Junges Berliner Büro gewinnt
Wettbewerb für Schulerweiterung in Frankfurt (Oder)
Nach dem Humanisten Ulrich von Hutten sind mehrere Schulen in Deutschland benannt, darunter auch die Oberschule in Frankfurt (Oder), die im Ortsteil Neuberesinchen südlich der Innenstadt liegt. Die Ganztagsschule bestand ursprünglich aus drei Gebäuden der DDR-Zeit, von denen allerdings nur noch das bereits sanierte Hauptgebäude und die Turnhalle in Benutzung sind. Jahrelang ging man nämlich davon aus, dass aufgrund rückläufiger Schülerzahlen auf das Nebengebäude verzichtet werden kann. Bei heute konstant fast 500 Schülern hat sich dies allerdings als nicht praktikabel erwiesen, weshalb seither die fehlenden Räume in einem Ausweichquartier aus Containern untergebracht sind. Nicht nur die Klassenzimmer, auch ein Schülerclub befindet sich hier. Das Provisorium soll nun jedoch zugunsten eines Neubaus aufgegeben werden, für den wiederum der alte, unsanierte Bestandsbau abgerissen wird.
Im Neubau der Schule, die als UNESCO-Projektschule über ein besonderes Profil verfügt, werden neben Klassenzimmern und Räumen für Sozialarbeit vor allem ein Praxiszentrum, eine Kantine und die Aula untergebracht werden. Außerdem sollen der Schulhof und die Wegverbindungen zwischen den Schulhäuser erneuert und umgestaltet werden. Für den Neubau des Haus 2 inklusive Außenanlagen, lobte die Stadt Frankfurt (Oder) einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb aus. Insgesamt 12 Arbeiten wurden eingereicht. Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz der Berliner Architektin Doris Gruber vergab folgende Preise:
- 1. Preis: Schwind & Wolf Architektenpartnerschaft, Berlin; Carola Schäfers Architekten, Berlin; Bode-Williams + Partner, Berlin
- 3. Preis: Lehmann Architekten, Offenburg; w+p Landschaften, Freie Landschaftsarchitekten, Berlin/Schiltach
- 3. Preis: AV1 Architekten, Kaiserslautern/ Berlin; Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin
Als „eine sensible, maßstabsgerechte Geste“ lobt die Jury den Siegerentwurf vom jungen Berliner Büro Schwind & Wolf Architektenpartnerschaft – das somit seinen ersten Wettbewerb gewonnen hat – und Carola Schäfers Architekten. Besonders die Kubatur des kompakten Anbaus an das Hauptgebäude, „welcher nicht in Konkurrenz zum bestehenden Gebäude steht“ und die Anbindung selbst, die barrierefrei erfolgt, wird als positiv bezeichnet. Auch die Gestaltung der Freiräume, die in einzelne Nutzungsbereiche gegliedert sind, wurde vom Preisgericht als überzeugend betrachtet.
Die Umsetzung des Raumprogramms „in dem klar gegliederten Gebäudekubus“ von Lehmann Architekten bezeichnet die Jury als „funktional und räumlich sehr gelungen“, wobei hinsichtlich der Kosten die Umsetzbarkeit des Projekts kritisch diskutiert wurde. Auch der freistehende Baukörper und die Gestaltung der Außenanlagen von AV1 Architekten wird wegen der „klaren, funktionalen Organisation“ vom Preisgericht gelobt. Der Verzicht auf einen „witterungsunabhängigen Übergang“ wird jedoch bemängelt. Da jedoch beide Projekte wegen ihrer architektonische Haltung überzeugen, entschied das Preisgericht, keinen 2., dafür aber zwei 3. Preise zu vergeben.
Das Gewinnerprojekt konnte sich im Feld also überzeugend durchsetzen, weshalb zu hoffen ist, dass die Schule schon bald ihre fehlenden Räumlichkeiten bekommt. Die von der Jury beobachtete Unterodnung des Entwurfs ist dabei übrigens nur dem Maßstab nach richtig. Betrachtet man die im Netz kursierenden Bilder des sanierten Bestands, wird sich – wenn alles gelingt wie auf der Visualisierung zu sehen – nach der Fertigstellung kaum die Frage stellen, wer der Star auf dem Schulhof ist. (mg)
Was die Schule betrifft, vermute ich aus eigner Erfahrung mit diesem Thema eine rege Beteiligung von Lehrkräften, Schulleitung, Eltern und womöglich sogar Schülern was die Erarbeitung des Raumprogramms angeht. In diesem Fall haben die Leute ja bekommen was sie wollten, oder?
Persönlich wäre mir ein eingerahmter Schulhof schöner gewesen, sowohl optisch als auch von der Funktion. Aber so gehts ja anscheinend auch, Glückwunsch an die Kollegen!
Ich stimme Fug und Recht voll und ganz zu. Moderne Unterrichtskonzepte und Ganztagsunterricht sicher gut und schön, aber eine Gründerzeitschule hat auch ihre Qualitäten gehabt und Frontalunterricht in Standardgrundrissen führt nicht automatisch dazu, dass man ein stumpfer, obrigkeitshöriger Spießerbürger wird. Das kann man doch nicht ernsthaft glauben?
