Urbane Landschaft
Wohnhaus in Wien von Holodeck fertig
Dieses Geschosswohnhaus in Wien an der Turnergasse 24 bezeichnen seine Architekten Holodeck Architects (Wien) als „Urbane Landschaft“. Sie beziehen sich dabei auf die Hanglage mit Ausblick zum Wiental und auf die vorgefundene Ecksituation, die als Verbindung zwischen einem Punkthaus und einer anschließenden Häuserzeile ausschlaggebend für das Konzept des Hauses war.
Die Architekten erläutern: „Wir transformieren die Geländeschichtung des Gebietes zur topografischen Schichtung des Gebäudes. Sechs Wohngeschosse haben umlaufende Pflanzenbereiche, Balkone oder Terrassen, und raumhohe Verglasungen ermöglichen die Ausdehnung des Innenraumes in den privaten Außenraum und im Weiteren in den Stadtraum.“
Die Wohnungen sind alle zweiseitig orientiert und in Funktionsbereiche mit wenigen Trennwänden gegliedert. Vier Grundrisstypen mit leichten Variationen entsprechen der Orientierung und Ausdehnung des Gebäudes und dem Wunsch der Bewohner nach angeschlossenem Freiraum.
Die Fassadengestaltung orientiert sich an der horizontalen Rhythmik der angrenzenden Häuserzeilen und wird von zwei Gestaltungselementen bestimmt: Die umgebenden Außenräume sind mit eloxiertem Alustreckmetall so behandelt, dass zwar Sonnenstrahlen durchdringen, Blicke jedoch nicht. Gemeinsam mit den dahinter liegenden, lavafarbigen Fassadenplatten prägen die schimmernden Aluminiumbänder das Erscheinungsbild des Gebäudes. „Das Haus bleibt ein städtischer Blickpunkt mit einladender atmosphärischer Wirkung“, so die Architekten.
Ein großzügiges Foyer und ein Durchblick in den begrünten Außenraum prägen die Eingangssituation des Hauses. Der teilweise begrünte Hof bietet eine Gemeinschaftsterrasse sowie „eine kleine kontemplative Wiese mit zwei Obstbäumen“ (Architekten).
Gehen wir also davon aus, die Bewohner würden im besten Fall die schmalen Balkonbänder in weiten Bereichen vollflächig bepflanzen und nur noch Teilbereiche begehen.
"Terrasse" würde ich soetwas nicht nennen.
Innenraumqualität ? Wenn die schönen Neonröhren ausgeschaltet wären, würde man direkter erkennen wieviel Dunkelheit die Grundrisse zulassen.
Baukörper:
Eine schauderhafte stadtzerstörerische Schubladenarchitektur wird im Erläuterungsbericht schöngeredet.
Die "horizontale Rhythmik der angrenzenden Häuserzeilen" bestehend aus zaghaften Gesimsbändern wird hier ins unermessliche übersteigert.
Zwänge hin oder her, es ist ja gerade die Aufgabe unseres Berufsstandes, aus Restriktionen das Beste zu machen...
P.S. Es wird nirgendwo behauptet, die Balkone seien "besonders" tief, aber sie variieren in der Tiefe und funktionieren als großzügge Verlängerung des vollverglasten Wohnraumes nach Außen wahrscheinlich ziemlich gut. Das würde ich einen "Mehrwert" nennen. Wenn das mal in Besitz genommen und begrünt ist - wer weiß - vielleicht drängt sich dann der Eindruck der "Landschaft" eher auf...(Ich würde mich nicht wundern, wenn es dazu renderings gäbe, die die Begrünung vielleicht schon mal vorweggenommen hätten.) Das Stichwort "Landschaft" wird ja aber außerdem in Bezugnahme zur vorgefundenen Topografie und einer Entwurfstrategie benutzt...Es geht also offensichtlich auch in der Prosa nicht nur um ein "Haus mit Balkonen"...Wenn man nichts zu kritisieren hat, kritisiert man Architekten anscheinend noch für ihre Sprache...