Kompromisslos in Braunschweig
Wohnen in Holz und Beton
Man muss zweimal hinsehen bei diesem Wohnhaus im Braunschweiger Stadtteil Querum: Auf den ersten Blick könnte es sich auch um ein perfekt erhaltenes Original aus den frühen sechziger Jahren handeln. Nur dass die verschlossenen Sichtbetonflächen mit den typischen Abdrücken der Rauspundschalung keinerlei Verwitterung zeigen, macht deutlich, dass dieses Haus ein Neubau ist. Wobei der Architekt Axel Nieberg die Alterung der Materialen in seine Entwurfsstrategie mit einbezieht, wenn er von der Schönheit der Patina spricht, die die Oberflächen durch den Verzicht auf äußeren Luxus erst im Gebrauch erhalten werden.
Im Gegensatz zu dieser vornehmen Zurückhaltung ist das Raumprogramm des Hauses allerdings etwas opulenter geraten. Der straßenseitig geschlossene, L-förmige Baukörper öffnet sich mit großen Glasflächen zum Swimmingpool und bietet der vierköpfigen Familie auf 450 Quadratmetern ausreichend Platz. In der fließenden Raumfolge des Erdgeschosses befinden sich Küche, Essplatz und Wohnbereich sowie der Gästetrakt, der auch als Arbeitszimmer genutzt wird. Im oberen Geschoss sind die Schlafzimmer zusammengefasst, die durch eine Galerie erschlossen werden und über eine Loggia Zugang zur großen Dachterrasse haben.
Das Innere des Hauses wird ebenfalls vom Sichtbeton bestimmt, wobei die durch Zuschlagsstoffe erzielte hellbeige Farbigkeit zusammen mit den Holzböden und der Schwere der Materialen für eine warme und geborgenen Atmosphäre sorgen. Immer wieder gibt es auch hier Perspektiven, bei denen im ersten Moment die zeitliche Einordnung schwer fällt. Wobei Details und Fügung immer auch deutlich machen, dass es sich um ein zeitgenössisches Haus handelt. Eine interessante Strategie, sich den Moden zu entziehen, ohne einer konservativen Formensprache zu folgen.
Das Wilhelm Busch Gymnasium in Stadthagen von Axel Nieberg im Baunetz Wissen Beton.
Endlich mal jemand, der im Sichtbeton die leidigen Spannlochhülsen aus Plastik vermeidet, sehr gut. Wenn jetzt noch die Betondeckung an allen Stellen ausreichend dimensioniert ist, steht einem würdigen Altern nur noch die Verschlimmbesserung durch künftige Benutzer im Wege... Nur die Fotos hätte ruhig ein Fotograf mit einer anständigen Kamera machen dürfen - Smartphones sind nützliche Geräte, aber für Architektur-Publikationsfotos darf es auch mal eine echte Kamera sein. Bei soviel Kompromisslosigkeit und Klarheit ist das gewiss am falschen Ende geknausert.
congratulations!
Platz ausreichend, Kommentar mangelhaft.