Filigrane Symbolik am Schillerhügel
Wettbewerb für Literaturarchiv in Marbach entschieden
Filigrane Symbolik am Schillerhügel
Wettbewerb für Literaturarchiv in Marbach entschieden
Vielen gilt er als der Wettbewerb des Jahres in Deutschland. Für den Neubau des Forschungsarchivs Tor zur Literatur in Marbach am Neckar hat die Jury drei Preise und zwei Anerkennungen vergeben.
Spätestens seit 2006, als das Literaturmuseum der Moderne nach Plänen von David Chipperfield Architects (DCA) eröffnete, ist die Stadt Marbach am Neckar nicht nur ein Ziel für Literaturbegeisterte, sondern auch eine Architektur-Destination. Zusammen mit dem ebenfalls von DCA sanierten Schiller-Nationalmuseum (1903/2009), dem Archivgebäude (1972) samt Erweiterungsbau (1995) und dem Collegienhaus (1993) bildet das Museum den Campus des Deutschen Literatur Archivs (DLA) Marbach. Unter anderem, weil das Archiv laut Direktorin Sandra Richter um 1.300 Regalmeter pro Jahr wachse, bekommt der Campus nun einen weiteren Neubau.
Unter dem Titel Tor zur Literatur soll der Neubau anstelle eines Hallenbades am Schillerhügel entstehen. Als Bauherrin tritt die Deutsche Schillergesellschaft e.V. auf. Für den Neubau (KG 300–500) sind aktuell 44 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Sie kommen zu gleichen Teilen vom Bund und vom Land Baden-Württemberg. 2032 will man eröffnen, nicht zuletzt, weil das Haus zum Konzept der Gartenschau 2033 gehört, das von Benningen über den Neckar bis zur Schillerhöhe führt. Das Raumprogramm umfasst Magazine für digitale Unikate, Bilder, Objekte sowie Bücher und Handschriften, außerdem Ausstellungsflächen, einen Lesesaal, Veranstaltungsräume sowie Büros.
Der dafür ausgelobte Realisierungswettbewerb gilt vielen bereits jetzt als der Wettbewerb des Jahres in Deutschland, das Teilnehmerfeld steht für das Who-is-Who der europäischen Architekturszene. Aus 177 Bewerbungen waren 14 Teams für die Teilnahme ausgewählt und sechs weitere (darunter die Zweit- und Drittplatzierten sowie das Team um Bruther) eingeladen worden. Die Betreuung des Verfahrens übernahm Architektur 109 aus Stuttgart.
Zur Jury gehörten unter anderem die Architekt*innen Regine Leibinger (Vorsitz), Anne Kaestle, Johanna Meyer-Grohbrügge, Birgit Rapp, Alfredo Thiermann und Thomas Stark sowie der FAZ-Redakteur Niklas Maak. Unter den 20 Einsendungen mit einer großen typologischen Bandbreite, vergab sie folgende Preise:
Der Siegerentwurf erscheint in Form von zwei gegeneinander versetzten, begehbaren und begrünten Dächern, die sich wie Buchdeckel aus dem Boden aufklappen. Unter einem der Dächer liegen Archiv und Büros, unter dem zweiten Empfang, Konferenzbühne und die öffentlich zugängliche Sammlung. Die architektonische Form schaffe es, so die Jury, einen Wesenskern von Literatur auf überraschende Weise kongenial räumlich zu inszenieren: das Konzentrierte, Intime, Zurückgezogene im Akt des Lesens und das Kommunikative, Gemeinschaftsbildende im Austausch über Literatur. Der transparente Charakter der Visualisierungen, der an das vielfach ausgezeichnete Studierendenhaus in Braunschweig erinnert (das Düsing zusammen mit Max Hacke 2023 fertigstellen konnte), überzeugte die Jury. Sie forderte jedoch „genauere Detaillösungen für die konstruktive Machbarkeit“.
Unter dem Titel Tor zur Literatur soll der Neubau anstelle eines Hallenbades am Schillerhügel entstehen. Als Bauherrin tritt die Deutsche Schillergesellschaft e.V. auf. Für den Neubau (KG 300–500) sind aktuell 44 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Sie kommen zu gleichen Teilen vom Bund und vom Land Baden-Württemberg. 2032 will man eröffnen, nicht zuletzt, weil das Haus zum Konzept der Gartenschau 2033 gehört, das von Benningen über den Neckar bis zur Schillerhöhe führt. Das Raumprogramm umfasst Magazine für digitale Unikate, Bilder, Objekte sowie Bücher und Handschriften, außerdem Ausstellungsflächen, einen Lesesaal, Veranstaltungsräume sowie Büros.
Der dafür ausgelobte Realisierungswettbewerb gilt vielen bereits jetzt als der Wettbewerb des Jahres in Deutschland, das Teilnehmerfeld steht für das Who-is-Who der europäischen Architekturszene. Aus 177 Bewerbungen waren 14 Teams für die Teilnahme ausgewählt und sechs weitere (darunter die Zweit- und Drittplatzierten sowie das Team um Bruther) eingeladen worden. Die Betreuung des Verfahrens übernahm Architektur 109 aus Stuttgart.
