Ecke im Lokalkolorit
Wohnungsbau in Dresden von Peter Zirkel
Die Dresdner Johannstadt ist geprägt von städtebaulicher Heterogenität aus Blockrand-, freistehender Zeilen- und Punktbebauung. Der größte Wohnungseigentümer im Stadtteil, die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt, erwarb 2014 das Grundstück an der Striesener Straße und lud für den Neubau des Wohn- und Geschäftshauses acht ortsansässige Architekturbüros zu einem mehrphasigen Wettbewerb. Aus diesem ging 2016 das Architekturbüro Peter Zirkel als Gewinner mit Beauftragung zur Realisierung hervor.
Eine Besonderheit des Grundstücks besteht in seiner Lage vor der rückspringenden Zeilenbebauung aus den 70er Jahren. Ihr gegenüber definiert der Wohnungsbau einen achtgeschossigen Endpunkt, während er an die deutlich jüngere Blockrandbebauung des Nachbarhauses mit fünf Voll- und einem Staffelgeschoss anschließt. Im Erd- und ersten Obergeschoss ist die Nutzung für Büro- und Gewerberäume angelegt, in den Geschossen darüber gibt es 2- bis 5-, mit einem überwiegenden Anteil an 3-Zimmer-Wohnungen. Alle Einheiten sind zumindest zweiseitig orientiert, wobei Wohnräume mit tiefen Loggien gegen Südwesten, Schlaf- und Kinderzimmer meist zum lärmberuhigten Hof im Nordosten gerichtet sind. Die Umsetzung der Architektur entspricht den KfW 55-Anforderungen.
Mit seiner robusten Ziegelfassade aus Vormauersteinen aus der Region knüpfen die Architekt*innen an das Lokalkolorit an, das durch den gelblichen Ton des Elbsandsteingebirges geprägt ist. Auch an so manchem historischen Gebäude Dresdens lässt sich dieser bekanntlich finden. Handwerkliche Details wie der Lagenversatz in der Sockelzone oder auch die Verwendung von speziell gefertigten Formsteinen mit Viertelrundung in den Fensterleibungen unterstreichen die Wertigkeit der Fassade. Der Kontrast zur Materialität der umliegenden Gebäude verstärkt die markante städtebauliche Setzung noch zusätzlich. (hn)
Fotos: Ken Wagner, David Brandt
nicht jede Kritik ist Neid oder? auch nicht jeder Kritiker muss sich im Alltagsberufsleben mit den "Niederungen" der WDVS rumschlagen sondern darf Texte schreiben. Aber das darf er eben trotzdem! Zum Glück. Ich wünsche mir in den Diskussionen mehr Kommentierung der Redaktion bzw. Erläuterungen, die man vielleicht auch redaktionell bei den Projektverfassern einfordern könnte, wäre ein interessanter Exkurs.
ins auge fallen v.a. bild 4 (diverse anschlüsse, insbes. im deckenbereich) und bild 12 (fliesenmuster und -fugen, fensterrahmenverbreiterungen). wir alle wissen, wie schwer es ist, ein gutes haus von vorne bis hinten zu bauen. oft ist es auch eine frage, wie vorteilhaft man es hinterher fotografiert und veröffentlicht.
Formal finde ich das Gebäude gut gelungen und es erfüllt seinen Zweck als städtebaulicher Endpunkt. Die Fassade ist ansprechend gestaltet, wobei die Farbgebung etwas blass und monochrom wirkt. Der Ziegel hätte vielleicht ein bisschen "Leben" vertragen oder ein farbl. abgesetztes Sockelgeschoss. Aber innen? Und gerade die Küche? Die Frau des Fliesenlegers wird wohl jetzt Witwe sein....
Die Arbeiten aus dem Büro von Peter Zirkel beobachte ich schon seit einiger Zeit mit Freude. Besonders schön der Genossenschaftsbau in der Johannstadt und die Mediathek der Burg Giebichstein. Weiter gehts.