Gemeinschaftlich und inklusiv
Wohnhaus in Bremen von Praeger Richter Architekten
Im neuen Hulsberg-Viertel in Bremen stellten Praeger Richter Architekten aus Berlin 2023 einen genossenschaftlichen Wohnungsbau fertig. Pro Kopf stehen rund 30 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, deutlich weniger als der deutsche Durchschnitt von etwa 47 Quadratmetern. Das Projekt setzt dafür auf Gemeinschaftsflächen und ein generationsübergreifendes, inklusives Wohnkonzept in einem begrenzten Kostenrahmen. Die Gestaltung des Hulsberg-Areals geht auf einen Wettbewerb zurück, der 2013 von Carsten Lorenzen gewonnen worden war.
Die Genossenschaft Karl erhielt 2019 im Zuge eines Konzeptverfahrens der Stadt Bremen den Zuschlag für das Grundstück. Damit verpflichtete sie sich auf Dauer zur solidarischen Nutzung. Das genossenschaftliche Konzept soll der Spekulation mit Wohnraum entgegenwirken und bezahlbare Mieten sichern. Letztere richten sich nach der Einkommenssituation der Bewohner*innen und sollen jährlich neu beurteilt werden. Teil der Genossenschaft sind 50 Erwachsene zwischen Mitte 30 und Anfang 70 sowie 20 Kinder und Jugendliche.
Auf einer Bruttogrundfläche von 3.720 Quadratmetern entstanden 29 Wohneinheiten mit einer Größe von 35 bis 109 Quadratmetern sowie gemeinschaftlich genutzte Flächen, die sich auf etwa 200 Quadratmetern über die Geschosse verteilen. Im Erdgeschoss befinden sich zudem Kita, Café, Werkstatt, Abstellraum und ein mietbarer Quartiersraum. Wasch- und Trockenräume sind auf allen Etagen vorhanden. Die gemeinschaftlichen und quartiersorientierten Nutzungen machen rund ein Viertel der Gesamtfläche aus. Hinzu kommen 1.200 Quadratmeter Außenraum mit Spielplatz, Gemüsegarten und Fahrradstellplätzen.
Der fünfgeschossige Baukörper ist durch zwei Treppenhäuser gegliedert und verfügt hofseitig über einen Laubengang, der alle Wohnungen und Gemeinschaftsräume verbindet. Die Wohneinheiten unterscheiden sich in drei Grundrisstypen: die Wohngemeinschaft am Kopf des Gebäudes, die Wohnungen am Laubengang und die etwas abgesetzten Familienwohnungen zum Quartiersplatz. Die Erschließung des Gebäudes sowie alle Gemeinschaftsflächen sind barrierefrei; eine Wohnung ist rollstuhlgerecht. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Inklusions-WG. Das Staffelgeschoss enthält neben Wohnungen eine Gemeinschaftsküche und einen Dachgarten.
Das Gebäude nach KfW-Effizienzhaus 40-Standard wurde in Massivbauweise in Kalksandstein und teilweise Stahlbeton errichtet. Die Fassade besteht aus einem Wärmedämmverbundsystem. Aus Kostengründen wurde die in der Gestaltungssatzung geforderte rote Klinkerfassade nur im Erdgeschoss in Fischgrät-Anordnung umgesetzt. Ebenso wurde auf eine Unterkellerung verzichtet. Praeger Richter Architekten betreuten die Leistungsphasen 1 bis 5, danach übernahmen Campe Janda Architekten mit Sitz in Bremen.
Das Hulsberg-Viertel entsteht auf einem früheren Grundstück des Klinikums Bremen-Mitte. Durch den Umbau des Klinikums wurde eine knapp 14 Hektar große Fläche frei, die nun zu einem neuen städtischen Quartier umgebaut wird. 2018 trat dazu ein neuer Bebauungsplan in Kraft und die Grundstücksverkäufe begannen. Die Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte (GEG) zeigt bisher einen großen Willen, die Grundstücke an Baugemeinschaften zu vergeben. Das gesamte Quartier soll 2026/2027 fertiggestellt sein.
