Malteser Luxus
Wohn- und Hotelturm von ZHA in San Giljan
Das Viertel Paceville in der maltesischen Stadt San Ġiljan wurde in den letzten 50 Jahren konsequent zu einem Epizentrum des Tourismus und der Vergnügungsindustrie im Mittelmeerstaat entwickelt. Hier haben die Bar-, Club- und Casinobetreiber der Insel bevorzugt ihre Etablissements – und internationale Hotelketten wie Hilton, InterContinental und Westin die 5-Sterne-Varianten ihrer Portfolios. In diesem Kontext werden Zaha Hadid Architects (London) für den maltesischen Investor Joe Portelli einen Wohn- und Hotelturm mit Luxus-Wohnungen im Hochpreissegment realisieren – den Mercury Tower.
Das Grundstück des Mercury Towers liegt im Entwicklungsgebiet von Paceville, dessen Planungshistorie durch einige Kontroversen geprägt ist. Die lokale Planungsbehörde ist schon seit einigen Jahren bestrebt, für das Areal einen Masterplan zu entwickeln. Eine vom englischen Planungsunternehmen Mott MacDonald erarbeitete und 2016 veröffentlichte Version erhielt allerdings viel Kritik in der Bevölkerung – unter anderem sah das Projekt die Umsiedlung von 400 Familien vor – und sollte überarbeitet werden. Spätestens als bekannt wurde, dass die Firma Mott MacDonald auch bei Joe Portellis Mercury Tower beratend tätig war, schien die Implementierung des Masterplans wegen offensichtlicher Interessenskonflikte unmöglich. Die Veröffentlichung einer neuen Version wurde seither immer wieder verschoben und steht momentan noch aus. Unabhängig von der Pausierung des Masterplans hat Investor Joe Portelli eine Baugenehmigung für sein Projekt erfragt. Vor kurzem wurde sie bewilligt.
Auf dem Grundstück befindet sich ein eingetragenes Denkmal: das historische Mercury-Haus von 1903, dessen Fassaden und Interieurs von ZHA in Zusammenarbeit mit Maltas führender Denkmal-Architektin Annamaria Attard Montalto restauriert werden. Die unterirdischen, zu Zeiten des Kalten Krieges angelegten Gewölbe, werden ebenfalls saniert und erhalten einen neuen Zugang über das Mercury-Haus. Über dieses wird man zukünftig auch in die 275 „zeitgenössischen Luxus-Wohnungen“ und 48 Hotelzimmer im Mercury Tower gelangen. Ein neuer öffentlicher Platz mit Cafés und Shops vervollständigt das Ensemble. (df)