Zur Jury gehörten unter anderem die Architekt*innen Regine Leibinger (Vorsitz), Anne Kaestle, Johanna Meyer-Grohbrügge, Birgit Rapp, Alfredo Thiermann und Thomas Stark sowie der FAZ-Redakteur Niklas Maak. Unter den 20 Einsendungen mit einer großen typologischen Bandbreite, vergab sie folgende Preise:
- 1. Preis: Gustav Düsing Architekt (Berlin), Landschaftsarchitektur mahl gebhard konzepte (München)
- 2. Preis: Karamuk Kuo Architekten (Zürich), Studio Vulkan Landschaftsarchitektur (Zürich)
- 3. Preis: AFF Architekten (Berlin), Topotek (Berlin)
- Anerkennung: Bruther (Paris), Catherine Mosbach Landschaftsarchitektin (Paris)
- Anerkennung: FAKT – Kern Tessarz Tratz Architekten (Berlin) in ARGE mit Studio Muoto (Paris), Bureau B+B urbanism and landscape architecture (Amsterdam)
Der Siegerentwurf erscheint in Form von zwei gegeneinander versetzten, begehbaren und begrünten Dächern, die sich wie Buchdeckel aus dem Boden aufklappen. Unter einem der Dächer liegen Archiv und Büros, unter dem zweiten Empfang, Konferenzbühne und die öffentlich zugängliche Sammlung. Die architektonische Form schaffe es, so die Jury, einen Wesenskern von Literatur auf überraschende Weise kongenial räumlich zu inszenieren: das Konzentrierte, Intime, Zurückgezogene im Akt des Lesens und das Kommunikative, Gemeinschaftsbildende im Austausch über Literatur. Der transparente Charakter der Visualisierungen, der an das vielfach ausgezeichnete Studierendenhaus in Braunschweig erinnert (das Düsing zusammen mit Max Hacke 2023 fertigstellen konnte), überzeugte die Jury. Sie forderte jedoch „genauere Detaillösungen für die konstruktive Machbarkeit“.
Am zweitplatzierten Entwurf lobte das Preisgericht insbesondere die Verbindung von Architektur und Landschaftsgestaltung. Er sei großflächig ohne dominant zu sein, nehme Bezug zur kleinteiligen Umgebung auf, ohne sich komplett wegzuducken und finde im architektonischen Ausdruck eine überraschende Balance aus Eigensinn und Anpassung, so die Jury – deren Beurteilungen vielfach ohne die üblichen Floskeln auskommen und teilweise mit angemessen literarischem Gespür formuliert wurden.
Der drittplatzierte Entwurf punktete „architektonisch durch eine sorgfältige Auseinandersetzung mit Materialität und Konstruktion“. Besonders der transluzente Kubus erzeuge mit seiner Bekleidung aus Glasschindeln in Kombination mit der Holzfachwerkkonstruktion eine eigenständige architektonische Identität, schreiben die Preisrichter*innen. Außerdem erkannten sie einen „starken Ansatz im Bereich Nachhaltigkeit“ und das „Potenzial, das serielle System im Sinne der Zirkularität weiterzuentwickeln, etwa durch eine Deckenkonstruktion aus Holzträgern mit Stampflehm-Ausfachung“.
Mit den Teams der drei Preisträgerentwürfe folgt nun das Verhandlungsverfahren. Im Sommer soll der Planungsauftrag vergeben werden. Der Baubeginn ist für 2029 geplant. Alle 20 Wettbewerbsarbeiten sind noch bis Samstag, 21. März 2026 im Deutschen Literaturarchiv ausgestellt.
Kommentare
Frank
Hell yeah! Beautiful work.
nathan_k
Sehe ehrlich gesagt die „Franzosen“ – bruther (Paris) und muoto (Paris) – zusammen mit fakt (Berlin) als die eigentlichen Gewinner. Beide Ankäufe holen aus der Idee eines Tiefarchivs eine ziemlich eigenwillige Raumdramaturgie heraus und entwickeln daraus eine klare architektonische Haltung.Platz 1 – Gustav Düsing ist für mich trotzdem ein gutes Projekt: bedient die Idee einer Gartenschau-Ikone ziemlich smart und hält sich oberirdisch angenehm zurück.Platz 2 und 3 überzeugen mich dagegen weniger. Die Aufgabe eines Archivs wird da nicht wirklich stark übersetzt und wirkt insgesamt formal deutlich beliebiger.
Martin Oster
Angesichts der Beiträge der weiteren Platzierten hoffe ich doch sehr, dass der 1. Preis das Tragwerk in den Griff bekommt, die Leichtigkeit erhalten bleibt und der Entwurf auch gebaut wird.
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