materialien wie hölzerne Wandverkleidungen und ein leicht pink- und sandfarbener Terrazzoboden.
Im Obergeschoss trennen drei freistehende „Kabinette“ in Form von Einbauschränken drei Räume von der zentralen Diele ab; diese können durch unsichtbare, aus den Kabinetten herausfahrbare Türen geschlossen werden. Belichtet werden sie durch je ein rechteckiges Fenster an der Giebelwand und durch Oberlichter. Die steinsichtigen Außenwände sind matt hell gestrichen, während die „Kabinette“ glänzend weiß lackiert sind.
Ein Haus, das aus selbst auferlegten geometrischen Zwängen mittels einer umsichtigen Detaillierung das Beste macht; im Idealfall kann man hier sogar wohnen. (-tze)
Fotos: Filip Dujardin
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Und selbst wenn es so gemeint sein sollte passt der übrige repräsentative Habitus nicht dazu. Unabhängig davon war dieses Konzept bislang allerhöchstens als temporärer Messebauscherz tragfähig. Wie passt die kreuzlahme und grobschlächtige Treppe zu den eleganten weißen Einbaumöbeln? Garnicht? Eben! Das die Wirtschaftlichkeit bei diesem Projekt nicht im Vordergrund stand kann man den Architekten nicht zum Vorwurf machen. Das aber bei allem getriebenen Aufwand keine guten Räume entstanden sind schon.
Ja, is halt alles Geschmäckli. Das deutet darauf hin dass man sonst nichts findet = schönes Haus. Und ehrlich, ich finde die Treppe schön, aber AUCH schön gefährlich. Am Ende muss ja der Nutzer damit klar kommen, is ja kein öffentlicher Bau. Da wäre das wahrscheinlich sowieso nicht gegangen.
So weit ich es auf den Fotos sehen kann, werden die Räume durch die Öffnungen unter den Bögen und nicht durch die Bögen selbst belichtet. Aber na ja....es ist ja nur ein Zeichen....
Dasselbe gilt für Kahn, die Nationalversammlung in Dacca solltest du kennen.