Baugruppe am Baakenhafen
Wohngebäude in Hamburg von zillerplus
Der Hamburger Baakenhafen, einst industriell geprägt, wandelt sich seit Jahren zu einem urbanen Wohnquartier. Baufeld für Baufeld füllt sich das Gelände im östlichen Teil der HafenCity mit unterschiedlichen, zunehmend individuellen Wohnformen. Vergangenes Jahr stellten zillerplus Architekten und Stadtplaner (München) dort ein Haus für die Baugruppe Planungsgemeinschaft HeimatMole fertig.
Der Neubau mit 16 Wohneinheiten befindet sich auf dem Baufeld 97, auf einer Landzunge südlich von Baakenpark und Grundschule. An einer Stirnseite schließt es direkt an die Nachbarbebauung von Jens Bothe Architects an, die die restlichen Gebäude des Baufeldes entwarfen. Für jenes hatte die Baugruppe 2017 gemeinsam mit der antaris projektentwicklung und der BÖAG Beteiligungs- Aktiengesellschaft einen Wettbewerb ausgelobt. Fünf der sechs Bauteile entwickelten antaris und BÖAG, HeimatMole übernahmen das mittige, von der Straße zurückversetzte Bauteil E.
Mit 2.500 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist das Volumen deutlich kleiner als die Nachbarbauten. In Richtung des öffentlichen Vorhofs zeigt sich der Bau auf den ersten Blick eher geschlossen, fast streng. Tatsächlich gaben die Architekt*innen der glatten Fassade aus lichtgrauen Glasmosaiksteinen und bodentiefen Fenstern leichte Knicke und Vorsprünge. Weitaus deutlicher wird dieses Motiv an der Rückseite: Zum gemeinschaftlich genutzten Gartenhof hin entfaltet der Bau durch seine gezackte Fassade und die geschossweise versetzten Balkone eine eigensinnige Dynamik.
Dazwischen befinden sich vertikale Rankhilfen aus Rundstahl, die perspektivisch eine grüne Haut vor dem ansonsten hellen Haus bilden sollen. Noch sind die Pflanzen auf den Fotos spärlich, aber mit der Zeit soll hier ein dichter Vorhang, primär aus Wein, als Sonnen- wie Sichtschutz wachsen. Konstruiert ist das Haus als Betonmassivbau mit Wärmedämmverbundsystem. Die Baugruppe „Tor zur Welt“ am anderen Ende der Landzunge im Baakenhafen ließen ihr Haus hingegen in Holz-Hybrid-Bauweise errichten.
Die innere Organisation folgt einem klaren Schema. Zwei Wohnungen pro Etage gruppieren sich um einen zentralen Erschließungskern. Wohn- und Essbereiche orientieren sich zum Hof, Schlafräume zur Straßenseite. Die Grundrisse umfassen zwischen 100 und 110 Quadratmeter Fläche. Hinzu kommen Schaltzimmer – ein bis zwei flexible Räume pro Etage, die temporär von Gästen als Rückzugsort oder Au-pair-Zimmer genutzt werden können. Die Vergabe dieser Räume regelt die Wohngruppe alle drei Jahre neu.
Gelebt wird hier nicht nur nebeneinander, sondern ausdrücklich miteinander. Der „Heimatclub“, ein doppelt hoher Gemeinschaftsraum von Unter- bis Erdgeschoss, steht für Veranstaltungen, Feiern oder Filmabende zur Verfügung. Und auf dem Dach darf natürlich die geteilte, auch als urbaner Garten genutzte Terrasse mit Blick auf den Hafen nicht fehlen. (gk)
Fotos: Florian Holzherr, Harmut Nägele
- Wettbewerb:
- 2017
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH, München
- Bauherrschaft:
- Planungsgemeinschaft HeimatMole GbR, Hamburg
- Freianlagen Haus, Wettbewerb und Leitdetails:
- Burger Landschaftsarchitekten, München
- Freianlagenplanung:
- Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung PartGmbB, Hamburg
- TGA Ausführung:
- Averdung Ingenieure & Berater GmbH, Hamburg
- Wohnflächen:
- 100 bis 110 m², Balkone 10 bis 12 m²
- Zertifizierung:
- Umweltzeichen HafenCity Platin, KfW-55-Effizienzhaus
- Fläche:
- 2.500 m² BGF
- Auszeichnungen:
- Nominierung „Wohnbauten des Jahres 2025“, Callwey Verlag
Der Verwaltung mangelt es vor allem in den Spitzenpositionen an Personen, die den Stadtrat von mutigeren Lösungen, höheren Dichten, Qualität statt Quantität bei den Freiflächen und innovativen Mobilitätskonzepten (damit höhere Dichten überhaupt möglich sind) überzeugen können. Für dieses Urteil muss man einfach nur mal vergleichen, was in Berlin oder Hamburg gebaut wird - und was München zustande bekommt. Im Norden wird nicht nur mit mehr "Mut zur Großstadt" agiert, sondern auch mit einem sehr viel langfristigeren Blick auf die Flächen, ihre Verfügbarkeit und ihren Wert für die Entwicklung der Stadt. Die Politik in München trägt aber genauso Schuld an der sich beständig verschlechternden Situation. Anstatt sich für große Bauvorhaben zu entscheiden und diese mutig nach außen zu vertreten (andere Städte kriegen es hin, bspw. Freiburg oder Hamburg), wird in x Varianten gedacht (von denen selbst die größte noch zu wenig ist), nur um doch zu verzagen und sich am Ende zu vertagen. Immer mehr wird aus der "Belästigung" der hohen Mieten eine "Last", die zu so einem massiven Standortnachteil ansteigt, wie er gerade in diesen Zeiten weitreichende negative Folgen nach sich ziehen kann. Wer dann in einflussreicher Stelle - ob in Politik oder Verwaltung - nur schulterzuckend meint, der Markt regele das, stiehlt sich nur aus seiner Verantwortung.
"München kriegt es "dank" seiner ideenlosen Verwaltung und ängstlichen Politiker leider einfach nicht gebacken." wen genau meinen sie ? die sachbearbeiter "auf dem amt"? welche "politiker" ? wer sucht denn aus welche gebäude gebaut werden und welche nicht? oder ist das eine ähnliche floskel wie "hier in Deutschland traut sich das eh keiner" wenn man tolle gebäude aus der sonne kennt...
(Faszinierend, dass Münchner Architekten in anderen Städten besser bauen und auch besser bauen dürfen als in ihrer Heimatstadt, die solch gelungene, urbane Gebäude mindestens genauso nötig hätte wie Hamburg. München kriegt es "dank" seiner ideenlosen Verwaltung und ängstlichen Politiker leider einfach nicht gebacken...)