Berliner Eiszeit
Wohnhaus von rundzwei
In Berlin-Moabit wölbt sich neuerdings ein Wohnhaus aus der sonst so strikten Blockrandbebauung der Stadt. Nur leicht, aber deutlich schwenkt sein helles Aluminium-Wellblech aus der geraden Straßenflucht hervor. Rundzwei Architekten schlossen mit ihrem derart verkleideten Neubau eine seit Dekaden unbebaute Lücke zwischen zwei Nachkriegsgebäuden. „Eisberg“ nennen die Berliner Architekten ihr Projekt, denn die einheitlich metallene Gebäudehülle bilde zur Straße eine „natürliche und fließende” Form, die zugleich „städtisch und kühl“ wirke, wie es die Büropartner Andreas Reeg und Marc Dufour-Feronce beschreiben.
Die Hofseite ist ganz anders: Dort zeigt sich der Eisberg vielmehr in einer leichten Stahlgerüstkonstruktion, die mit einer nach außen gelegten Wendeltreppe und durchgehenden Balkonen zugleich die Erschließungswege stellt. Durch die vorgehangene Erschließung sollen die Architekten eine maximale Nutzfläche erreicht und das Eckgrundstück mit dem größten, baurechtlich machbaren Gebäudevolumen gefüllt haben. Zusätzlich bezog das Büro noch das benachbarte viergeschossige Wohnhaus mit ein, das sie um ein weiteres Vollgeschoss und ein Staffelgeschoss aufstockten, so dass insgesamt ein sechsgeschossiges Ensemble mit 18 Mietwohnungen entstand.
Neun Zwei-Zimmer-Wohnungen mit jeweils 55 Quadratmetern Nutzfläche verteilten rundzwei vom Erdgeschoss bis zum vierten Obergeschoss. Die letzten beiden Ebenen beherbergen insgesamt neun Maisonette-Wohnungen unterschiedlicher Größe, zwei über dem Neubau, sieben über dem Altbau. Jede einzelne Wohnung verfügt über einen langgestreckten Südbalkon, der in die offene Gerüststruktur integriert ist. Zur Straße hin lassen sich die einzelnen Fenster mit Klappläden komplett verschließen. Gleichzeitig ist das perforierte Aluminiumblech lichtdurchlässig, auch im geschlossen Zustand dringt Tageslicht durch die Fenster. Der Moabiter Eisberg ist – anders als sein Name suggeriert – vornehmlich aus Holz. Reeg und Dufour-Feronce planten ihn als Holzskelettbau mit tragenden Vollholzdecken und Fassadenelementen in Holztafelbauweise. Rund 1.750 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, inklusive Dachaufstockung, entstanden hinter der gewölbten „Eisfassade”. (mg)
Fotos: Gui Rebelo
Mit der Materialität und der Erdgeschosszone kann ich mich dann aber nicht mehr so richtig anfreunden. Wäre alles aus Poroton mit Glattputz gebaut worden und ohne die Fensterläden, die nach Norden eigentlich keinen Sinn machen, wäre sicher ein besseres Ergebnis erzielt worden. Gerade diese formalen Zwänge, zusammen mit den plumpen Fensterdetails von Innen, lassen das Gebäude dann doch nicht überzeugen.
Nach dem Schnitt in Bild 26 sind es die Straßenfenster mit Absturzhöhen bis ~15m. Der Aspekt "Unterlicht als Festverglasung oder abschliessbares öffenbares Fenster" ist hier durch das hochgezogene Lochblech gelöst. Hat aber keinen Einfluss auf die Frage der Überkletterbarkeit. Grüße