Text: Paula Berger
Fotos: Antonia Leicht
Aktuelle Informationen zum Hulsberg-Viertel gibt es unter neues-hulsberg.de.
Mehr zu Kalksandsteinmauerwerk gibt es im Fachportal „Mauerwerk“ von BauNetz Wissen.
Aber dennoch hat dieses Bauwerk viele gute Qualitäten. Es gibt zwei vertikale Erschließungen, die Strangerschließung über den Laubengang ist also mehr Schein als Wirklichkeit, tatsächlich gibt es immer nur eine Beeinträchtigung einer Wohnung pro Etage. Zum Vergleich: Wohnungseingänge in Amsterdam sind sehr ähnlich konzipiert, man stört sich nicht am Einblick. Wenn ich es richtig verstanden habe, war es eine Baugruppe, die sich dieses Zusammenleben gewünscht hat? Dass es mehr als eine Funktion im Haus gibt, Gemeinschaftsräume für Yoga, Spielen, "Klönen", o.ä., Kochen etc., Dachterasse und Küchengarten, Jugend-Familien-Treff, KITA, genügend Abstellflächen für Räder im innerstdätischen Raum, sowie auch für Rollstuhl und Kinderwägen, setzt sich von vielen anderen Wohnprojekten ab. Kein Abstandsgrün im Hinterhof, sondern Inbesitznahme der Fläche zum Spielen und Aufenthalt. Gemeinsinn und Privatheit sind also möglich. Es wird sich alles auswachsen und die Bewohner werden mitten in der Stadt diese Immobilie zu schätzen wissen.
ob die gemeinschaftsküche "luxuriös" ist sei dahingestellt - das hat ja auch niemand behauptet. aber eine schlecht geschnittene restfläche ist sie sicher nicht: das können 15-20 menschen problemlos an einem tisch sitzen, da hat man licht und ausblick aus drei himmelsrichtungen, einen balkon, eine loggia und anschluss an eine große dachterrasse. dass qualität und gute räume für das wohnen unerlässlich sind, ist denke ich, ebenso richtig, wie es wichtig ist, diese frage im zusammenhang mit dem vorhandenen budget und der bauträgerschaft zu betrachten - dann erschliesst sich nämlich auch, warum in solchen projekten so häufig laubengangerschliessungen gewählt werden und warum das für die bewohner*innen weniger problematisch ist als für die kritiker*innen.
In der AdK gab es letztens ein Symposium über Bruno Taut in der dargestellt wurde das die (übrigens Berliner) Hauszinssteuer ein Mythos ist. Das hat nicht funktioniert, der Erfolg kam einfach durch das abschöpfen neuer Finanzquellen. Da wurde in den 80er scheinbar viel Blödsinn publiziert (bzw. war das Interesse wissenschaftlich zu obeflächlich). Festgestellt wurde aber auch, dass der genossenschaftliche Ansatz der Bauunternehmung durch die damals gegründete Städtische Wohnungsbaugesellschaft (Frankfurter - und Berliner Beispiel), in ihrer Kartellartigen Trust-Bildung auch einen größeren Anteil am Erfolg der Siedlungen hatte. Zum gebauten. Ja schnöder Bauwirtschaftsfuntionalismus, weniger Gestaltung für mehr (und nachhaltigeren Raum) wäre schön gewesen aber wahrscheinlich auch vom Bauherrn gefressen wurden. Daher sollten das Architekten-Kleinklein endlich beendet werden. Es hilt da nur noch das Staatliche Kombinat - diesemal aber nicht für Neubau sondern Sanierung. Ich sag nur RBK-Köpenick.
hier jedoch habe ich das gefühl, dass dafür nicht viel zeit geblieben ist oder sich die bauherrn frei austoben durften. die direkte erschließung von wohn- oder küchenbereichen vom laubengang aus ist ungut - vom laubengang aus hat man zudem tiefen einblick in die wohnungen - teilweise direkt auf die couch. die `luxuriöse´ gemeinschaftsküche ist eher eine schlecht geschnittene restfläche ... die ausformung des laubengangs ... schwierig die details ... ganz schwierig da nutzen auch die vielen diagramme nichts ...