Innerer Kontext im Bayerischen Wald
Wohnhaus von Büro Mühlbauer
Eine monolithische Betonhülle, wie man sie eher im warmen Mexiko vermuten würde und eine Sequenz aus Räumen und japanischen Ziergärten formen das House with two courtyards. Tatsächlich steht das Wohnhaus für einen privaten Bauherrn in Bad Kötzting im Bayerischen Wald, nahe der Grenze zu Tschechien. Es verfolgt mit seinem introvertierten Konzept die Idee eines Ortes, der unabhängig vom Kontext funktionieren soll.
Wieso fast immer erst der Wohnraum betreten werden müsse, bevor man in den Garten gelangt, fragten sich die Architekten von Büro Mühlbauer aus Ingolstadt bei der Planung des Projekts. Neben rein funktionalen Überlegungen merkt man dem klar gegliederten Baukörper eine poetische Haltung an: Außen als hermetischer Sichtbetonquader konzipiert, offenbart sich im Inneren eine geruhsame Raumfolge, die mit dem Abstreifen der Schuhe im südwestlichen Vestibül beginnt.
Der eigentliche Wohnraum liegt zwischen den beiden namensgebenden Innenhöfen und öffnet sich dorthin jeweils mit Vollverglasung. Er fasst Wohnküche, Bäder und zwei Schlafzimmer, die von den Architekten als flexible Schalträume gedacht sind. Der entscheidende Unterschied zum westlichen Eingangsbereich liegt in der zwischengedämmten Hülle, die sich nicht sofort zu erkennen gibt.
Gut 100 Quadratmeter Wohnfläche zählen beide Gebäudeteile. Die Baukosten werden mit rund 270.000 Euro angegeben. Das Haus wurde als veredelter Rohbau mit nur nötigstem Mobiliar aus Lärchenholz übergeben. Im Kaminzimmer findet ein altes Garagentor neuen Nutzen und bietet den einzigen Blick in die Außenwelt.
Die Architekten suchten Inspiration in vielen Motiven – in strukturhaften Bauten von Mies van der Rohe und Peter Märkli bis hin zu den Gärten von Gilles Clément. Maurus Schifferli aus Bern verantwortete die Landschaftsplanung für das Projekt. Mit den abgeschlossenen Gärten möchte er daran erinnern, dass menschliche Gestaltung stets nur ein kleiner Eingriff in eine übergeordnete Ordnung bleibt, auf die sie keinen Einfluss hat. (tg)
Fotos: Mikael Olsson
- Architektur:
- Büro Mühlbauer
- Fertigstellung:
- 2025
- Bauherrschaft:
- privat
- Projektteam:
- Alexander Mühlbauer, Andreas B. Mühlbauer, Andreas J. Mühlbauer, Lukas Westner
- Landschaftsplanung:
- Maurus Schifferli
- Kunst am Bau:
- Hans Sailer
- Fläche:
- 136 m² Bruttogeschossfläche
- Baukosten:
- 268.500 € KG 300 + 400
Schon das Erstlingswerk des Büros, der Umbau eines Stadtbauernhauses, das Thürwachterhaus , lebt unter anderem von einem geschützten Hof und roher Sichtbeton-Atmosphäre.
Wurde dies Haus nicht am Stammtisch entworfen?
. . . . . sollte man nicht darauf verzichten dürfen, sich in einem 'bayerwald' wohngebiet, täglich die unaussprechlichen häßlichen gewöhnlichkeiten der umgebung anzusehen. Ja, wenn das sooo ist, dann ist der Bauherr ja noch ein Menschenfreund und tut sich und seiner Nachbarschaft etwas Gutes, wenn er sich einbetoniert. Interessanter Ansatz! Ich dachte immer, wir bauen FÜR und nicht GEGEN Menschen, für ein Miteinander, sparsam im Verbrauch von Flächen, Ressourcen und Energie, mit Verantwortung für eine Gemeinschaft. Im Grunde ist der Entwurf nichts anderes, wie eine kleinkarierte Protzvilla mit meterhohem Zaun drumherum für jemanden, der sich aber genau dies nicht leisten kann und genau diese Haltung hat. Dann entsteht diese Schmalspurversion. Wieviele Nachbarn werden Sie mit diesem Haus überzeugen, daß es besser geht als diese unaussprechlichen häßlichen gewöhnlichkeiten? Richtig, Keinen! Im Gegenteil, es wird jeder bestärkt sein, alles richtig gemacht zu haben. In diesem Fall sogar zu Recht.
sich in einem 'bayerwald' wohngebiet, täglich die unaussprechlichen häßlichen gewöhnlichkeiten der umgebung anzusehen. schöner sind dann unter umständen doch 'zen-gärten' und sichtbeton. (ich kenne den ort, das gebiet) wenn man pseudo-natur sehen will, geht man dort einfach in den wald.