Über die Höhe zusammenwachsen
Wohnhochhaus in Ostermundingen von Burkard Meyer Architekten
Ob in Basel oder Zürich, Schweizer Ballungsgebiete werden ordentlich nachverdichtet. Dabei liegt der Fokus häufig auf der Entwicklung von Flächen rund um die Bahnhofsgleise, wo in den letzten Jahren nicht nur Büros, sondern auch immer mehr Wohnbauten entstehen. Dass man sich in der Schweiz nicht davor scheut, auf diesen Grundstücken in die Höhe zu bauen, zeigt einmal mehr der im letzten Jahr fertiggestellte Wohnturm in Ostermundigen, einer Gemeinde im Osten von Bern.
Wo früher einmal der Landgasthof „Bären“ stand, ragt jetzt der 100 Meter hohe BäreTower in den Himmel. Trotz schlichter, vorgehängter Fassade aus Aluminium ist das höchste Haus des Kantons ein Statement für die rund 18.700 Einwohner*innen zählende Gemeinde. Der 33-geschossige Neubau ist nämlich auch als Zeichen dafür zu sehen, dass das eher dörflich geprägte Ostermundigen näher an den städtischen Nachbarn Bern heranrücken möchte. Tatsächlich soll aus den beiden Gemeinden bald eine werden. Die Fusion ist, wenn der noch ausstehende Volksentscheid zustimmt, für den 1. Januar 2025 geplant.
Entworfen haben den Turm, zu dem ein Anbau mit fünf Geschossen gehört, Burkard Meyer Architekten aus dem Schweizer Baden. Neben 150 Zweieinhalb- bis Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen nimmt der von der Helvetia Versicherungen Generalagentur beauftragte Neubau ein Hotel mit 116 Zimmern, Verkaufsflächen sowie ein Restaurant im neunten Obergeschoss auf. Weiterhin gesellt sich ein unscheinbarer Dreigeschosser mit Verkaufsflächen, einem Ärztezentrum und einer Bank hinzu. Insgesamt umfasst das Ensemble 27.000 Quadratmeter Geschossfläche.
Orthogonal zur Bahnlinie angeordnet, richtet sich der Turm zum vorgelagerten Platz aus. Mit dem zweiten Baukörper mit öffentlicher Nutzung fasst er einen städtebaulichen Raum, der die Attraktivität des Ortes – auch im Hinblick auf zukünftige Planungen um den Bahnhof – stärken soll, so die Architekt*innen. (dsm)
Fotos: Damian Poffet
@2 wo sie hier beengte Aufenthaltsräume erkennen, erschließt sich mir nicht. Insgesamt scheinen die Wohungen recht großzügig geschnitten zu sein.
Es zerstört aus meiner Sicht den den Charakter auch ländlicher Städte weniger als diese immer weiter mit 1-2 geschossiger Bebauung in die Umgebung ausfransen zu lassen.
Was aber auffällt - ich habe wirklich sehr, sehr lange nicht solch schlechte Wohngrundrisse gesehen! Die Architekten waren nicht in der Lage mit der Verdrehung der Baukörper adäquat umzugehen und so sind "Raum"situation entstanden, die man sich real nicht vorstellen mag. Wohnbereiche verkommen zu beengten Aufenthaltsflächen, garniert mit vielfach nicht mehr nutzbaren Restflächen. Sorry, aber das ist einfach nur grotesk.
Im Netz finden sich genügend Artikel und Abrissbilder zum Vorgängerbau. Wie diese Hochhaus-Betongold-Spekulanten eine Stadt nach der anderen zerstören - ohne nennenswerten Widerstand aus der Architektenschaft - ist beschämend.