Backstein im Dreieck
Wohnhaus in Belgien von BLAF Architecten
Ternat ist eine Gemeinde mit etwa 15.000 Einwohner*innen westlich von Brüssel. Weite Teile des Orts bestehen aus dem für Belgien so typischen, dichten Teppich aus Einfamilienhäusern. So auch das Gebiet, in dem nun nach Entwürfen von BLAF Architecten (Lokeren) ein weiteres Einfamilienhaus entstanden ist – allerdings ein ziemlich ungewöhnliches, denn die Grundfläche des Neubaus ist ein gleichschenkliges Dreieck mit 14 Metern Kantenlänge!
Das Haus steht auf einer kleinen Anhöhe nahe des Bahnhofs. Die Hauptfassade steht parallel zur Straße im Südosten, die Nordfassade orientiert sich an der Grenze zum freien Nachbargrundstück. Die drei Geschosse des Hauses werden über zwei Wendeltreppen erschlossen, die je in einer „Hausspitze“ liegen. Auf jeder Ebene gibt es einen zentralen „Gemeinschaftsraum“ mit jeweils wechselnder Ausrichtung: Im Erdgeschoss liegt das Wohn- und Esszimmer von der Straße abgewandt nach Südwesten, zur Terrasse. Im ersten Geschoss blickt der „polyvalent space“ vor dem Elternschlafzimmer durch ein großes Fenster und zwei kleine Fenster nach Südwesten, also zur Straße. In der Etage darüber liegt eine gemeinschaftliche Wohn- und Spielfläche vor den beiden Kinderzimmern, nach Norden orientiert. Die Dachfläche knickt dabei zu allen drei Gebäudeecken hin ab.
Von einer dicken Backsteinschicht umhüllt, wurde das Haus als Holzskelettkonstruktion errichtet. Diese Konstruktion sei „hybrid und traditionell“ zugleich, sagen BLAF, weil sie sich auf prä-industrielle Bautechniken bezieht aber alle aktuellen Standards erfüllt. Die Holzkonstruktion besteht aus verzapften Stützen und Trägern, stellenweise mit Holzplatten ausgesteift. Die Backsteinwand ist eine selbsttragende Konstruktion aus großen Steinen, die von BLAF zusammen mit einem belgischen Hersteller entwickelt wurden – der „BLAF Big Brick 1.0“ mit Maßen von 20 x 30 x 6,5 Zentimetern. Diese Hülle speichert im Winter Wärme und kühlt im Sommer. Der Energieverbrauch reduziere sich deutlich, so die Architekt*innen. Da Holz und Backstein nicht verklebt werden, kann man das gesamte Material leicht rezyklieren falls das Haus einmal abgebrochen wird.
Die Autonomie und das Selbstbewusstsein dieser neuen Backsteinhülle strahlt das Haus auch nach außen aus – auch wenn es ein freistehendes Haus auf einem ehemaligen Acker bleibt, mit allen ökologischen Nachteilen, die diese Wohnform mit sich bringt. Die Wohnfläche beträgt insgesamt 260 Quadratmeter, die Baukosten geben die Architekten mit 235.000 Euro an. (fh)
Fotos: Stijn Bollaert
gut ist die Skulptur, die Konsequenz, das tromp l'oeil, die Überraschung und das sich hier Individualisten mit einem Eigenheim verwirklichen... und das mal wieder eine tragende Klinkerfassade gebaut wird, und dieses Traditionsbewußtsein gleich wieder konterkariert indem ein Holzbau hineigesetzt wird. Auch das weiße Dach ist gut, jede Wette dass der Fotograf genau auf dieses Wetter gewartet hat. Auch wenn ich dem ersten Abschnitt von Beitrag 14 vieles abgewinnen kann, aber eher für die Suche nach einer allgemeingültigen Formel für Architektur, nicht für ein Individuelles Eigenheim in einer schwierigen Umgebung. Ich glaube der Bauherr ist der Architekt und die Familie ist glücklich sich das Grundbedürfnis nach einem Heim in dieser Individualistischen Form erbaut zu haben. Spricht nichts dagegen, solange wir nicht alle so wohnen müssen!
also HÄSSLICH ist wenn es dem auge wehtut. nicht umsonst haben sich ja generationen von schöngeistern , ingenieuren, künstlern incl. der natur (in der ausformung von schneckenhäusern, spinnennetzen etc) gedanken gemacht was zusammenpasst, was proportionen sind und welche kräfte wie wirken und was es braucht , diese aufzunehmen. und wenn dann noch das material und die form in einklang sind ist es schon mal nicht so schlecht und meistens auch SCHÖN. aber hässlich und schön ist auch geschmackssache und schwer zu definieren denn es liegt im auge des betrachters. und materialmix heisst in diesem fall: kennen sie wenn man auf öffentlichen spielplätzen die alte holzkiste aufmacht und dei überreste der dort hinterlassenen spielsachen zum vorschein kommen? man sieht das alles irgendwoanders herkommt. und das hier sieht genauso aus.
@lutzinger: hardcore architektur ist vielleicht wirklich der richtige begriff, aber warum nicht? Ich sehe hier mehr wertschätzung für den menschen und die verwendete materie, als in den meisten deutschen kitas. Vielleicht muss die architektur wieder hardcore werden, damit wir der hardcore haustechnik wieder zeigen können, dass häuser keine maschinen sind und den hardcore bauträgern, dass es beim bauen nicht um maximalrendite geht. Auf jeden fall endet das im eklektizistischen rokkoko, aber bis zu diesem endpunkt könnten viele gute häuser auf dem weg liegen. @auch ein architekt: es würde mich ehrlich interessieren, was ihnen, jenseits von allgemeinplätzen, an diesem haus nicht gefällt. Wo sehen sie die Ruine außer in der zukunft? Was ist das problem am materialmix und was wäre besser? Und was ist hässlich? Es wäre schön, wenn sie das weiter ausformulieren würden. Ich möchte ihre position wirklich gern nachvollziehen (verspreche auch mich bei diesem projekt zivilisiert zurück zu halten (; )...
Die Form kommt übrigens aus dem Grundstück mit exakt 60°, Bild 30. Daraus entsteht die Einwicklung. Genauso irrational wäre ein gerades Haus auf einem schiefen Grundstück. Vielleicht ist das ja richtig und die anderen drumherum irren sich. Wieder mal ein Escher Schön immer die ersten Reaktionen im Blog wie Eingeborene bei der Landung eines Ufo s. Und das ist eins. Für unsere Welt drumherum.
Aber: Ich verstehe das richtig, dass es ein Holzbau im dicken Backsteinmantel ist, ja? (s. das umstrittene Foto 19) - ist das denn besonders innovativ? Was ist daran genau positiv oder besonders nachhaltig? Die Trennung der Materialien?