Graue Kastanie
Wohnkomplex in Graz
Ein ehemaliges Schulhaus im Jugendstil zwischen Blockrand- und Einzelbebauung als Ausgangspunkt für ein Wohnungsbauprojekt: Das Grazer Büro INNOCAD Architektur hat für einen kirchlichen Vermögensfonds 97 Wohnungen für Singles, Familien und Senioren errichtet. Der Bestand und der L-förmige Neubau bilden eine Hofsituation mit Gemeinschaftsgarten.
Den Jugendstilbau zierte angeblich einst ein Kastanienrelief, aber von dieser Ornamentik ist heute nichts mehr zu sehen. Die Architekten griffen das Motiv allerdings in völlig anderer Weise auf: Die Glasfaltläden in den Fenstern des dunkelgrau gestrichenen Altbaus sind mit einem Raster aus kleinen Blättern bedruckt und auch den Neubau zieren florale Bezüge. Dessen straßenseitiger Laubengang ist mit einem Drahtgitter geschlossen, in dem sich die Blätter als großflächiges Muster abzeichnen.
Laut der Architekten bezieht sich das Raster der öffentlichen Neubaufassade auf die Maße des Altbaus. Die großen Öffnungen an den als Kommunikationszone gedachten Laubengängen und das Drahtgitter wirken allerdings für die Bauaufgabe untypisch. Ob der besonders breit ausgelegte Laubengang tatsächlich zum Verweilen einlädt?
INNOCAD wollen Architektur mit anderen Designdisziplinen verknüpfen und streben unkonventionelle Lösungen an. Beide Ansprüche äußern sich in diesem Projekt, das sich nach seinem Standort in der Carnerigasse C34 nennt. Auf der Hofseite bieten Loggien, Balkone und Dachterrassen eine Fassade, die sich „mit dem Außenraum verzahnt“.
Nach der Fertigstellung des Projekts im Dezember letzten Jahres wird der Gemeinschaftsgarten nun bereits intensiv von den Bewohnern der 18 bis 110 Quadratmeter großen Wohnungen genutzt. Das Grün wird sicherlich bald einen lebendigen Kontrast zum zurückhaltenden Grau der Architektur bilden. (dd)
Fotos: Paul Ott
Wann lernen wir Architekten endlich, dass diese fehlgeleiteten Ansätze einer "Weiterinterpretation" der Moderne falsch waren?
Egal ob in Dortmund oder München, man weiss, wie diese Gebäude nach zehn oder zwanzig Jahren ausschauen.
Es wird mit viel Glück vielleicht kein sozialer Brennpunkt – wenn Lage/Publikum/Preisstruktur stimmen – aber es sieht so aus. Und zwar jetzt schon!
Der Garten scheint schön geplant und bringt Hoffnung, aber er wird das Ding nicht retten.
Man sieht, die Österreicher sind manchmal auch nicht besser als der dt. Mainstream-Architekt...
Die Eingangssituation wirft noch so einige Fragen auf... Bild 3 neben der Einfahrt?
Wenn man das Projekt anhand einer Farbe zwischen Schwarz und Weiß bewerten müsste, wäre es ein ganz klares grau mit vielen Stärken aber auch Luft nach oben.
Ehrlich gesagt finde ich die harsche Kritik überhaupt gar nicht gerechtfertigt. Klar ist nicht alles megatoll, aber sehr vieles wurde hier doch richtig gemacht. Ich denke, man wird dort gut wohnen, besser jedenfalls als in ganz vielen schrottigen Investorenprojekten.
Wir wünschen uns immer, dass mal was probiert wird, und wenn es dann nicht perfekt wird, dann gibt es nur Häme. Kein Wunder, dass sich die Bauherren am Ende nichts mehr trauen und alles noch viel mittelmäßiger wird. Es lebe Dunkeldeutschland.