Plädoyer für Umbaukultur
Wohnhaus in Berlin von Praeger Richter Architekten
Der Neubau von heute als Materiallager für morgen – dieses Konzept steht hinter dem Ausbauhaus Südkreuz, einem von Praeger Richter Architekten nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entworfenen Mehrgenerationenhaus im Berliner Stadtenwicklungsgebiet „Schöneberger Linse“. Das in der Fertigstellung begriffene Projekt wurde schon ausgezeichnet: Es erhielt im kürzlich vom Berliner Senat ausgelobten Ideenwettbewerb „Re-Use am Bau“ einen 3. Preis. Als Bauherr tritt die Baugruppe Südkreuz 86 auf, die im Rahmen eines Konzeptverfahrens 2019 den Zuschlag für das Grundstück erhielt.
Das Berliner Architekturbüro hatte bereits 2014 ein Ausbauhaus im Stadtbezirk Neukölln realisiert. Ähnlich wie bei diesem Projekt und einem Wohnensemble in Neuruppin ist auch am Südkreuz die Kosteneffizienz zentraler Aspekt des Entwurfs und wird auf den gesamten Lebenszyklus des in Holzhybridbauweise errichteten Gebäudes übertragen: Je geringer die Lebensdauer der Bauteile, desto einfacher sollen sie demontier- und wiederverwendbar sein. Dementsprechend bildet eine Tragstruktur aus Stahlbeton mit größtenteils roh belassenen Oberflächen die konstruktive Basis. Dazu kommt eine rückstandslos recyclingfähige Fassade aus vorgegrautem Lärchenholz, deren Erscheinungsbild von bodentiefen Fenstern, Balkonen und roten Sonnenschutzvorhängen geprägt ist.
Beim Innenausbau als kurzlebigstem Teil des Gebäudes wurde der künftige Umbau durch wechselnde Nutzer*innen bereits eingeplant. Eine verbundstofffreie Konstruktion mit nachwachsenden Baustoffen ermöglicht die einfache Demontage und Wiederverwendung der Bauteile: Alles ist sicht- und lösbar verschraubt, gelegt oder gesteckt, Oberflächen bleiben vorzugsweise unbehandelt oder sind weiß lasiert. Als Zimmerwände dienen trocken montierbare Holzständerwände, der Fußbodenaufbau kommt ebenfalls ohne Verbundstoffe aus.
Der Siebengeschosser bietet auf 2.200 Quadratmetern Bruttogrundfläche 13 Eigentumswohnungen und drei förderfähige Wohnungen. Darüber hinaus sind im 4,5 Meter hohen Erdgeschoss zwei kiezgebundene Gewerbenutzungen untergebracht, das zurückgesetzte Dachgeschoss beherbergt neben zwei kleinen Wohnungen auch eine Unterkunft für Gäste und eine große gemeinschaftliche Dachterrasse. Die Etagenwohnungen sind zwischen 38 und 130 Quadratmetern groß.
Die Baukosten für das Projekt geben Praeger Richter, die für Konzeptverfahren und Leistungsphase 1–8 verantwortlich zeichnen, mit 4,1 Millionen Euro brutto in den Kostengruppen 300 und 400 an. Um die Idee des Materiallagers später auch tatsächlich realisieren zu können, habe man alle verwendeten Bauteile und die Zeit ihres Einbaus mithilfe von BIM-Modellen genau erfasst und dokumentiert, erklärt das Büro. (da)
Fotos: Lindsay Webb
Was ist das?
Die Überschrift ist tatsächlich etwas irreführend, schade. Auch interessiert hätte mich, wie die Abdichtung in Zusammenhang mit der Demontierbarkeit funktioniert, das ist bestimmt kompliziert, wenn alles trocken und nichtklebend verarbeitet wird.
verblubbert, das in wirklichkeit ein soziales ist. wer ist denn dieses "man", das sich "jetzt mal gedanken" machen soll? ein rentnerehepaar im einfamilienhaus in niedersachsen? ein dynamischer vermögensmillionär in einer villa in grünwald? eine 6-köpfige familie auf 75 m2 unsaniertem altbau im wedding? wer kann, wer muss, wer sollte, wer darf, wer hat die wahl und wer nicht?
der vorhandene umbaute raum in deutschland reicht locker, um die nächsten jahrzehnte überhaupt nicht mehr bauen zu müssen. und ich behaupte mal, die meisten bauvorhaben sind reine nice-to-have-projekte. echte not herrscht fast nirgends. dieses ganz geschwafel von klimaschutz am bau könnte man weglassen, wenn nicht ständig an allen ecken wohn- und büroraum verschwendet würde. viele menschen leben auf 70-100-150 m2 pro kopf. vielleicht macht man sich jetzt mal gedanken über etwas optimierung, wenn man merkt, dass man die heizkosten nicht mehr zahlen will oder kann.
Als notorischer Schwarzseher kommen mir allerdings (leider) komische Fragen Wie ist das den mit den sichtbaren Holzwänden, ist vorgegeben dass die so bleiben müssen wie errichtet, oder werden die von den Bewohnern nach Geschmack gestrichen und tapeziert, und wenn das Wandregal weg kommt bleibt das Loch von der Schraube als Reminiszenz bis dann mal die ganze Holzwand ausgetauscht wird? Zahlt die Gebäudeversicherung den roten Vorhang wenn ein Sturm den abgerissen hat und wie sicher fühlt man sich in der Wohnung wenn ein Sturm den Vorhang gegen die Scheibe knallt?