Platz ist in der kleinsten Lücke
Wolfgang Zehs schmales Haus in Köln
Zwischen zwei Häusern einer denkmalgeschützten Blockzeile an der Hütterstraße in Köln war eine schmale Lücke übriggeblieben. Zu schmal, zu dunkel, zu eng an den Nachbarn, um sinnvoll genutzt zu werden; direkt gegenüber verläuft in sechs Meter Höhe die Bahntrasse von Köln nach Aachen, ein paar hundert Meter weiter liegt der Bahnhof Köln-Ehrenfeld. In den Bögen unter der Bahn: ein Afroshop, ein Schlosser, eine Schrotthandlung. Zwischen die Häuser hatte jemand irgendwann eine krumme Garage gezwängt, und es brauchte schon viel architektonische Fantasie, um sich hier etwas anderes vorzustellen.
„Gesucht haben wir nichts“, sagt der Kölner Architekt Wolfgang Zeh, der ein sechsgeschossiges Wohnhaus für seine Familie in die Lücke gebaut hat und dafür den einen oder anderen Architekturpreis erhielt, darunter eine Auszeichnung beim Deutschen Architekturpreis 2019. Im Jahr 2011 fanden Zeh und seine Familie ein Angebot für dieses Grundstück – und begannen, zu überlegen. Die lichte Breite zwischen den Brandwänden betrug drei Meter, das Grundstück ist zehn Meter tief, aber nur sieben davon durften bebaut werden. Hier wohnen?
Heute steht in der Lücke ein Haus mit Keller und Dachterrasse. „Die Räume sind klein“, sagt Zeh, „haben aber immer einen Bezug zu einem Raum darüber, darunter und zur Stadt.“ Die Familie musste genau überlegen, was benötigt wird: „Acht Quadratmeter reichen zum Arbeiten, zehn zum Wohnen, das Bad hat vier und das Kinderzimmer sieben.“ Das Erdgeschoss ist hohe Eingangshalle und Arbeitsraum in einem, die Schnittstelle zur Straße und zum kleinen Patio hinter dem Häuslein. Die Wohnräume liegen in den oberen Stockwerken mit Blick nach Süden, über die Gleise und auf die Stadt. Auf Höhe der Schallschutzmauer gegenüber befinden sich die Schlafräume und das Bad.
Das Projekt erforderte nicht nur Fantasie, sondern auch Geduld. Zwei Jahre lang plante Zeh allein die Treppe. Sie ist zwangsläufig das zentrale Element des Hauses, nimmt so wenig Platz wie möglich ein und schafft doch Bezüge und Verknüpfungen. Die Räume sind nicht einfach gestapelt, sondern greifen vertikal ineinander, sodass eine Art Drei-Zimmer-Haus auf sechs Geschossen entstanden ist. Auf dem Papier hat das Zeh'sche Haus 80 Quadratmeter Wohnfläche, aber es wirkt deutlich größer. Nach zwei weiteren Jahren stand der Rohbau. Vieles hat Wolfgang Zeh selber gemacht, denn vor dem Architekturstudium in Weimar absolvierte er bereits eine Ausbildung als Tischler. „Sein eigener Bauherr zu sein geht mit der Erkenntnis einher, dass Zeit ein wertvolles Gut ist“, schreibt Zeh. „Vor Ort zu entwerfen und Entscheidungen mit der Säge in der Hand zu treffen, das ist dafür Freiheit pur.“
Ob er denn nun fertig sei? Die Frage mag Zeh nicht so richtig. Immerhin: Das Haus wird von Familie und Büro bereits genutzt. „Das Bewohnen dieses Hauses ist sicherlich ebenso ein Prozess wie seine Realisierung.“, sagt er. (fh)
So ein Selbstversuch ist recht sportlich. Der maximale drohende Schaden ist der an den eigenen Fähigkeiten.
Und außerdem, was soll das Gejammer, wer schön sein will muss leiden!
ich verstehe ihr geschwurble nicht...
'Man hat ja keine wahl [...]' - Doch, der Architekt ist der eigene Bauherr und gleichzeitig Tischler, wir trauen ihm also sicher zu, die richtige Entscheidung der akustischen Verbindung der Räume getroffen zu haben und bei Bedarf sogar selbst was passendes zu zimmern. 'Als buero vielleicht ok [...] aber sonst?' - unfassbar. Man kann nur zu Gute halten, dass beim Verfassen des Kommentars schon fast Feierabend war. Ich hoffe, mehr Projekte dieser Art in Zukunft in Deutschland realisiert zu sehen, die mutig Konventionen in Frage stellen und das nicht nur durch Architekten, die für sich selber bauen...