Nachverdichtung im Berliner Block
Wohnhaus von Nägeli und roedig.schop
Berlin ächzt unter seiner Wohnungsnot und sucht unter anderem nach Chancen für Nachverdichtung. Das städtische Wohnungsunternehmen Gesobau hat eine dieser Chancen nun im Stadtteil Pankow ergriffen und im Inneren eines gründerzeitlichen Stadtblocks einen mächtigen, siebengeschossigen Neubau mit 106 Wohnungen realisiert. Die Entwürfe stammen von einer Arbeitsgemeinschaft aus Nägeliarchitekten und roedig.schop architekten (beide Berlin).
Der Neubau ist in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Westlich und nördlich wird er von den Gebäuden der Blockkanten umgeben, im Osten liegen die Spielplätze des Blockinneren, im Süden schneidet die Stadtbahntrasse auf einem Damm mit Lärmschutzwand diagonal durch den Block – zum S-Bahnhof Pankow sind es nur knapp 150 Meter. Entlang des Bahndamms liegt auch die Erschließung.
Der Neubau reagiert auf diese Umgebung: Nach Westen gliedern vier Anbauten mit Balkonen, Terrassen und Vorgärten den Riegel und beziehen sich auf die Rückseiten der gründerzeitlichen Häuser. Hier liegen auch die Gemeinschaftsgärten und der Kleinkindspielplatz. Die Ostseite hingegen verläuft als glatte Fassade mit verglasten Loggien für den Schallschutz wegen der Spielplätze. Im Erdgeschoss gibt es nach Westen Wohnungen mit direkten Gartenzugang, im Osten liegen Räume für Carsharing und E-Bikes, ein überdachter Spielplatz, ein 100 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum und Co-Working-Plätze für Bewohner- oder Nachbar*innen.
Die 106 Wohnungen reichen von kompakten Zweizimmerapartments mit 47 Quadratmetern bis zu Vierzimmerwohnungen mit 102 Quadratmetern. Insgesamt kommt der Neubau auf 11.093 Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf einem Grundstück von 4.661 Quadratmetern. „Die Großform“, schreiben die beiden Architekturbüros, „war eine Voraussetzung für den kostengünstigen Mietwohnungsbau. Die Genehmigung über das ‚Einfügen in die Umgebung‘ nach §34 war ein intensiver Abstimmungsprozess mit den Behörden und Nachbarn.“
Das Projekt geht zurück auf die „Urban Living“-Workshops des Berliner Senats 2013/2014, so teilt es die Gesobau mit. Es war zwar damals nicht unmittelbar Teil der Initiative, entstammt aber – wie auch die Wohnbauten von EM2N an der Briesestraße, von blrm an der Arcostraße oder von ArchitekturConsult und LOVE an der Köpenicker Straße – mittelbar den Debatten, die von der Initiative damals ausgelöst wurden. (fh)
Fotos: Stefan Müller
- Fertigstellung:
- Juni 2023
- Architektur:
- ARGE Flora Ahoi (roedig.schop architekten und Nägeliarchitekten)
- Landschaftsplanung:
- hochC Landschaftsarchitektur
- Tragwerksplanung:
- ITP Tragwerksplanung
- Technische Gebäudeausstattung:
- Brandes und Siebeck
- Bauherrschaft:
- Gesobau
- Fläche:
- 11.093 m² Bruttogrundfläche
die langen flure und die daraus resultierende große zahl ein einseitig orientierten wohnungen- schlecht zu durchlüften und dann auch noch in großer zahl nach osten orientiert und mit entsprechend geringer direkter belichtung - sind eigentlich im zeitgenössischen wohnungsbau ein no go. (wäre zumindest ein teil der wohnungen durchgesteckt, könnte man davon sprechen, dass irgendwem zwei seiten gegönnt wurden. so, wie es ist, trifft das ja nicht zu). von der banalität der einzelnen wohngrundrisse, in denen dann insgsamt nochmal ungefähr dieselbe flurfläche produziert wird, wie in den erschließungsfluren, ganz zu schweigen. bezeichnend, dass bei diesem "wohnungs"bau keine fotos von den wohnungen gezeigt werden. ich will dafür aber nicht in erster linie die architekten verantwortlich machen. das ist m.e. schon in erster linie eine direkt dreidimensional materialisierte excel-tabelle mit kostenkalkulationen der gesobau, die wir da zu sehen bekommen. mit wohnungsbau hat all das insofern zu tun, als man das, was sich da drinnen befindet, wohnungen nennt. mit architektur hat es fast nichts zu tun. den menschen, die darin leben werden, gönnt die bauherrin wenig.
Mittelgangflur und Multispänner haben schon lange ein unheiliges Revival.
Die kompakte Form liefert die geforderte Anzahl Wohneinheiten. Gleichzeitig gönnt sie sich zwei verschiedene Seiten, was den Wohnungen nach Westen gut tut. Mittelflur ist kein Weihnachten, aber der hier verändert immerhin die Breite. Balkone, Loggien, Lärmschutz. Abstandt zu den NAchbarn, Dichte... ich finde das zumindest gut gemacht. Kein architektonisches HIghlight, für das man jetzt extra in die Bundeshauptstadt reisen würde, aber auch keine "Grundrisse aus der Hölle" und die "Küche inenliegend im Wohnungsflur" konnte ich auch nicht finden. Solide Arbeit. Nicht mehr, nicht weniger. Glückwunsch, Kollegen.
Warum werden solche Aufgaben nicht an junge Architekt*innen oder Studierende an den Universitäten vergeben, die voller kreativer Ideen und frischer Konzepte sind? Stattdessen entstehen immer wieder architektonische "Monster" der Vergangenheit. Bitte reformiert endlich das System!