Nichtsdestotrotz passiert in Deutschland m.E. schon eine Menge, was "fortschrittlichen" oder besser zeitgenössischen Schulbau angeht... auch im Sinne von mrs` Plädoyer. Wenn man sich schwerpunktmäßig damit beschäftigt, kriegt man`s auch mit. Vielleicht mehr Berichte darüber auf Baunetz... Sowas wie die vorgestern vorgestellte Schule von Henning Larsen kann aber auch nicht das Nonplusultra sein. Für mich architektonischer Kitsch, plakativ kindgerecht, im Detail teils sicher ansprechend für Kinder, aber eigentliche ein Monster von einem Raumprogramm, in dem sich ein Kind sicher nicht leicht heimisch fühlt.
Hinzu kommt, dass sich die Ganztagsschule für alle Alterststufen als Modell durchgesetzt hat, Kinder den ganzen Tag von morgens gegen acht bis spätnachmittags an der Schule verbringen und dort ihre Hausaufgaben machen. Der Klassenraum an sich bietet keinerlei Rückzugsmöglichkeit, endlose Korridore sind zumeist nur als Wegraum zu gebrauchen, und in den Räumen, die dann für alle da sind (Cafeteria usw.) fehlt die Ruhe.
Es gibt aus den vergangenen hundert Jahren weltweit eine ganze Reihe toller Schulbauprojekte, die im Alltag gut funktionieren und genau diesen veränderten Bedürfnissen an heutige Lernumfelde gerecht werden.
Es gibt Länder, da verbindet man darüber hinaus Schulneubauten mit öffentlich nutzbaren Einrichtungen, da für das Vorhalten von Stadtteilbibliotheken usw. den Kommunen das Geld fehlt, und Schulen aller Größe per se diese Einrichtungen besitzen. Schulen werden dort als gesellschaftlicher Ort begriffen, an dem Menschen allen Alters zusammenkommen.
Setzte man das viele Geld, das in Deutschland momentan für Schulbauten ausgegeben wird, in diesem Sinne ein, würden sich eine ganze Reihe interessanter gesellschaftlicher und architektonischer, struktureller/ typologischer Fragen stellen.
Davon und auch von der Erkenntnis der Notwendigkeit etwas flexiblerer Lernumfelde ist man in Deutschland erschreckend weit entfernt und man muss sich fragen, warum das so ist. Vielleicht gibt es auch einfach für alles zu viel Geld, so dass es bequem ist, sich diese Fragen nicht stellen zu müssen.
Wir bauen ebenfalls gerade eine Grundschule in Erweiterung einer bestehenden Regionalschule, der Bau enthält auch Gemeinschaftseinrichtungen für alle Schüler, da diese im Bestand (Klassenraum und Korridor) nicht vorhanden sind. Da wird es tatsächlich etwas mehr Flexibilität in den Möglichkeiten der Nutzung der Räume geben. Das Gebäude hat eine BGF von 1.900 qm, ein Verhältnis von BGF zu NF von 1,25 und kostet 1.200 €/m2 BGF Brutto KG 300+400, obgleich der Neubau beispielsweise ein aufwendiges Tragwerk und relativ viel Hüllfläche hat.
Diese Zahlen sind bei Bauherren, deren Budgets begrenzt sind (unser Bauherr ist ein privater Schulträger), neben der Benutzbarkeit und Auslastung der Räume treffende Argumente, die es uns Architekten ermöglichen, Lernumfelde wie zuvor beschrieben zu realisieren, denn sie sind nicht nur im Alltag im Gebrauch angenehmer sondern auch in jeder Hinsicht wirtschaftlicher.
Das verlangt allerdings von allen am Planungsprozess Beteiligten, sich dieser Fragen und Möglichkeiten von Beginn an bewusst zu sein und diese anzunehmen.
Marika Schmidt
zu 2 ... interessante betrachtung ... aber grundlegend ... daneben ... wieviel personen waren das in bezug zur gesamtbvölkerung ?!! ... eine verschwindend geringe elite ... !!
zu 3 ... kennen wir ... zum glück erledigen sich aber ... die fantasielosen ... verwaltungsfunktionäre ... durch altersbedingtes aussscheiden ... und neue ambitionierte gestalter ... rücken nach ... zum glück !!
zu 4 ... eine entsprechend den heutigen ansprüchen an individuelles lernen gerecht werdende architektur ... macht einen großen anteil am gesamtkonzept ... das ist hier aber keineswegs mit ein paar schlagworten zu erklären ... allen die wirklich etwas darüber lernen wollen : montag-stiftungen ... googlen ... alle die meinen schon alles zu können ... bitte keine schulen bauen ... ihr habt keine ahnung ... wie wichtig die laufende reform des bildungswesens ... für die weiterentwicklung und den fortbestand unserer gesellschaft ist ...
Es scheint mir aber, dass selbst wir als Fachkundige nun aufgrund des Overkills an Architektur-Nonsens nicht mehr in der Lage sind Architektur differenziert zu betrachten.
Es ist doch bemerkenswert, dass wir nur noch die Unterschiede im Fassadenmaterial wahrnehmen und nicht mehr den Blick auf das Wesentliche haben.
Alle drei vorgestellten Entwürfe unterscheiden sich eklatant in räumlicher Setzung, erzeugten städtebaulichen Räumen und der Gebäudetypologie. Das fällt aber gar nicht mehr auf, weil wir auf den Renderings nur die rechten Winkel und die horizontalen Fensterformate sehen.
Darauf drehen dann einige erstmal ordentlich am Rad und schreien laut nach egal was, Hauptsache mehr Bespaßung.
Das sagt einiges aus über uns als Berufsstand.