Zwischenraum und Übergang
Wohnhauserweiterung von Meixner Schlüter Wendt im Taunus
Meixner Schlüter Wendt Architekten (Frankfurt/Main) nähern sich ihren Bauaufgaben immer spielerisch-experimentell. Sie addieren und substrahieren, hüllen ein und legen frei; das alles mit Hilfe einer Vielzahl von Modellen. So auch für die Erweiterung eines ursprünglich 1913 gebauten und mehrfach umgestalteten Wohnhauses im Taunus, die gerade abgeschlossen wurde.
Die Bauherrenfamilie hatte zwei Wünsche: Der Eingangsbereich ihres Hauses sollte klar definiert und die Wohnfläche zur straßenabgewandten Seite nach Norden um ein Wohn-, ein Schlaf-, ein Badezimmer sowie Fitnessräume erweitert werden. Um zugleich geschützte Außenbereiche herzustellen, stülpten sie über das bestehende Walmdachhaus eine Hülle. Diese steht an beiden Seiten über und schafft die gewünschten Räume: Es ist ein für die Architekten typisches Wechselspiel aus Innen-, Außen- und Übergangsräumen entstanden. Der Abstand der Hülle zum Altbau ist je nach Nutzung unterschiedlich.
Das Motiv des Walmdachs wurde zur südlich gelegenen Eingangsseite übernommen, die äußere Erscheinung des Altbaus dadurch abstrahiert. Am Übergang zu den neuen Bauteilen faltet sich das Dach zu unregelmäßigen Dreiecken. Dach- und Wandflächen sind einheitlich mit dunkelgrauen Schindeln verkleidet und ergeben trotz der komplizierten Geometrie ein homogenes Bild.
Wie ein Puppenhaus ist die Fassade an zwei Stellen aufgeschnitten; das Innere beziehungsweise Eingehüllte blitzt hier hell hervor. Man entdeckt so das versteckte Haus mit der traditionellen Fassadengliederung. Zum Garten hin öffnet sich der hochrechteckige neue Teil mit großen Glasflächen. Innen sind der alte und der neue Bereich unterschiedlich gestaltet: Letzterer ist an seine Entstehungszeit angepasst, während die neuen Räume einheitlich hell und schlicht gehalten sind.
Fotos: Christoph Kraneburg
1. Sobald man die Hand vor den Anbau hält ist sofort das Nachbild eines biederen 70iger 80iger Jahre EFH da, wo es plötzlich schick war die Dachhaut hinunter in die Fassade zu ziehen.
Ohne das Vorherbild ginge man sicher auch davon aus das es sich um einen solchen Anbau handeln würde, was eine andere Ausgangslage wäre.
2. Dieses proportionale und materielle Missgeschick anzumerken heisst im Umkehrschluss nicht das eine Erweiterung zwangsläufig "klassisch" ("spiessig" hier richtig interpretiert!?) hätte ausfallen müssen - es verwundert nur - das sich jemand eine Villa aus den 30igern kauft und umbaut - mit dem anschliessenden Ausdruck eines Komplettneubaus.
3. Das Bestandsgebäude selber kann zweifelslos ohne Handschuhe angefasst werden da nicht so qualitativ wertvoll wie die benachbarte Villa. Unter den Arbeitsmodellen sind ja auch weiterfolgbare Ansätze gewesen wie das gemeinsame Dach mit freier Auffaltung (2 u. 4), Fortsetzung der Gebäudeflanken (6) oder gröbere Überformung wie in (7) allerdings nicht so einfach in subversiver HdeM-Qualität (denke da an Vitra) hinzubekommen.
3.1 Ignorieren des Kontextes. Es gelingt dem Projekt nicht in einer Villengegend (Anfang/Mitte letzten Jahrhunderts) ein positives Ausrufungszeichen in der Form - "Aha! hier gesellt sich etwas Neues dazu und nimmt Bezug auf das Alte" zu setzen. Schlussendlich das Resultat von Punkt 1. In einem anderen Stadtteil, mit anderer Ausgangslage hätte ich keine Notiz davon genommen und für manchen anderen wäre es vielleicht eine erfrischende Alternative zum Krüppelwalm gewesen.
Aber so ist und bleibt es nur *Exkre.... ein schlechtes Puppenhaus.
Ich sehe in diesem "Shitstorm" der konservativen Spießer eher eine Bestätigung der innovativen Herangehensweise der Architekten und auch des Bauherren.
Vielen Dank für diesen bereichernden Beitrag deutscher Architektur.
Am Ende, lieber Eduard, WOLLTEN möglicherweise die Bauherren einen so großen Auftritt!
Zumindest glaube ich, dass wir hier weder das tränenerstickte Lied der armen, unverstandenen Architekten noch dass der überrumpelten Bauherren anstimmen müssen...
Und abgesehen vom recht verschwurlbelten Übergangsbereich Alt-Neu im Dach kann ich zumindest von "klaustrophobischer Enge" in den Bildern der neuen Räume nicht viel erkennen.
Was die -von mir geteilte- Kritik an der Maßstäblichkeit angeht (wuchtiger Anbau auf der Rückseite und eine riesige, recht "hohl" wirkende Geste zur Straße), könnte man noch anmerken, dass die Nachbarhäuser auch nicht gerade kleine Hundehütten sind ( s. Bild 6)...
denn sonst hätten sie diesen umbau nicht erlaubt!"
Na klar, die Bauherren sind unmündig und zu dumm, um Pläne und Modelle zu verstehen und die Architekten sind hinterlistige Egomanen, die sich auf Kosten andere selbst verwirklichen...Mannomannomann....mit der Einstellung hat man doch als Architekt echt den Beruf verfehlt.
"am ende halten sich die bewohner in den alten gewohnten, schön renovierten bereichen auf."...
was Sie alles wissen....