Auf den Kern reduziert
Wohnhaus in Dornbirn
Wenn eine simple Erweiterung nach aufwändigem Neubau aussieht, wird es interessant. Denn wenn ein altes Haus auf ungewöhnliche Weise integriert wird, entstehen nicht selten vielschichtige räumliche Lösungen, die vom weißen Blatt ausgehend nicht denkbar gewesen wären. Der junge Architekt Jochen Specht hat in Dornbirn ein Haus von 1961 mittels einer neuen Gebäudehülle umfassend erweitert. Das alte Haus wurde bis auf das massive Mauerwerk und den Dachstuhl rückgebaut, blieb aber innerhalb der zeitgenössischen Holzkonstruktion erhalten.
Im Inneren des Hauses, das in exponierter Hanglage außergewöhnliche Ausblicke auf das Rheintal und den Bodensee bietet, entwickelt sich das Leben um die alten Mauern herum. Ein durchgehender Treppenraum entlang der Südseite verbindet das Sockelgeschoss mit den beiden oberen Stockwerken, wobei deren Erschließung durch den Bestand hindurch erfolgt. Bestehende Fensteröffnungen wurden teils zu Türen, Durchreichen oder Nischen, blieben manchmal aber auch einfach als innere Durch- und Querblicke erhalten.
Im unteren Geschoss wurde das frühere Büro in einen Flur verwandelt, von dem aus zwei kleine Räume im Altbau und drei neue Räume in der Erweiterung erschlossen werden. Im oberen Geschoss entstand eine Stube samt Küche, die im neuen Teil durch einen Wohnbereich, ein Spielzimmer und das Schlafzimmer der Eltern ergänzt wurde. Das Hin- und Her zwischen den Zeitschichten erinnert dabei ein wenig an Ungers' Haus im Haus im Frankfurter Architekturmuseum, wobei in Dornbirn Alt und Neu vertauscht wurden.
Konstruktiv besteht die Erweiterung bis auf den Sockel aus Beton aus einem hölzernen Pfosten-Riegel-Skelett mit hohem Vorfertigungsgrad. Die Fassade mit ihrem unregelmäßigen Muster aus geschlossenen und offenen Flächen besteht aus Aluminiumprofilen und diffusionsoffen beschichteten Holzpaneelen. Dabei bietet die großflächige Verglasung nicht nur eindrucksvolle Ausblicke auf die Umgebung, sondern macht zugleich auch das alte Haus als helle Form hinter der dunklen Fassade sichtbar. Auf subtile Weise wird damit das vielschichtige Wesen des Wohnhauses auch im Außenraum erkennbar. (sb)
Fotos: Adolf Bereuter
Trotzdem hat es was besonderes, vlt. auch nur wegen der guten Ausführung. Ich hätte mir auch etwas mehr vom alten gewünscht. Das ist schon ziemlich glatt gebügelt worden. Besonders gefällt mir aber auch die unprätentiöse Atmosphäre des Gebäudes. PS: Ich hasse ja Weihnachtsmärkte. In Dornbirn ist der einzige auf dem ich freiwillig einen Glühwein trinke. Wer in der Gegend ist und noch nicht dort war sollte den mal probieren.
der dude
In der Tat gibt es viele schöne Details, aber die neue Fassade ist schrecklich, von außen und auch von innen - die Auswirkungen auf die Räume (Bilder 10, 14) finde ich persönlich furchtbar... Durch die vielen Öffnungen gibt es auch Details, die ganz und gar unschön sind (Bild 11). Etwas weniger "Spieltrieb" und etwas mehr Wille zu Klarheit und Zurückhaltung wären hier sicher hilfreich gewesen. (Sowas muss nicht gleich zu einer unterkühlten, modernistischen Architektenkiste führen, wie es hier oft den Gebäuden vorgeworfen wird.) PS: Es gibt nichts Grauenhafteres, Beklemmenderes und Piefigeres als Sichtholzdecken...