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10.11.2020

Wo Bäume aus Beton wachsen

Wohnhaus von Vo Trong Nghia in Ha Long


Die Bucht von Ha Long im Norden Vietnams ist ob ihrer einzigartigen Landschaft mit im Meer versinkenden, baumbewachsenen Karstfelsen beliebtes Ziel für Touristen und UNESCO-Weltnaturerbe. Zugleich fungiert die schnell wachsende Stadt Ha Long in der Provinz Quang Ninh als wichtiger Wirtschaftsstandort für Fischerei und den Kohlebergbau im Hinterland. Vo Trong Nghia Architects (Ho-Chi-Minh-Stadt) haben hier jüngst ein privates Wohnhaus mit einem polygonalen Volumen aus Beton fertiggestellt, das durch eine komplexe Raumkomposition besticht und mit seinen Öffnungen spektakuläre Ausblicke in die Umgebung bietet.

Der fünfstöckige Bau, nur eine Reihe hinter dem Ufer der Bucht gelegen, erhebt sich über einem fünfeckigen Grundriss. Die Architekt*innen bezeichnen die Ha Long Villa als Ort, an dem sich die Bewohner*innen wie im Wald fühlen können. Das wird schon am Außenbau deutlich: Während die rohen Betonflächen mit deutlich sichtbaren Schalungshölzern auf den ersten Blick hermetisch wirken, wächst durch viele größere und kleine Öffnungen das scheinbar wild wuchernde Grün.

Erster Clou ist ein zweischaliges Verfahren, sodass die eigentlichen Wohnräume nur im inneren Kern liegen. Die Betonfassade ist quasi übergestülpt. Auf diese Weise sorgt sie im tropischen Klima Vietnams für wichtige Verschattungen und reduziert die Lärmbelastung der umgebenden Straßen. Die verschiedenen, nicht verglasten Öffnungen wiederum bieten zum einen ungewöhnliche Durchblicke und lassen zum anderen den Wind durch das ganze Haus wehen – als energieneutrale Kühlung. Die Erschließung funktioniert durch eine sich im halboffenen Raum innerhalb der Schalen spiralförmig nach oben schraubende Treppe, immer wieder unterbrochen von kleinen Terrassen mit Baumbestand und hohen Aufenthaltsqualitäten. Eine zweite, schmale Treppe im Inneren macht außerdem die zügige Zirkulation in der Vertikalen möglich.

Das führt uns zur zweiten Attraktion des Hauses: der anspruchsvollen Innenraumdisposition. Hier wechseln sich ein- und doppelgeschossige Räume ab. Durch den fünfeckigen Grundriss und die verschiedenen Sichtbeziehungen zwischen den Etagen entstehen verschachtelte, jeweils einzigartige Raumformen. Der naturgemäß am schlechtesten belichtete innerste Raum ist ab dem vierten Stock als hoher Patio konzipiert, in dessen Zentrum dank Oberlichtern ein weiterer großer Baum wächst.

Vo Trong Nghia Architects betrachten die Ha Long Villa als Teil einer Reihe von „Häusern für Bäume“, wie sie es schon in diesem und diesem Projekt in Ho-Chi-Minh-Stadt gezeigt haben. Ihr erklärtes Ziel: Grünflächen wieder in die Stadt zu bringen, um den hier lebenden Menschen ein gesünderes Leben zu ermöglichen. (stu)

Fotos: Hiroyuki Oki


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