An prominenter Adresse
Wettbewerb für den Deutschen Bundestag entschieden
Der Deutsche Bundestag will einen Neubau mit rund 200 neuen Büros errichten – am Eckgrundstück Unter den Linden/Schadowstraße, zwischen der derzeit im Neubau befindlichen Polnischen Botschaft und dem Schadowhaus. Der Neubau, der auch Ausstellungsräume und die Verwaltung der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung aufnehmen soll, wird das Elisabeth-Selbert-Haus aus den 1960er Jahren ersetzen und den gleichen Namen tragen. Den bestehen bleibenden Bürokomplex des Deutschen Bundestags im hinteren Teil des Grundstücks wird der geplante Neubau zum Block ergänzen.
Aufgabe war es, einerseits der prominenten Adresse gerecht zu werden, andererseits eine angemessene Eingliederung in die kleinteilige Schadowstraße zu finden. Eine weitere Herausforderung bildete der denkmalgerechte Anschluss an die Nachbarbauten, da das gesamte Ensemble „Dorotheenstadt“ unter Denkmalschutz steht. Am 10. und 11. Dezember 2018 entschied sich das Preisgericht des dafür ausgelobten Realisierungswettbewerbs unter Vorsitz von Dörte Gatermann einstimmig für drei Preise und drei Anerkennungen:
- 1. Preis: kleyer.koblitz.letzel.freivogel (Berlin)
- 2. Preis: Atelier 30 (Kassel)
- 3. Preis: merz merz (Berlin)
- Anerkennung: Bruno Fioretti Marquez (Berlin)
- Anerkennung: Kleihues + Kleihues (Berlin)
- Anerkennung: AV1 Architekten (Kaiserslautern/Berlin)
Die Entwürfe der drei Preisträger präsentieren alle ein sechsgeschossiges L-förmiges Gebäude mit regelmäßiger Fassade und starkem Ausdruck zur Straße Unter den Linden, gehen aber unterschiedlich mit der Gebäudesituation in der Schadowstraße um. Während merz merz ihr Staffelgeschoss nicht bis zum viel niedrigeren Nachbarhaus führen, planen ATELIER 30 dort die gleiche Traufhöhe wie Unter den Linden.
kleyer.koblitz.letzel.freivogel wiederum gestalten den Schenkel zur Schadowstraße deutlich schmaler als den zur Allee und lassen das sechste Geschoss gegenüber der Fassade Unter den Linden zurückspringen. Ihr Entwurf überzeugte die Jury durch den signifikanten Eingangsbereich und die plastische Wirkung der Fassade und durch große Fensterflächen im Haupttrakt, die das skulpturale Treppenhaus vom Stadtraum aus sichtbar machen. Die Räume der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung nehmen das Erdgeschoss Unter den Linden ein.
Text: Natalie Scholder
Bis Donnerstag, 31. Januar 2019, sind alle eingereichten Entwürfe im Ernst-Reuter-Haus, Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin, ausgestellt. Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–18 Uhr
In der Architektur haben wir es doch nach wie vor mit der Entsprechung von Form und Inhalt zu tun. Der Gehalt an der Reihung von gleichwertigen Beamtenbüros gibt nun schwerlich große Variation in der Gestalt. Das Verschieben der Fensterreihung von Geschoß zu Geschoß ist unbefriedigend Taschenspielerei. Aber : wie aufregend kann ein Fenstergeviert sein, wenn es alle technischen Funktionen wie Sonnenschutz, Schallschutz, Witterung ... in der Gestalt zum Ausdruck bringt - in Tiefe, Laibung, Sturz, Teilung. Die Entwürfe zeigen Lösungen.
Bitte verzeihen Sie meine Kritik, aber dieser Entwurf, der nun leider auch noch realisiert werden soll, ist nur einer von vielen langweiligen Betonbauten, die Berlin alles andere als verschönern.
Was ist nur mit der heutigen Architektur und den damit verbunden Architekten los, dass man immer noch diese einfallslose Architektur hinstellt?
Furchtbar! Einfach grauenvoll!!!
Und dann auch noch auf "Unter den Linden".
Ich fasse es nicht. :-(
Es ist leider, wie so häufig, einfach nur trist, klotzig und kalt :-(