Campus für Entwicklungszusammenarbeit
Wettbewerb für Ministeriumsbau in Berlin entschieden
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter Leitung der im Dezember 2021 vereidigten Svenja Schulze hat derzeit seinen Sitz im Europahaus. Dieses steht in Sichtweite zur Ruine des Anhalter Bahnhofs und zum Deutschlandhaus, auf demselben Straßenblock wie die Topographie des Terrors und der Gropius Bau. Sowohl aus historischer als auch aus städtebaulicher Sicht handelt sich also um ein nicht gerade unbedeutendes Grundstück im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – auf dessen Südseite bisher jedoch wenig geschehen ist. Das soll sich ändern: Weil das Europahaus saniert werden muss und das BMZ immer mehr Mitarbeiter*innen bekommt, ist auf dem bisher als Parkplatz genutzten Grundstück der EZ-Campus Plus geplant – wobei das „EZ“ für Entwicklungszusammenarbeit steht.
In dem von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ausgelobten, nicht offenen, einphasigen städtebaulichen Realisierungswettbewerb war ein städtebauliches Konzept gesucht, das Grün- und Freiflächen sowie Bestandsgebäude miteinander verknüpft und einen neuen „urbanen Kommunikationsraum“ schafft. Im November 2021 gingen die Büros HENN (München) und WES LandschaftsArchitektur (Hamburg) als Sieger hervor. Unter den 15 eingereichten Arbeiten vergab die Jury unter Vorsitz der Stuttgarter Architektin Jórunn Ragnarsdóttir vier Preise:
- 1. Preis: HENN, München, mit WES LandschaftsArchitektur, Hamburg
- 2. Preis: wulf architekten, Stuttgart, mit planstatt senner, Berlin
- 3. Preis: steidle architekten, München, mit TERRA.NOVA, München
- 4. Preis: Reichel Schlaier Architekten, Stuttgart, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover
Der Siegerentwurf platziert zwei kompakte Baukörper mit Lichthof, versetzt angeordnet in Bezug auf das Europahaus-Grundstück. Gropius Bau, Topografie des Terrors sowie das östlich gelegene Robinienwäldchen werden durch die Anordnung in das Ensemble eingebunden, eine künftige (Wege-)Verbindung zum Bestand wird offen gestellt. Geplant ist, die beiden Baukörper durch eine Brücke im ersten Obergeschoss miteinander zu verbinden, während das Europahaus durch einen unterirdischen Gang angebunden werden soll.
Das Preisgericht lobte insbesondere die hohe Flexibilität sowie die Offenheit des von HENN und WES LandschaftsArchitektur vorgelegten Entwurfs. In der Beurteilung heißt es, der Entwurf schaffe zusammen mit Europa- und Deutschlandhaus ein einladendes Ensemble mit einem sehr flexiblen und großzügigen Platzraum. Dies eröffne unter anderem die Entwicklung eines umschlossenen Open-Air-Campus’. Mit seiner Offenheit erhalte das Ensemble zudem eine neue Bedeutung im Stadtraum und vernetze sich sehr gut mit der Nachbarschaft, so die Jury.
Der architektonische Entwurf für einen klimaneutralen Neubau mit DGNB Gold-Zertifizierung wird Gegenstand eines weiteren Verfahrens sein. (dsm)
Die Ergebnisse und Entwürfe zum EZ-Campus Plus sind noch bis zum 24. Januar 2022 auf berlin.de zu sehen.
wie kam die auswahl der büros zu stande?
wie viele arbeiten wurden eingereicht. welche büros nahmen von wievielen teil, wer hat die auslobung konkret gemacht, wer waren die fachpreisrichter?
es wird immer üblicher bei baunetz, dass wichtige informationen fehlen.
und zu den hier gezeigten perspektiven:
die meisten sehen einfach unterirdisch aus.
vielleicht hätte man nur die grundrisse zeigen sollen, es hätte nicht so schockiert.
was ist eigentlich los, mit den architekten?
bitte keine begrenzungen mehr bei der vorauswahl der büros, keine reglementierung in punktesystemen und vorerfahrung=bautyp und bausummenspiele setzen, sondern die wettbewerbe wieder öffnen und nach baukünstlerischer qualität entscheiden.
Ein interessante Kritik der Gefälligkeit der zeitgenössischen Künste ist "Die Errettung des Schönen" von Byung-Chul Han, wo es um das pornografische des Glatten geht. Ambivalenz weicht Eindeutigkeit - eine treffende Beschreibung der Wettbewerbsbeiträge, die in Deutschland so oft gewinnen.
Dass Raum durch seine Begrenzungen lebt ist Quatsch. Siehe Pariser und Leipziger Platz. Raum lebt durch seine Dimensionen, die uns mit dem All verbinden. Auf der Erde seltsamerweise über uns, ist es in Wirklichkeit um uns, ja wir sind Teil des Alls. Dies zu vermitteln ist Aufgabe der Architektur. Unseren letztendlichen Genius loci zu ertasten, so wie früher die Kathedralen.
Die Stadt räumlich anreichern durch andere räumliche Dimensionen bei ähnlicher Dichte.
Nachhaltigkeit ist zur letzten hohlen Phrase verkommen. Für diese häßlichen Teile ist jeder Euro zu schade. Wer will da arbeiten ?