Denkmal Altstadtplatte
Wohnbauten in der Berliner Wilhelmstraße unter Schutz gestellt
In Berlin steht die Architektur der 1980er Jahre im Fokus – im Fokus der Denkmalschützer*innen. Nachdem in den vergangenen Monaten erst der Friedrichstadt-Palast und dann Teile des Gendarmenmarktes vom Landesdenkmalamt unter Schutz gestellt wurden, haben nun auch die Plattenbauten an der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte diesen Status erhalten. „Als Leuchtturmprojekt der Ost-Berliner Hauptstadtplanung setzte es die Leistungsfähigkeit und Qualität des großen Wohnungsbauprogramms der DDR in äußerst prominenter und historisch aufgeladener Lage öffentlichkeitswirksam in Szene“, hebt Landeskonservator Christoph Rauhut die baupolitische Bedeutsamkeit des Wohnquartiers in direkter Nachbarschaft zur damaligen Grenze zwischen Ost- und West-Berlin hervor.
Das Projekt unterscheidet sich von anderen Siedlungen der DDR vor allem durch die erstmals angewandte Segment-Bauweise, die flexiblere Einsatzmöglichkeiten der präfabrizierten Plattenelemente aus der Serie WBS 70 ermöglichten. Hauptverantwortlicher Planer des als „Spätwerk“ der DDR-Städtebaus geltenden Wohnquartiers zwischen Behrenstraße und Voß- bzw. Mohrenstraße war Helmut Stingl, Chefarchitekt des WBK Berlin. Die mit 1.072 Wohneinheiten größte Siedlung der DDR im historischen Zentrum Ost-Berlins entstand in den Jahren 1987-1992 als Teil des Wiederaufbaus der Innenstadt unter der Leitung des Generaldirektors des Ministeriums für Bauwesen, Erhardt Gißke. Sie demonstriere beispielhaft „den Paradigmenwechsel in der Stadtplanung und im Städtebau der 1970er und 1980er Jahre“ im Sinne einer (funktions)-durchmischten Stadt, so die Begründung des Landesdenkmalamtes.
Obgleich ihrer sichtbaren Entstehungszeit in den 1980er Jahren nehmen die Bauten in Kubatur und plastischer Ausgestaltung dezidiert Bezug auf die barocken Palais der ehemaligen Bebauung aus dem 17. und 18. Jahrhundert: Die betonten Ecksituationen und Mittelachsen interpretieren die durch Risaliten akzentuierte Gliederung der historischen Vorbilder. Zu den Bewohner*innen des für 4.000 Menschen ausgelegten Quartiers gehörten vorrangig Menschen, die Teil der gesellschaftlichen und politischen Elite waren, darunter Günter Schabowski, Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung von Ost-Berlin, und Heinrich Scheel, Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der DDR. Neben Wohnungen fanden sich hier außerdem zahlreiche Geschäfte, Gaststätten und Dienstleistungsangebote. Bis in die Maßstabsebene der Fassadendetaillierung sind die Bauten – ausgenommen ein abgerissenes Gebäude – bis heute sehr gut erhalten.
Text: Maximilian Hinz
Fotos: Gunnar Klack
Dieser Gebäudekomplex mit seiner überwiegenden Wohnnutzung ist doch eines der letzten Elemente in dieser Gegend, das sich der zunehmenden Monofunktionalität in Form von Einzelhandel und Büros entgegenstellt. Allein schon deswegen muß es bleiben, zumal man neue Wohnungen nie wieder so günstig bauen kann. Im Grunde paßt es doch auch zu den naheliegenden IBA-Neubauten, die ja in der heutigen, durckommerzialisierten Stadt ebenso unpassend erscheinen. Beides zeigt, daß es mal eine Phase gab, in der man Stadt ganz anders gedacht hat.
Doof ist natürlich das dass Gutachten nicht sehr tief ist und die Gesamtsituation gerade mit Frankfurter Allee und der Rekonstruktion von Plattenwerken nicht beachtet wurde was eine sinnigere und wissenschaftliche Basis für die klare Denkmalwürdigkeit stellt. @STPH Angetäuschte Mansarde? Einfach mal in die Grundrisse und Schnitte schauen bevor man hier daherlabert. Das Dachgeschoss ist vorallem Teil der Maisonettwohnungen. Auch der Quatsch mit den "gewollten", das sind alles teile der WBS 70-Serie die aus ökonomischen Gründen erst spät eingeführt werden konnten in die Produktion. Denn aus Sparzwang wurde er erstmal als 2te Generation Serie eingeführt und in den 80ern durch die Rekonstruktion mehrerer Produktionsstätten erst in die 3te Generation übeführt, damit man den Sowjetischen Serien endlich hinterherkam. Zumal der WBS 70/11 Berlin der hier modifiziert wurde mit Erfurter und Neubrandenburger Forschungen ist ja nur ne zwischenstufe zur Erfurter Weiterentwicklung WBR 85.
Diese angetäuschte Mansarde, wie die doch alles dreht, weil eben die Gebäudeentwicklung von oben gelesen wird. Da ist dann die kassizistische Stalinallee noch moderner, urbaner, optimistischer. Sogar jedes mit einem ordentlichen Gesims ausgestattete Gründerzeithaus als zusammenfassender Horizontale. Hier lugt dagegen die turmarig wehrhafte körperliche Vertikale durch. Ein Rückzugsstil? Auf jeden Fall stellt er in seiner geniert ungenierten Körperlichkeit die Moderne, fast sogar die Stadt infrage und damit beschäftigenswert.
Monofunktional ist es aber überhaupt nicht (man möge auch den Artikel lesen, bevor man Kommentiert). Von architektonischen Laien bekomme ich auch immer wieder erstaunte Kommentare nach dem Motto: "Man sieht zwar, dass es Platte ist, aber irgendwie ist es doch ganz heimelig." Es gab Zeiten, da war (gefühlt) die Hälfte der Wohnungen als Ferienwohnung vermietet. Die lokale Presse berichtete regelmäßig über zugemüllte Hausflure in die uriniert und erbrochen wurde. Es scheint etwas Ruhe in die Sache gekommen zu sein (Corona?). Vielleicht kümmert sich in Zukunft jemand etwas besser um die Außenanlagen. Dann wüsste ich auch nicht, wieso das keine beliebte Wohngegend sein sollte. Dass man auch Platten super ausbauen kann, dürfte kein Geheimnis mehr sein.
»Ein Baudenkmal ist eine bauliche Anlage oder ein Teil einer baulichen Anlage, deren oder dessen Erhaltung wegen der geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt. [...]« Für mich sind diese Kriterien u.a. schon deshalb erfüllt, weil diese Gebäude aus einer vergangenen Epoche stammen und es alleine daher wert sein sollten, als Anschauungsobjekte (und natürlich zur Nutzung) durch und für zukünftige Generationen erhalten zu werden. Evtl. wird sich natürlich zukünftig stellen, wie aufwändig der Erhalt ist und somit als wie »erhaltenswert« die Gebäude betrachtet werden. Weiterhin bin ich mir sicher, dass nach einem Abriss der Gebäude dort nichts besseres gebaut werden würde, Gebäude aus der Mitte der 90er werden gegenwärtig in Größenordnungen abgerissen.