Haus der Jugend Südkreuz
Wettbewerb in Berlin entschieden
Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg mangelt es an Angeboten der offenen Jugendarbeit. Um diese Versorgungslücke zu schließen, plant das Bezirksamt, auf einem kommunalen Grundstück am Werner-Voss-Damm, nahe Bahnhof Südkreuz ein Haus der Jugend zu errichten. Im Auftrag des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen im Februar 2026 einen nicht offenen, einphasigen Realisierungswettbewerb ausgelobt. In dem Verfahren, dem ein Teilnahmewettbewerb vorgeschaltet war, konnte sich büro hacke (Berlin) gegen neun Mitbewerbende durchsetzen.
Das Neubau-Vorhaben ist Teil des Programms Nachhaltige Erneuerung im Fördergebiet Schöneberg-Südkreuz. Es soll neue Räume für die zwei etablierten, derzeit temporär und unsicher untergebrachten Einrichtungen Drugstore und Potse schaffen, das Haus aufgrund der selbstverwalteten Struktur ein hohes Aneignungspotenzial aufweisen. Perspektivisch ist die Übernahme durch einen privaten Träger vorgesehen, der das Angebot um Bildungsveranstaltungen erweitern soll. Die Jury unter Vorsitz von Jórunn Ragnarsdóttir vergab folgende drei Preise und eine Anerkennung:
- 1. Preis: büro hacke (Berlin) mit knippershelbig, Transsolar und CAPE Ingenieure
- 2. Preis: Demo Working Group (Köln) mit TOHR Bauphysik und Transsolar Energietechnik
- 3. Preis: Kim Nalleweg Architekt:innen (Berlin) mit SFB Bauingenieure, Müller-BBM Building Solutions, Ingenieurbüro Hausladen und HHP Berlin
- Anerkennung: Vecsey:Schmidt Architekt:innen (Basel) mit WSDG, Peter Stanek und We consulting
Max Hacke und Radovan Szabo vom Berliner büro hacke positionieren ihren Entwurf als kompakten, zweigeschossigen Solitär leicht abgerückt von der Straße. So wird der Baumbestand entlang der Straßenflucht geschützt. Ein geringer Fußabdruck ermöglicht großzügige Freiräume: Zentraler Baustein ist ein überdachter Innenhof, der Erschließung und Begegnung bündelt und die unterschiedlichen Nutzungen miteinander verbindet.
Der Innenhof mit Freitreppen und visuellen Bezügen fördere Orientierung und damit die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen, hebt die Jury hervor. Robuste, wiederverwendete Materialien sowie eine begrünte Gerüststruktur eröffneten Möglichkeiten zur partizipativen Mitwirkung der Kollektive und stärkten die Identität des Ortes. Besonders positiv bewertet wird das schalltechnische Konzept: Die vertikale Anordnung ermöglicht parallele Veranstaltungen beider Institutionen, während der Innenhof wirksam zum Schallschutz beiträgt.
Kritisch hinterfragt werden jedoch die langfristige Funktionalität und akustische Wirksamkeit der Toranlagen zu Garten und Straße. Ebenfalls diskutiert wurden die hohe Einsehbarkeit des Innenhofs als möglicher Konflikt mit der Schutzfunktion des Hauses sowie die hybride Lage der Bibliothek im unbeheizten Bereich.
Dem Lärmschutz kommt besondere Bedeutung zu: Eine Anwohnerschafts-Initiative befürchtet hohe Belastung durch Veranstaltungen in den angrenzenden Nachbarschaften, darunter die Gartenstadt Neu-Tempelhof. Sie appelliert an die Bezirksverordneten, vom Neubau am geplanten Standort abzusehen. Dabei wird auf frühere Überlegungen verwiesen, das Haus der Jugend am Sachsendamm jenseits des Bahnhofs Südkreuz zu realisieren. Die komplizierten Besitzverhältnisse des dortigen Gewerbe-Grundstücks stellen sich jedoch gegen den Zeitplänen des Bezirksamtes: Anvisiert ist ein Baustart 2027, die Fertigstellung wird für 2030 erwartet. (kms)