Very British, very eccentric
Wohnhaus in Dorset von David Kohn Architects
Dieses ländlich gelegene Wohnhaus in der südwestenglischen Grafschaft Dorset spaltet die Gemüter. Während, wie der Bauherr berichtet, sich seine Nachbar*innen kaum etwas Unpassenderes für den Standort vorstellen können, erhielt der von David Kohn Architects geplante Backsteinbau jüngst die RIBA Auszeichnung „House of the Year 2022“. Eine durchaus passende Wahl des Royal Institute of British Architects, wirkt das Red House doch wie ein humorvolles Kondensat des typischen britischen Wohnhauses – mit Anspielungen, die von vernakulären Bauweisen über die Arts-and-Crafts-Bewegung bis hin zur Architektur von Alison und Peter Smithson reichen.
Starke Kontraste und eine eklektizistische Formensprache sind typisch für das Londoner Büro, das in Deutschland zuletzt als Gewinner im Gutachterverfahren zur Nachverdichtung hinter den IBA’87-Bauten am Lützowufer in Berlin von sich reden machte. Für ihren dortigen Auftraggeber Euroboden bauten die Briten auch das Palais Eger am Tempelhofer Ufer zum repräsentativen Berliner Firmensitz aus.
Für den Rückzugsort eines Londoner Galeristen in Dorset griffen die Architekt*innen nun zu rotem Klinker, der mal hochkant, mal waagerecht in verschiedenen Verbünden verlegt wurde und auf saftig grüne Details wie Türen, Fensterrahmen oder die Regenrinne trifft. Zwei fast grotesk überdimensionierte Schornsteine durchbrechen das Schieferdach mit weit überkragender Traufe. Gerundete Erker und der Einsatz von sowohl Flügel-, Flachglas-, Lünetten- wie Bullaugenfenstern lassen von außen eine Vielfalt unterschiedlicher Räume im Inneren vermuten.
Auf dem langgezogenen Grundriss verteilen sich im Erdgeschoss vier Wohnbuchten. Drei trennende Kerne nehmen Abstellräume, Bäder und den Aufzug auf. Die rollstuhlgerecht breiten Durchgänge zu den Wohnräumen wurden versetzt angeordnet, um beim Betreten des Hauses Einblicke in alle Räume zu gewähren und zugleich trotz des relativ offenen Grundrisses in jedem Bereich ein Gefühl von Privatsphäre zu ermöglichen.
Im Obergeschoss verbindet ein Korridor den Arbeitsbereich, die vier Schlafzimmer mit eigenen Bädern und eine Waschküche. Das nach Süden ausgerichtete Hauptschlafzimmer ist mit seinem gerundeten Erker unter der gewölbten Decke sicher der außergewöhnlichste Raum des Hauses. Auch jenseits ihrer Wohnarchitektur lebt die Bauherrschaft wahrscheinlich ein gewisses Maß an typisch britischer Exzentrik: An der Garderobe gegenüber der rokoko-artig geschwungenen Treppe aus Eschenholz hängt jedenfalls eine ganze Familienausstattung „Macs and Wellies“. (kms)
Fotos: Will Pryce
Natürlich gefällt nicht alles: die unverpotzen wände oder der Teppich auf der Treppe sind ein Grauß. Den Raumeindruck schmälern sie aber nur bedingt und dieser ist einfach toll.
ob ich die Farben jetzt so wählen würde... i dont know aber in diesem Projekt steht viel liebe fürs detail mit einem gewissen maß an wagemut für unkonvetionelle lösungen, räume und farben. ich könnte mir gut vorstellen mit meiner (nicht vorhandenen) familie dort zu hausen 7,5/10
Warum jedoch hier das erwählte und gezeigte Allerlei von Fenstern, Formaten, Rundungen etc. einen Mehrwert für die Nutzer darstellen soll, bleibt offen ...
rund und eckig und alles miteinander verschnitten, dazu die eigentümlichen farben..... dann lieber ein rosamunde pilcher haus mit schweren vorhängen