Für die Töchter der Ehrenlegion
Wohnheim in Saint-Denis bei Paris
Bei aller behaupteten Gleichheit der Bürger, das französische Bildungssystem ist reich an elitären Besonderheiten. Zu diesen zählt unter anderem das Maison d'éducation de la Légion d'honneur, einem Mädcheninternat, das bis heute nur Töchtern und Enkeltöchtern von Mitgliedern der Ehrenlegion offensteht. Auf dem Stammgelände der Legion in Saint-Denis konnte das Büro Belus & Hénocq (Paris) kürzlich ein neues Wohnheim fertigstellen.
Geprägt ist die Umgebung von einer altehrwürdigen Parkanlage, in der steinerne Schulgebäude für eine eher einschüchternde Atmosphäre sorgen. Auf diese Situation reagieren die Architekten mit einer warmen Holzarchitektur, die zwar in bewusstem Kontrast, nicht jedoch in Konkurrenz zum denkmalgeschützen Bestand steht. Das Gebäude verfügt über zwei Flügel mit insgesamt 60 Zimmern, die durch einen Mitteltrakt verbunden sind.
Die Atmosphäre im Innenraum bricht ebenfalls mit der Disziplinararchitektur der Schulgebäude – insbesondere der Verbindungsbau, der auch der vertikalen Zirkulation dient, zeichnet sich durch seine Offenheit aus. Dort gibt es neben verschiedenen gemeinschaftlichen Einrichtungen auch eine Dachterrasse. Formal wirkt die Fassade allerdings etwas unzeitgemäß – unweigerlich muss man angesichts des Zusammenspiels von Holz, Beton und Pultdach an frühe Formen der Ökoarchitektur denken.
Gänzlich ohne kriegerische Metaphern kommen die Architekten angesichts der besonderen Bauaufgabe übrigens nicht aus – schließlich verfügt die Ehrenlegion bis heute neben ihrer zivilen auch über eine militärische Seite. Weil beim Bestand die Erweiterung in Form einer blinden Giebelwand schon vorgesehen war, beschreiben sie ihr Wohnheim als Bajonett, das sie nur noch aufstecken mussten – wie bei einem Gewehr. (sb)
Fotos: Raphaël Chipault