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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wohn-_und_Atelierhaus_von_Apparata_bei_London_7820688.html

18.01.2022

Kostengünstig in Barking

Wohn- und Atelierhaus von Apparata bei London


Im Londoner Osten ist Ende 2021 ein Haus fertig geworden, dessen Gestalt ebenso bemerkenswert ist wie seine Entstehungsgeschichte. Denn das Projekt A House for Artists ist das erste Wohnhaus, das die NGO Create London nicht nur angestoßen, sondern im Auftrag des London Borough of Barking & Dagenham und des Londoner Bürgermeisters auch selbst realisiert hat. Create London arbeitete bisher an der Schnittstelle von Kunst und Gesellschaft, irgendwo in dem weiten Feld von kreativer Stadtteil- und Sozialarbeit. Die meisten bisherigen Projekte waren temporäre Kunstaktionen im Stadtraum wie die beiden Kinos „Folly for a Flyover“ – unter einer Stadtautobahn – und „The Cineroleum“, das 2011 erste Projekt des heute weithin bekannten Architekturkollektivs Assemble.

Nun ist unmittelbar am Bahnhof Barking – mit der District Line ist die Innenstadt im Nullkommanix erreichbar – ein kostengünstiges Wohnhaus für Künstler*innen entstanden. Die Ideen dafür entwickelte Create London zusammen mit dem Bezirk Barking and Dagenham über zehn Jahre, den Bedarf gibt es schon sehr lange. Nachdem ein geeignetes Grundstück gefunden war, lud Create London eine Handvoll Architekturbüros zu einem Wettbewerb ein. Gewinnen konnte das  Londoner Büro Apparata, das 2015 mit Create London zusammen die Old Manor Park Library umgebaut hatte. Die ursprünglichen Pläne sahen einen verspielten fünfgeschossigen Bau aus rot pigmentierten Betonfertigteilen mit einer texturierten Oberfläche vor, mit einem Kunstzentrum im Erdgeschoss, Künstlerateliers und Wohnungen in den oberen Geschossen.

Daraus ist nun ein sichtlich roher Betonbau ohne rote Pigmente geworden. Die 12 Einheiten auf den vier Obergeschossen sind sowohl zum Wohnen als auch zum Arbeiten geeignet. Jede Einheit erfüllt die gesetzlichen Vorgaben für Wohnungen mit zwei Schlafzimmern, die Grundrisse können flexibel gestaltet werden. Das Treppenhaus ist an der Nordwand zum Nachbargebäude platziert, zu den anderen drei Seiten steht der Neubau frei. Die Wohnungen können direkt vom Treppenhaus oder über einen offenen Laubengang an der Ostseite erschlossen werden. Auf jeder Etage gibt es mehrere Möglichkeiten für die Position von Küche und Badezimmer. Der Raum im Erdgeschoss kann als Gemeinschafts-, Ausstellungs-, Veranstaltungs- und/oder Arbeitsraum genutzt werden. Insgesamt bietet der Neubau 1.550 Quadratmeter Nutzfläche.

Die ursprünglich vorgesehenen Fertigteile wurde gegen Ortbeton getauscht, um Material zu sparen und die Details vereinfachen zu können. Der Sichtbeton ist nun Tragstruktur und Regenschutz, und das Gebäude robust und flexibel und nicht nur optisch unfertig genug, um viele Optionen offen zu lassen. Die Hälfte des nötigen Zements wurde durch Stahlschlacke ersetzt – ein industrielles Abfallprodukt. In der Gestaltung liegt mit einem stark betonten Raster eine gewisse schroffe Strenge. Andererseits, so schrieb Rowan Moore im Guardian, gelinge es den Architekt*innen „immer kurz bevor es zu streng wird, die Stimmung mit einem in die Außenwand geschnittenen Dreieck oder Kreis wieder aufzulockern“. So bekäme das gesamte Gebäude etwas von einem Haus, das von einem fröhlichen Kind rasch aus Bauklötzen zusammengeschoben wurde.

Für die Wohnungen, die zu etwa 65 Prozent der ortsüblichen Miete vergeben werden, schrieben Create London und der Bezirk ein Bewerbungsverfahren aus. Schließlich wurden 16 Erstbewohner*innen zwischen 23 und 70 Jahren ausgewählt, von denen über die Hälfte bereits im Bezirk wohnt oder arbeitet. Jetzt wird es an ihnen liegen, wie das Haus genutzt und wie es den Stadtraum ringsum beleben wird. (fh)

Fotos: David Grandorge, Johan Dehlin, Ståle Erikson


In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Entwurf von Apparata habe ursprünglich unverputzte rote Backsteine als Fassadenmaterial vorgesehen. Wir haben dies korrigiert.


Zum Thema:

createlondon.org


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