Top-Lage im Wedding
Wohnhaus in Berlin von roedig.schop und sieglundalbert architekten
„Lage, Lage, Lage“ – das ist nicht nur eine alte Weisheit und irgendwie auch ein ewiger Kalauer der Immobilienbranche, es ist vielleicht auch das entscheidende Merkmal des kürzlich fertiggestellten Wohnhauses der beiden Berliner Büros roedig.schop architekten und sieglundalbert architekten in Berlin-Wedding. Und zwar nicht deswegen, weil die Bewohner der 36 Wohnungen im klassischen Sinne privilegiert, sondern weil sie äußerst urban und interessant wohnen. Man muss es natürlich mögen, aber die Lage ist einmalig: Vorne ein alter Flakbunker, hinten Arno Brandlhubers viel diskutiertes Terrassenhaus, links und rechts zwei tief eingeschnittene Bahntrassen, dazu ein paar echte Gewerbebauten. Und das Ganze in Laufweite des Bahnhofs Gesundbrunnen, also mit ICE-Anschluss.
„Laut, städtisch, aussichtsreich und gut besonnt, verlangte das Grundstück nach einer kraftvollen baulichen Lösung,“ schreiben die Architekten. Kantig und massiv steht der sechsgeschossige Riegel nun auf dem dreieckigen Grundstück. Es habe erstaunlich wenig Interesse an der ehemaligen Bahnfläche gegeben, betonen die Architekten – da ist sie wieder: die Lage! Der Kauf des Grundstücks im Jahr 2014 war deswegen kein Problem. Und auch zu den Kosten können die Architekten Erfreuliches vermerken: Mit 2.900 Euro (inklusive Grundstück) bzw. 1.900 Euro (ohne Grundstück) pro Quadratmeter Nutzfläche lagen die Baukosten unter den Vorgaben der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, für die roedig.schop auch immer wieder bauen. Erreicht wurden diese guten Zahlen laut Roedig vor allem durch Einzelvergabe und Nachverhandlungen mit den Firmen. Insgesamt hat das Haus 3.380 Quadratmeter Nutzfläche.
Errichtet wurde der Riegel in der Hochstraße 6 als Baugruppenhaus, wobei die Baugruppe hier in erster Linie pragmatische Institution war und kein langwieriges, partizipatives Selbstverwirklichungsprojekt. 60 bis 115 Quadratmeter Fläche haben die Wohnungen. Alle sind durchgesteckt und orientieren sich mit Schlaf- und Arbeitszimmern nach Norden zur breiten Bahntrasse. Der Wohnbereich mit Loggia blickt nach Süden auf die zwei Gleise der S-Bahn. Um die erforderliche Gebäudemasse gegen Lärm und Erschütterung zu erreichen, setzten die Architekten auf eine solide und vorgefertigte Beton-Sandwichfassade. (gh)
Fotos: Till Budde, Nils Koenning
Und das Dach ist tatsächlich ein Gründach (Retensionsdach mit extensiver Begrünung) - mittlerweile vom Humboldthain aus zu erkennen.
Über eine kurze Antwort seitens der Architekten würde ich mich freuen :)
Ist bzw. wird das Dach denn wirklich nicht begrünt? Im Artikel steht dazu nichts, und das einzige Foto, das das Dach zeigt, ist noch vom Bauzustand. Über die spitzwinkligen Zuschnitte habe ich mich beim Vorbeifahren auch schon gewundert, jetzt wo ich die Grundrisse sehe, erscheint mir das eine sinnvolle Möglichkeit, aus dem gegebenen Grundstück möglichst viel rauszuholen. Rein äußerlich finde ich das Gebäude angenehm unaufdringlich.
Die Grundrisse sind meiner Meinung gewöhnungsbedürftig. Mit den spitzen Ecken tut man sich kein Gefallen aber sie funktionieren dennoch überraschend gut. Schade, dass es kein Foto von der gesamten Nord- und Südfassade gibt. Ist wahrscheinlich den Bäumen geschuldet.