Konstruktivistisch angehaucht
Wohnhauserweiterung im Piemont von ErranteArchitetture
In der piemontesischen Gemeinde Paesana stand auf einem leicht abfallenden Grundstück, nur wenige Dutzend Meter vom Fluss Po entfernt ein vergleichsweise dröges, zweigeschossiges Wohnhaus aus den 1960er Jahren leer. ErranteArchitetture aus dem ebenfalls in der Region gelegenen Savigliano bauten es für eine private Bauherrschaft zum großzügigen Familienheim mit gestalterischem Anspruch um. Dabei sanierten sie den 320 Quadratmeter Bruttogrundfläche bietenden Bestand und erweiterten ihn um ein neues Volumen mit 140 Quadratmetern. Realisiert wurde das Projekt Casa BM teils im Selbstbau, teils zusammen mit lokalen Gewerken.
Von der ursprünglichen Struktur des Altbaukubus mit Satteldach blieb nur die äußere Hülle übrig, die eine Wärmedämmung erhielt. Während die zur Straße blickenden Putzfassaden im Norden und Westen fast unverändert blieben, ist die zum Garten ausgerichtete Südfassade kaum wiederzuerkennen. Sie wurde zur Hälfte geöffnet. Ein vollverglaster Verbundholzrahmen bringt mit seiner Geometrie einen Hauch künstlerischen Konstruktivismus in den ansonsten schlichten Baukörper. In Richtung Osten, wo ein benachbarter viergeschossiger Wohnblock die Privatsphäre beeinträchtigte, blendet nun eine größtenteils geschlossene Stahlbetonwand diesen Kontext aus.
Einer ähnlichen Logik folgt die Fassadengestaltung der östlichen Erweiterung, die als länglicher Pavillonbau mit einem ober- und einem unterirdischen Geschoss so an den Bestand gefügt wurde, dass sich ein L-förmiger Grundriss ergibt. Nach Westen zeigt er große verglaste Öffnungen, im Osten ebenfalls eine Betonwand. Das auskragende Satteldach bietet hier und vor der Gartenfassade Wetterschutz für eine Veranda. Diese hat fast Balkoncharakter, denn sie schwebt über einem Aushub, der das in den Hang gesetzte Untergeschoss öffnet. Es beherbergt ein Arbeitszimmer mit externem Zugang, während das Erdgeschoss des Pavillons Eingangs- und Wohnbereich aufnimmt.
Der Altbau wurde entkernt und grundlegend neu organisiert. Doppelte Raumhöhen und teils diagonal gesetzte Trennwände sollen die Verbindung zum Pavillon stärken sowie Belichtung, Blickbezüge und Flächenaufteilung optimieren. Roh belassene Materialien wie Sichtbeton, Kiefersperrholzplatten und Betonblöcke, ergänzt durch simple Einbaumöbel lassen einen unkonventionellen Raumcharakter entstehen. Knallrote Metallelemente setzen innen wie außen Akzente in der ansonsten gedeckten Farbpalette. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- ErranteArchitetture
- Projektleitung:
- Sarah Becchio, Paolo Borghino
- Mitarbeitende:
- Andrea Loi, Francesco Sordo, Ilaria Boggiatto, Emma Colella, Margherita Randazzo
- Tragwerksplanung:
- Fabio Borello
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 450 m² Bruttogrundfläche
ogottogott, und das zum Wochenende.....ich glaub ich muss bischen beton brut original 60er anschauen gehen zum runterkommen