Entwurfsgenerator Lärm
Wohnungsbau von Duplex Architekten in Zürich
Autos hupen, die Straßenbahn bimmelt, LKWs rumpeln vorbei. Der Lärmpegel ist hoch an der Kreuzung im Zürcher Norden. Der Bucheggplatz, Zentrum eines Wohngebiets mit heterogener Bebauungsstruktur, der spinnennetzartig von Fußgängerbrücken überspannt wird, ist vor allem Bushaltestelle und Umsteigebahnhof. Verkehrsgünstig gelegen, betonen die einen, aber eben auch laut, sagen die anderen. Wie man damit umgehen kann, zeigt der Neubau der Siedlung Buchegg von Duplex Architekten (Zürich), der seit April bezugsfertig ist.
Ergebnis: Drei abgewinkelte, siebenstöckige Gebäude mit 17.300 Quadratmetern Geschossfläche, die sich u-förmig entlang der angrenzenden Straßen ziehen. 110 Wohnungen zwischen 2,5 und 4,5 Zimmern, dazu vier Studios und vier Gewerbeflächen. Leicht von der Straße weggedreht, fokussiert der markante Kopfbau auf das Zentrum des Bucheggplatzes und kräftigt dessen Präsenz.
Entwurfsgenerator war, so die Architekten, die Lärmbelastung des Baufeldes. Riegelartig schotten die drei Bauten den Hof akustisch ab, unterstützt von geschlossenen Hausfassaden. Dahinter liegen die gemeinschaftlich genutzten Räume wie Treppenhäuser, Küchen und doppelgeschossige Essbereiche. Dieser „harte Rücken“ soll die privaten Wohnbereiche schützen und gleichzeitig durch große Fenster die Straßenfluchten beleben. Richtung Süden öffnet sich die Anlage zum vom Straßenlärm abgeschotteten Innenhof. Die allesamt zum Hof hin orientierten Wohnungsgrundrisse wurden jedoch so verdreht, dass Einblicke in die gegenüberliegenden Wohnungen vermieden werden.
Das Grundstück, das mit der schmaleren Kopfseite an den Bucheggplatz grenzt und im Osten, Westen und in Teilen auch im Süden von Straßen gerahmt wird, gehört der 1926 gegründeten Baugenossenschaft Waidberg. Diese hatte 2010 entschieden, die Bebauung aus den 1930er-Jahren abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Aus dem zweistufigen Einladungswettbewerb gingen 2011 Duplex Architekten zusammen mit den Zürcher Landschaftsarchitekten von Studio Vulkan als Sieger hervor. (kat)
Fotos: Seraina Wirz
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und die balkone im innenhof sind ja grosszügig, sie gewährleisten aber auch das JEDER JEDEM immer auf denselben schauen kann. panne der lärmpegel im innenhof wird auch nicht grade kleine sein. es ist aber auch ein echt gemeiner bauplatz an der stelle!
sauber detailliert, anspruchsvoll gestaltet und gut ausgeführt - so dass der fast schon dystopische charakter des innenhofs erst beim zweiten blick auffällt. eine festung in der stadt...
Die sehr spezielle Fassadengestaltung erklärt das leider nicht, das ist schade. Das Konzept der verdrehten Wohnungen ohne gegenseitige Einsicht ist interessant. Der Nachteil dieser Lösung sind die schiefwinkligen Grundrisse (man kann zumindest vermuten, dass dies ein Nachteil ist), und eher triste Blicke wie Bild 11, bei dem man eben von den Nachbarn gar nichts sieht - nicht mal ein Fenster. Man wünscht sich dringend mehr Erläuterung zu diesem Konzept. Vielleicht bekommen wir sie noch?