Denkmalschutz und Dämmbeton
Wohn- und Geschäftshaus in Aarau von Gautschi Lenzin Schenker
Das neue Wohn- und Geschäftshaus des Schweizer Architekturbüros Gautschi Lenzin Schenker in Aarau ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles aus drei Bestandsgebäuden – und ersetzt ein zuvor an gleicher Stelle befindliches Haus, das sich nach Angabe der Planer sowohl in einem bautechnisch schlechten Zustand befand als auch die historische Struktur des Ensembles verunklarte.
So entstand in Abstimmung mit der kantonalen Denkmalpflege und der Stadtbildkommission für den Bauherrn Unigamma Stiftung in Aarau ein so genannter Ersatzneubau, dessen strenger, monolithischer Baukörper in Dämmbeton mit Zuschlagstoffen aus Blähglasgranulat und Blähton umgesetzt wurde. Sockelgeschoss, Mittelteil und Dachebene sind in der Fassade durch Versprünge voneinander abgesetzt, wodurch sich unterschiedlichen Wandstärken zwischen 45 und 75 Zentimetern ergeben. Die horizontale Schichtung ist durch ein ruhiges Raster aus tiefen Laibungen mit stehenden Fensterformaten weiter gegliedert. Fallarm-Markisen bieten einen dezenten, außenliegenden Sonnenschutz.
Die Böden im Innenraum wurden teilweise als Hartbeton mit Terrazzofeinschliff ausgeführt. Als Kontrast zu den kühlen Betonoberflächen wurde auf Tropenholzarten wie Afromosia für die Parkettböden zurückgegriffen; für die Fassade wurden naturbelassene Fensterrahmen aus Sipo-Holz, einem Mahagonigewächs, gewählt. Während im Erdgeschoss und im Untergeschoss, das über Lichtkanonen erhellt wird, eine Gastronomienutzung untergebracht ist, befinden sich im ersten und zweiten Obergeschoss Büronutzungen, die Flächen sind hier flexibel unterteilbar. Die beiden oberen Dachgeschosse beinhalten zwei Wohnungen. (kh)
Fotos: Andreas Graber
Wer sich Einblick ins Bauen mit hochleistungsfähigem Dämmbeton verschaffen möchte: Kürzlich ist eine ausführliche Veröffentlichung zum Material Infraleichtbeton mit Ergebnissen eines interdisziplinären Forschungsprojekts der TU Berlin beim Fraunhofer Verlag erschienen.
Fehlgeleitete Einschätzungen der Tragweite einer gebauten Umwelt führen heutzutage leider immer häufiger zu extrem einfachen Formen, ohne jegliche architektonisch vertiefende Begründung.
Wünschenswert ist ein erneuter Fokus in der Ausbildung zu Verständnis von Proportionen sowie bauästhetischen Erfordernissen gekoppelt mit der Nutzung bauphysikalischer Phänomene.
Und zuletzt: Die Materialwahl Tropenholz ignoriert die seit Jahrzehnten bekannte Problematik der Rodung klimarelevanter Bestandteile der Erde.
Dieses Gebäude ist kein Beispiel für gelungene Architektur. Dieses Gebäude hat einen schönen Ausblick, bietet jedoch einen unschönen Anblick.
Möglichereise sind die Schweizer auch so helle...
Insgesamt kommt das Gebäude optisch dem Ideal nahe, wonach man aus einer reinen Dämmmasse einen schmucklosen Kubus mit einfachsten Formen schneidet, der in seiner Ästhetik zwischen LEGO-Duplo und Holzhammernarkose liegt.
Wegretuschiert? Vergessen, oder eingespart?