Absichtlich hässlich
Wohnkomplex bei Paris von Edouard François fertig
Der Pariser Vorort Champigny-sur-Marne hat einen alten Stadtkern, aber auch die typischen Großsiedlungen der 1970er Jahre. Hier hat das Büro Maison Edouard François (Paris) jetzt einen ungewöhnlichen Wohnkomplex ergänzt. Das Areal sollte mit der Mischung aus Wohnungen und Geschäften ein neues Zentrum erhalten. Vorausgegangen war 2006 ein Wettbewerb.
„Ich kann nichts Schönes bauen, weil das den Rest hässlich erscheinen lässt. Also habe ich entschieden, etwas sehr Hässliches herzustellen, damit der Rest schön wirkt“, wird Edouard François etwas kokett zitiert. Das Ergebnis: Die Architekten stapelten drei Archetypen von Häusern, die alle in der Umgebung zu finden sind, übereinander.
Als Basis dienen dreigeschossige Townhouses, die mit Kupfer, Zinn und Terracotta-Fliesen verkleidet sind. Sie haben individuelle Eingänge von der Straße aus. Die Mitte des Komplexes bildet ein voluminöser, ebenfalls dreistöckiger Wohnblock, der an die 1950er Jahre erinnert. Sein Streifenlook entsteht durch den Wechsel von Fenster- und verputzten Fassadenbändern. Obenauf haben die Planer in lockerer Anordung Giebelhäuschen abgestellt. Sie sind wie der mittige Wohnblock über Treppen zwischen den Townhouses zu erreichen.
Die Qualität der Wohnungen spielte eine große Rolle: Sie öffnen sich zu zwei Seiten und sind nach den höchsten derzeit geltenden Standards der Energieeffizienz gebaut. Insgesamt sind 114 Apartments sowie Läden und Parkplätze entstanden. Der Komplex ist durch Zugänge, Sichtachsen und offene Passagen mit der Umgebung verknüpft.
Fotos: Paul Raftery
Ich find es ziemlich gut. Es hat was satierisches, aber es wird auch funktionieren, sonst hätte der Investor, der auch hier primär das Geld gesehen hat, nicht gebaut.
Ich stelle mal die gewagte These auf, das jeder, der Eduard Francois "Unvermögen" attestiert, ebendieses selbst aufweist. Nicht nur im avantgardistischen Entwurf, sondern auch in der Anerkennung dieses Baus.
Man kann es nicht oft genug sagen: Es BRAUCHT solcher Bauten! Dringender als noch einen Mainstream-Klon-Architekten, die alles richtig machen und doch nichts für die Baukultur leisten.
Dieses Gebäude polarisiert, regt zum Denken an und ist keine Utopie/Dystopie (denn es ist gebaut und wird genutzt werden). Man kann jetzt ewig ausführen, aber ich denke Ihr versteht, worauf ich hinaus will...
Nun denn, warum nicht. So zerreißen sich die anderen wenigstens die bereits zerfleddernde Lippenhäute...statt nur da zu sitzen und planlos zu kritisieren.
Enormes Konzept, zu dem man durchaus gratulieren kann: da traut sich einer was.
Und die Leute - auf den Fotos die Kinder - haben sogar ihren Spaß. Architektur soll ja auf die Menschen eingehen, hört man ab und an.