My Bauhaus is better than yours
Wettbewerbsentwürfe zum Bauhaus-Archiv Berlin
Man versteht die Entscheidung eines Wettbewerbs besser, sieht man das Ergebnis in seinem Zusammenhang. Gerade erst letzten Freitag bekannt gegeben, hat die Juryentscheidung für die Erweiterung des Berliner Bauhaus-Archivs nicht nur in unseren Kommentaren für Aufruhr gesorgt. Lässt man die grundlegende Kritik an dem Verfahren außen vor, um sich auf die architektonischen Vorschläge zu konzentrieren, entwickelt sich ein anderes Gefühl: Ganz einfach hatte diese Jury es wirklich nicht.
Während Staab Architekten für ihren fragilen Turm mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden, setzt Piero Bruno von Bruno Fioretti Marquez Architekten einen Riegel mit enormen Ausmaßen vor das bestehende Bauhaus-Archiv und stellt auf diese Weise Walter Gropius wahrlich in den Schatten. Ein bedenklicher Entwurf, wenn auch konsequent und mutig. Ja, eigentlich ist das doch ein tolles Gebäude für die Hauptstadt, stünde es an anderer Stelle – auf der Wiese vorm Reichstag vielleicht. Oder was passiert eigentlich gegenüber auf der Brache, dort wo 2013 die IBA-Bauten von Ungers abgerissen wurden?
Der dritte Preisträger, die ARGE sinning architekten, stinner architekten aus Darmstadt, will alles richtig machen und platziert mit viel Feingefühl drei zweigeschossige Kuben vor dem Bestand. Aber da steht Staabs achtgeschossiger Turm dann doch selbstbewusster auf dem Platz. Das Stuttgarter Büro dasch zürn architekten, erst 2012 gegründet, orientiert sich formal und in der Höhe lieber am KPMG-Nachbarbau als am Bauhaus-Archiv. Nur EM2N Architekten bleiben eingeschossig und verstellen so nicht den Blick. Ihre durchlässige Struktur zeigt sich als ein Hybrid aus Mies van der Rohes Nationalgalerie und den leichten Bauten, wie man sie von SANAA (die 2005 den ersten Bauhaus-Archiv-Wettbewerb gewonnen hatten, aber nicht bauen durften) kennt.
Neben den fünf Preisträgern kürte die Jury unter Vorsitz von Hilde Léon aus den 41 eingereichten Entwürfen außerdem vier Anerkennungen:
- Anerkennung: F29 Architekten GmbH, Dresden
- Anerkennung: AFF architekten, Berlin
- Anerkennung: Konermann Siegmund Architekten, Hamburg
- Anerkennung: PPAG architects ztgmbh, Wien
Alle Entwürfe sind vom 6. bis 25. November 2015 in einer öffentlichen Ausstellung im HO, Holzmarktstraße 66, 10179 Berlin, zu sehen. Zur Eröffnung am Donnerstag, 5. November, um 19 Uhr, sprechen u.a. Regula Lüscher, Tim Renner, Annemarie Jaeggi und Hilde Léon.
Summe: Ich kann sehr gut mit dem 1.Platzierten leben; kann aber erahnen, dass es wohl grosse Defizite im inneren Raumerlebnis geben wird.
bei einer 55 Bilder-Monstergalerie sich nur mit vor/zurück durch die Galerie navigieren zu müssen finde ich übrigens nur so halb toll...
ich find wizigerweise meine Favoriten (neben Platz 3) in den Anerkennungen. Da man über die innere Organisation bei einem Grundriss nur wenig sagen/maulen/loben kann bleibt die Entscheidung am Modell und Städtebau. Und da haben meiner Meinung nach AFF oder F29 interessantere Ansätze. Als Freund des Chillens auf Uferwiesen finde ich die Ansätze die die Klingelhöferstraße abschirmen und das Ufer (und die Leute!) aufs Grundstück ziehen die bessere Variante. So zwecks Verweben und Verzahnen und niedrigschwellige Lockangebote... trink 'ne Braue am Kanal und plötzlich gehst du mit einem Breuer-Stuhl nach Hause... Staab ist mir zu feierlich und introvertiert. Museummuseum...