Provisorische Beständigkeit
Wohnhaus in Leipzig von KO/OK
Der Leipziger Stadtteil Connewitz ist nicht nur für seine entspannte Atmosphäre bekannt, sondern zeichnet sich auch durch eine großflächige, weitestgehend erhaltene Gründerzeitbebauung aus. Am Rand eines denkmalgeschützten Straßenblocks befand sich jahrzehntelang eine kleine Baulücke, die temporär mit Garagen bebaut worden war. Die Architekt*innen von KO/OK, die nicht weit entfernt im Stadtteil Plagwitz arbeiten, haben diese Lücke nun mit einem kompakten Wohnungsbau geschlossen. Der fügt sich entsprechend der Anforderungen des Denkmalschutzes unauffällig, aber eigenständig in die Nachbarschaft ein.
Insbesondere in seiner Farbigkeit werden Bezüge zu den umliegenden Häusern erkennbar, die in hellen Gelbtönen changieren. Ein quittenfarbener Kratzputz ziert das neue Gebäude mit seinen regelmäßig angeordneten Holzfenstern. Was beim zeitgenössischen Lückenschluss allerdings auffällt, ist die kompromisslose Gestaltung der Fassade des Erdgeschosses. Die kommt nämlich entsprechend seiner ausschließlich dienenden Funktion komplett ohne Fenster aus, was dem Gebäude auf Straßenniveau einen fast schon provisorischen Charakter gibt – ein wenig so, als habe man hier ein Ladengeschäft vorübergehend verrammelt. Dieser Hauch von Ruppigkeit passt dabei gar nicht so schlecht in die bisher noch nicht totsanierte Umgebung.
Hinter dem grauen Sockel aus rautenförmig verlegten Betonplatten mit Granitzuschlag verbergen sich einerseits eine kleine Garage mit drei PKW-Stellplätzen, ein Müllraum sowie rückwärtig ein großzügiger Fahrradabstellbereich und andererseits ein vergleichsweise breiter Durchgang zum gemeinsam genutzten Garten. Mittig zweigt dann der Zugang zum Erschließungskern des Hauses ab. Neben einem Aufzug schraubt sich hier im grauen Betonambiente eine Wendeltreppe mit grünen Stahlakzenten empor. Hinsichtlich ihrer Materialwahl legten die Architekt*innen Wert auf eine gewisse Beständigkeit dank möglichst simpler, einschichtiger Konstruktionsweisen.
Über dem Keller und dem gemeinschaftlich genutzten Erdgeschoss beherbergt der Neubau sieben Wohneinheiten zwischen 50 und 135 Quadratmetern. Bis zum dritten Obergeschoss sind diese etagenweise organisiert, während die beiden oberen Geschosse jeweils stockwerksübergreifende Grundrisse bieten. Die oberste Etage wurde dabei als Mansarddach mit offenem Gebälk ausgeführt, was im Innenraum fast wirkt wie ein ausgebauter Bestandsbau. Rückwärtig, auf der Südwestseite mit Blick ins grüne Blockinnere, verfügt das Haus außerdem noch über Balkone und Terrassen. (sb)
Fotos: Sebastian Schels
Da steh´ich nun, ich armes Tor, wie im Garagenhof zuvor, als störte das "Geschwätz" von gestern, wie´s tönt von beiden Nachbarschwestern, die zeitgenöss´sche Autarkie... Wär ich doch offen, so wie sie! ..., wird wohl das Herze bluten
Die wirtschaftlichen Zwänge und die dadurch entstandenen Kompromisse sind mehr als offensichtlich, und sie konnten durch den Entwurf leier nicht gelöst werden. Natürlich möchte ein Bauherr zu den 4 Wohngeschossen gerne ein extra Erdgeschoss auf der gleicher Höhe unterbringen, als nur ein kleines Hochparterre zu bekommen. Leider hat das aber nicht funktioniert, denn das Haus sprengt trotzdem die Trauflinie. Trotz Optimierung war für die Fassade kein Geld da - es ist eine (hübsch angemalte) Wand mit Löchern. Der Vergleich mit den Nachbarn geht nicht gut aus. Das wäre jetzt alles soweit normales Tagesgeschäft, wenn man nicht versuchen würde, dem ganzen einen künsterischen Wortumhang überzuwerfen. Des Kaisers neue Kleider. Man wünscht den jungen Kollege das nächste Mal einen ambitionierteren Bauherren.
Mal unabhängig von der hohen Qualität dieses Hauses , welche ohne Zweifel in vielen Bereichen vorhanden ist, ist dieses Haus sich selbst genug. Zur Qualität des öffentlichen Raumes trägt dieses Haus daher nur unwesentlich mehr bei als die ursprünglichen Garagenbauten und das ist sehr schade. Eine Stadt lebt von dem Dazwischen und dieses Dazwischen fehlt hier vollständig. Ich glaube Jane Jacobs würde das ähnlich sehen.