Am Lokdepot
Wohnungsbau von Robertneun in Berlin
Berlin hat zu wenig zentral gelegene Wohnungen. Die Verdichtung innerstädtischer Brachflächen und deren Nutzung durch Wohnbauten ist eine logische Konsequenz. Typisch für Berlin sind dabei nicht nur einzelne Baulücken in der urbanen Textur, sondern großflächige Grünräume entlang von umgewidmeten Flächen, die einst für die Infrastruktur genutzt wurden. Das Gelände am Gleisdreieck - heute ein Park - ist solch ein Gebiet. Für die Bebauung eines Grundstücks westlich der Monumentenstraße in Berlin-Schönberg und östlich der ehemaligen Gleise wurde nun die Baugenehmigung erteilt. Architekten des ungewöhnlichen, aus drei Typen bestehenden Wohnungsbaus, sind Robertneun aus Berlin. Der landschaftsplanerische Entwurf wird vom Atelier Loidl (Berlin) realisiert, das bereits den angrenzenden Park am Gleisdreieck gestaltet hat.
Robertneun Architekten haben für das Grundstück eine differenzierte Blockrandbebauung entwickelt, die die „postindustrielle Industrieromantik“ der alten Gleisanlagen in ein ungewöhnliches Konzept aus Grünräumen und Wohnungsbau überführt. Dabei schließen sie den gemeinsam mit der angrenzenden typischen Gründerzeitbebauung gebildeten Hof auf der ganzen Länge. Die Blockschließung führt nach Berücksichtigung diverser Abstandsflächen und Verschattungsstudien sowie in Kombination mit den drei von den Architekten entwickelten Haustypen S, M und L zu einer abgetreppten städtebaulichen Figur entlang der Grundstückslinie. In Ansicht und Dachverlauf zeichnen sich dabei die unterschiedlich breiten Haustypen ab.
Dabei ist Typ S als kleinstes Haus einem Townhouse ähnlich: Hier wird es Wohnen über mehrere Etagen um eine zweigeschossige Loggia herum geben. Typ M bietet gestapelte Etagenwohnungen mit Lastenfahrstuhl und Balkonen als Fluchweg. Typ L wird mehrspännig erschlossen und bietet teils zweigeschossiges Wohnen. Die „Rohbauten“ des Typ L werden dabei ergänzt durch so genannte „Gewächshäuser“, teils doppelgeschossige Raumelemente, die vollflächig verglast und in Stahlbauweise konstruiert sind. Sie werden in die „Fächer“ der Rohbauten eingeschoben. Ab April 2012 soll zunächst eine Eckbebauung mit den Typen L und M beziehungsweise insgesamt rund 40 Wohnungen realisiert werden. Das gesamte Vorhaben umfasst rund 200 Wohnungen.
Diesen Haustypen ist die industrielle Ästhetik und die einfache Konstruktionsweise als Stahlbetonskelett gemeinsam. Für den Innenausbau schlagen die Architekten ein variables System aus unterschiedlichen Wandelementen – von der Mauerwerkswand über Holzschiebwände, Glastrenn- oder Schrankwände und Regale bis zu Vorhängen vor. Die vorgefundene Farbigkeit des roten Backsteinmauerwerks, der bis heute vom Museum für Verkehr und Technik als Lokdepot genutzten Schuppen, soll bei den Neubauten durch die rote Einfärbung des Betons sowie rot lackierte Stahlelemente weiter geführt werden. Ein bis zu sieben Meter hoher Sockel, der den Höhensprung zwischen Gleisgelände und Wohnbebauung ausgleicht, fasst den Komplex zusammen und bietet Raum für gewerbliche und halböffentliche Nutzungen sowie Parkgaragen. Er soll mit altem Mauerwerk verkleidet werden.
