Zwei erste Preise am Bendlerblock
Wettbewerb in Berlin
Zeitenwende, europäische Sicherheitslage, Wehrpflichtdebatte – das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) ist im vergangenen Jahr vom Fachministerium zur zentralen Behörde der Regierungsstrategie avanciert. Entsprechend gestiegen sind die Ansprüche an seine Außenwahrnehmung, die sich nicht zuletzt in der Architektur ausdrücken. Dies dürfte denn auch die Diskussion der Jury bestimmt haben, die Anfang Dezember im Wettbewerb um die Erweiterung des denkmalgeschützten Bendlerblocks in Berlin-Tiergarten zu entscheiden hatte.
Der dortige Verwaltungskomplex des BMVg soll um rund 30.000 Quadratmeter für Büros, Kantine und Sportinfrastruktur erweitert werden. Dabei galt es, die prominente Lage zwischen Reichpietschufer und Hildebrandstraße städtebaulich weiterzuentwickeln und den Paradeplatz zwischen Staatsgästetreppe und Ehrenmal der Bundeswehr sowie die Außenanlagen neu zu gestalten. Überdies hatte die Auslobung des Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Vorgaben für ressourcenschonendes, energieeffizientes und nachhaltiges Bauen gemacht.
Im interdisziplinären, einphasigen, anonymen Planungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerberverfahren waren sieben Teams aus Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen zugelassen, die die hohen Sicherheitsanforderungen an das Projekt erfüllen konnten. Eine elfköpfige Jury unter Vorsitz von Dörte Gatermann vergab zwei erste und einen dritten Preis sowie eine Anerkennung. Sie empfahl, beide erste Preisträger mit der Überarbeitung zu beauftragen.
- ein 1. Preis: sauerbruch hutton mit ST raum a Landschaftsarchitekten (beide Berlin)
- ein 1. Preis: HENN (München) mit SINAI Landschaftsarchitekten (Berlin)
- 3. Preis: Kleihues + Kleihues mit WES LandschaftsArchitektur (beide Berlin)
- Anerkennung: ingenhoven associates (Düsseldorf) mit Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten (Berlin)
In der Jurybeurteilung heißt es unter anderem: Der Beitrag von HENN mit SINAI Landschaftsarchitekten entwickele laut Jury den Bendlerblock als offenen und durchlässigen Campus weiter, der durch zwei große, U-förmige Hofgebäude gefasst werde, die sich dem Paradeplatz zuwenden. Alle Büros erhielten gute Belichtung und Außenraumbezug. Zusammen mit dem Kantinen-Pavillon ergebe sich eine reizvolle offene Campus-Landschaft, bestehend aus Platz, Wald, Gartenhöfen und Ehrenmal. Sie lobte zudem die Tiefenstaffelung der Fassaden und deren großes Maß an Eigenständigkeit.
Der Vorschlag von sauerbruch hutton mit ST Raum a. Landschaftsarchitekten ordne die Situation mutig neu, indem der Paradeplatz mittig zur Staatsgästetreppe und der Achse zum Ehrenmal der Bundeswehr ausgerichtet wird. Die Gebäude sind konkav ausgeformt, bilden eine Klammer und stellen eine gelungene Platzanlage her, die Strenge und zeitgemäße Gliederung gekonnt verbindet. Die Jury begrüßte den sehr geringen Versiegelungsgrad des Entwurfs, der sich damit positiv auf Stadtklima und Regenwassermanagement auswirke.
Aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen sind nur ausgewählte Visualisierungen und Informationen bekannt. Ein Verhandlungsverfahren soll zeitnah entscheiden, welches der beiden erstplatzierten Büros mit der Planung beauftragt wird, heißt es aus der Pressestelle des BMVg. (fm)
Die Wettbewerbsergebnisse sind noch bis Freitag, 6. Februar 2026, im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Ernst-Reuter-Haus, Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin ausgestellt.