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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wohnen_und_Werkstatt_von_Alex_Lehnerer_Architekten_bei_Nuernberg_10187438.html

09.01.2026

Daniel Düsentriebs Schrägstrich-Haus

Wohnen und Werkstatt von Alex Lehnerer Architekten bei Nürnberg


Schon klar, die Typologie Schrägstrich-Haus existiert nicht. Es trifft aber den Kern dieses Projektes von Alex Lehnerer Architekten (Rathsberg), das in der fränkischen Provinz zwischen Schwabach und Nürnberg entstand. Der kleine Bau ist auf 230 Quadratmetern Wohnung-Slash-Werkstatt-Slash-Atelier-Slash-Garage-Slash-Hobbyraum-Slash … 

Man könnte auch sagen: So gehört sich ein richtiges Atelierhaus! Eines, in dem man an drei Projekten gleichzeitig tüfteln, an großen Stücken mit schwerem Gerät ernsthaft arbeiten und – nachdem man die Formatkreissäge ausgeschaltet hat – direkt eine kurze Runde ratzen kann. Lehnerer betont, dass der Bauherr ein waschechter Daniel Düsentrieb sei, der sich in diesem Haus aber nicht etwa eine eskapistische man cave leistet, sondern hier schlichtweg mit seiner Frau wohnt.

Der zweigeschossige Holz-Beton-Hybridbau steht quer am unteren Ende eines abfallenden Hanggrundstücks. Der Werkstattbereich liegt im Untergeschoss, das sich mit Flügeltüren zu einem Vorhof öffnet. Hin und wieder will der Bauherr allerdings größere Dinge auf die Gartenseite hangaufwärts transportieren, zum Beispiel das geliebte Motorrad. 

An dieser Stelle kommt der Name ins Spiel, auf den die Architekt*innen das Projekt getauft haben: Haus mit Kran und Lüfter. Das macht sofort den Charakter klar: pragmatisch, erfinderisch und gleichzeitig ein bisschen verschroben, Düsentrieb eben. Durch das langgestreckte Obergeschoss läuft ein Portalkran mit Laufkatze, der dank seiner kräftigen Farben zum zentralen Gestaltungselement im hell gehaltenen Inneren wird. Ein Luftraum neben der Treppe stellt die Verbindung zum Untergeschoss her. Daneben überbrückt ein – natürlich verschiebbarer – Steg das Splitlevel zwischen Küche und Wohn- beziehungsweise Schlafbereich. 

Der Bauherr sei sofort Feuer und Flamme gewesen angesichts der Portalkran-Idee und organisierte diesen kurzerhand aus einem stillgelegten Opelwerk, erzählt Lehnerer. Ähnlich begeistert war er auch vom zweiten zentralen Element des Hauses: einem (gedrosselten) Schweinestall-Lüfter in der Nordfassade. Die Architekt*innen schreiben dazu maximal knapp und mit vergnüglichem Witz: „Ideal zum Querlüften. Hat sogar dem Energieberater gefallen. Innerhalb von ein paar Sekunden findet der Luftaustausch statt. Danach ist wieder alles frisch.“ Tatsächlich sei diese Lösung deutlich günstiger, als Öffnungsflügel in die großen Verglasungen auf der Nordseite einzubauen – und beim KfW-55-Standard noch machbar, erklärt Lehnerer. 

Derzeit bewohnt das Paar vor allem das Obergeschoss. Das Bett ist ausklappbar in der Giebelwand versteckt – so wie Toilette und Dusche gegenüber. Unten gibt es noch eine Sauna und ein Schlafzimmer, in das künftig eventuell mal Kinder einziehen könnten, oder Gäste, oder irgendein neues Nebenprojekt. (mh)

Fotos: Tobias Wootton


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Auch beim bemerkenswerten Wohnhaus in Erlangen fanden Alex Lehnerer Architekten viele individuell auf die Bauherrschaft zugeschnittene Lösungen. 


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