Moderne Spolien für den Archäologen
Wohnhaus von Luca Compri Architetti in Varese
Als der berühmte Archäologe, Troja-Entdecker und deutsche Kaufmann Heinrich Schliemann im späten 19. Jahrhundert sein eigenes Haus in Athen errichtet ließ, soll er seinem Architekten Ernst Ziller nur wenige Vorgaben gemacht haben: „Ich möchte Weiträumigkeit und nichts mehr. Du kannst jeglichen Stil auswählen“, heißt es auf Wikipedia. Man könnte vermuten, dass der italienische Archäologe, für den Luca Compri Architetti (LCA) nun ein Haus im norditalienischen Varese gebaut haben, etwas genauere Vorstellungen hatte. Jedenfalls ist sein bewohnbarer Kubus im Gegensatz zu Schliemanns eklektischem graeco-toskanischen Stadtpalais von ziemlich einheitlicher Strenge.
Zunächst. Denn in dieses zeitgenössisch-minimalistische Wohnhaus haben die Architekten aus Varese einige Anspielungen auf den Beruf des Bauherren integriert. Die Außenwände des zweigeschossigen, nahezu würfelförmigen Baus bilden ein historisches Mauerwerk nach, wie es etwa aus der römischen Antike überliefert ist: Die Wandoberfläche zeigt die Konturen eines Backsteinmauerwerks, punktuelle Einsätze aus Naturstein ähneln den Marmorbalken und -pfeilern antiker Konstruktionen. Allerdings ist das scheinbare Mauerwerk aus geriffeltem Beton, die Natursteineinsätze sind aus Travertin. Zudem sind beide Materialien – das ist ungewöhnlich – recycelt. Luca Compri Architetti verwendeten großteils wiederverwertete Baustoffe, die sie aus abgerissenen Gebäuden und stillgelegten Steinbrüchen gewannen. Bei einer Wohnfläche von 190 Quadratmetern beliefen sich die Baukosten des Kubus auf 250.000 Euro.
Anders als Schliemanns Palais in der Athener Innenstadt ist das Wohnhaus dieses Archäologen nicht für den öffentlichen Blick gestaltet. Es steht am äußersten Rande einer Siedlung und ist von Bäumen umwachsen. Im Erdgeschoss befinden sich ein großes und helles Wohnzimmer mit Küche, Esszimmer und ein kleines Bad; im ersten Stock befinden sich die Schlafzimmer, zwei Hauptbäder und das Arbeitszimmer des Bauherrn. Mit großen Fenstern in alle Himmelsrichtungen inszenieren die Architekt*innen die umgebende Landschaft, die von Weinbergen und Felderwirtschaft geprägt ist. (sj)
Fotos: Simone Bossi
Steine im Hochformat zu vermauern und ohne Versatz ist vermutlich erstmals im 20. Jhdt gemacht worden und erinnert mich eher an einen Fliesenbelag.
und hier kann man jetzt auch schon aufhören zu reden.
achso, und die fügung der materialien ist doch nicht wirklich besonders - bodenbelag, sockelleiste, wand, raumhohe fenster, attikablech, steinsockel. nur die natursteinplatten sind überall reduziert und randlos angeschlossen, aber das könnte sich nach einer gewissen nutzungszeit noch rächen, denn regnen soll es ja sogar in italien.
besonders sind höchstens die materialien selbst.
und ist eigentlich logisch: wo keine leuchten oder steckdosen oder kein strom , da brauchts auch keine schnöden lichtschalter.
und keine möbel
und keine menschen