Auch die Außenraumgestaltung orientiert sich am Genius Loci. So wird für die befestigten Flächen Kopfsteinpflaster verwendet werden, wie man es vor Ort bereits vorfindet. Die mittels unterschiedlich hoher Hecken umfriedeten Gartenhöfe der einzelnen Parzellen werden teils mit Rasen bepflanzt, teils mit Sand gedeckt. Ein goßes „Blätterdach“ aus locker über die gesamte Hoffläche verteilten Laubbäumen bindet die Einzelgärten auf anderer Ebene jedoch wieder zusammen.
die Behauptung, dass eine Genehmigung für die Blockrandbebauung der Rückseite Eylauer Straße vorliegt, ist schlicht falsch. Bisher wurden tatsächlich nur die beiden Kopfbauten an der Monumenten- und der Dudenstraße genehmigt, da diese nach Auffassung des Stadtplanungsamtes ohne Vorliegen eines Bebauungsplanes genehmigungsfähig sind. 3/4 des Vorhabens sind aber weiterhin strittig; hier läuft noch ein Bebauungsplanverfahren. Bisher warten wir auf die Vorlage eines Entwurfs für die Bebauung, der den von der BVV, dem bezirklichen Kommunalparlament, formulierten städtebaulichen Zielen gerecht wird. Danach werden wir in Rückkoppelung mit der Bevölkerung diskutieren, auf welcher Grundlage das B-Planverfahren weiter geht. Im Übrigen handelt es sich hier nicht um eine innerstädtische Brachfläche, die "logischerweise" wieder bebaut wird, sondern es geht um eine Änderung der Nutzung und eine Erhöhung der Nutzungsdichte deutlich über das Vorkriegsniveau hinaus. Daher ist hier eine besondere Rücksicht auf die umliegend vorhandene Bebauung und die Stadtlandschaft notwendig, die die bisher vorgelegten Entwürfe für die Bebauung völlig haben vermissen lassen. Mit freundlichem Gruß Ralf Kühne Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Tempelhof-Schöneberg PS: folgend noch die in Frage stehenden städtebaulichen Ziele: - Grundsätzliche Offenhaltung der bestehenden hoch verdichteten Hofsituationen - Zulassung von Eckbebauungen an der Duden- und der Monumentenstraße mit im Grundriss L-förmigem Anschluss an die bestehende Blockrandbebauungen, in der Höhe des Altbaubestandes - Zulassung von Kopfbebauungen entlang der Privatstraße, die sich in der grundrisslichen Anordnung und der Höhe an den frei stehenden Giebelwände des Altbaubestandes orientieren - Zulassung einer durchgehenden Sockelbebauung entlang der Privatstraße mit zwei Geschossen unterhalb des Straßenniveaus der umgebenden Straßen laut Beschluss der BVV vom Januar 2011
- dass das Bebauungsverfahren für diesen Bereich (7-1) noch gar nicht abgeschlossen ist und die Baugenehmigungen offensichtlich ohne Beteiligung der politischen Gremien des Bezirks Tempelhof-Schöneberg erteilt wurden, - dass Anwohner und Naturschutzverbände in ihren Stellungnahmen zum Bebauungsplan die neue Bebauung in der vorgeschlagenen Form ablehnen, - weil die neue Planung den Abriss der alten, wunderschönen Zufahrtsstraße zum Lokdepot vorsieht, - weil für die Planung ein großer Bestand an wertvollen alten Bäumen geopfert werden müsste, - weil die Planung einen erheblichen Eingriff in die über das Bahngelände verlaufende Nord-Süd-Grünverbindung darstellt, - weil durch die Anordnung der neuen Bauten die Interessen der jetztigen Anwohner völlig missachtet werden. Ihnen würde der Blick auf das Bahngelände vollständig verbaut. Zu befürchten ist, dass - bevor sich der Stadtplanungsausschuss des Bezirks am 8. Februar 2012 erneut mit dem Thema beschäftigen wird - schnell Fakten geschaffen werden sollen. Große Baumaschinen sind schon vor Ort aufgefahren.