Moderne Gründerzeit
Wohnungsneubau in Kassel
Der Stadtteil „Vorderer Westen“ gehört zur Kernstadt Kassels und zählt mit bis zu fünfgeschossigen Altbauten zu den bevölkerungsreichsten Vierteln der Stadt. Vorwiegend geprägt von Bauten der Gründerzeit ist auch die Gegend um die Reginastraße, wo sich Blockränder und freistehende Einzelbauten abwechseln. Hier haben foundation 5+ architekten aus Kassel kürzlich ein Wohngebäude mit 24 Einheiten fertiggestellt. An der Reginastraße 9–13 wurden damit mehrere flache Garagenbauten ersetzt und der Block zwischen Regina- und Goethestraße weitestgehend geschlossen.
Der Neubauriegel knickt dem Straßenverlauf folgend ab und wurde damit in zwei Einheiten unterteilt, die über einen jeweils eigenen Eingang erschlossen werden. Auf insgesamt 3.200 Quadratmetern Wohnfläche und fünf Geschossen entstanden 24 Wohnungen mit 94 bis 164 Quadratmetern Wohnfläche sowie eine Büroeinheit. Die Wohnungen im vierten Obergeschoss, das straßenseitig und nach Westen zurückspringt, erhielten zudem einen Wintergarten mit Dachterrasse. Das Untergeschoss mit Funktionsräumen und doppelgeschossiger Parkgarage nutzt die volle Grundstücksfläche bis zur südlichen Grundstücksgrenze aus.
Während sich die Fassade zum Innenhof mit großzügigen Verglasungen und Loggien öffnet, zeigt sie sich zur Straßenseite hin geschlossener. Die sich abwechselnden verputzten und verglasten Wandflächen betonen hier die Vertikale. Dies wird verstärkt durch vorgesetzte Holzstelen, die der Befestigung von Brüstung und Sonnenschutz dienen. Horizontale Gesimsbänder aus Sichtbeton, welche die außen liegende Rollos aufnehmen, betonen zudem die einzelnen Geschosse in der Horizontalen. In seiner zurückhaltenden Farbigkeit orientiert sich der Neubau am angrenzenden Nachbargebäude, interpretiert dabei aber typische Fassadenelemente neu. (ks)
Fotos: Constantin Meyer
So gesehen beweist diese "Kontroverse" einmal mehr, dass der "einfache Bürger" leider meist keine Ahnung hat. Dass trotzdem mancher Protest seine Richtigkeit hat, ist da eher Zufall. Wenn man gegen alles ist, stimmt es natürlich auch schon mal.
Ja, genau hierüber sollte man mal nachdenken. Wenn es in einem Baufachportal nur um Fassaden, Grundrisse und Materialien geht, dann fehlt m. E. etwas. Wie sieht es mit städtebaulicher Einpassung und Bewohnerzufriedenheit aus? Ist das nicht wichtig für Architekten?
Der Wunsch: Eine klare, elegante, großzügige moderne Architektursprache ohne Firlefanz!
Nein, da sind schon wesentlich mehr Bezüge zu sehen: Die klare Zonierung mit horizontalen Simsen etwa. Die Maßstäblichkeit der Fassade. Die Plastizität bzw. Relieftiefe, vor allem, wenn man nicht frontal auf das Haus guckt, sondern längs die Straße entlang. Das Verhältnis zwischen glatten Wandflächen, plastischen Details und Fensterflächen. All das greift die Charakteristika von Gründerzeitbauten auf, auch wenn die formale Ausprägung natürlich ganz anders ist.
Unabhängig davon, ob es einem gefällt oder nicht: das klappt hier schon ganz gut, finde ich. Ein glatter, weißer Kubus mit großen Glasflächen würde sich hier deutlich schlechter einfügen..
In historischem Umfeld wie dem Vorderen Westen wird natürlich meist gegen moderne Bauten protestiert. Umso bemerkenswerter ist der Umstand, dass hier nicht in Disneyland-Architektur verfallen, sondern ein modernes und zeitgemäßes Gebäude geschaffen wurde.
Mit den Fassaden bin ich nicht 100% d'accrod, aber die Wohnungen sind wirklich prima gelungen.