Riegel für die Arbeit
Wettbewerb für Gewerbehof in München
Für den heutigen Bedarf an Gewerbeflächen reichten bisher die Überbleibsel des Industriezeitalters meist aus. Längst gibt es aber Ansprüche, die von zugigen Fabriketagen oder hastig errichteten Nachkriegsbauten nicht mehr erfüllt werden können. Insbesondere die Größen der Mieteinheiten und mangelnde Flexibilität der Grundrisse passen nicht mehr zur heutigen Unternehmenslandschaft und ihrer Startup-Kultur. Hinzu kommt das Problem, dass inzwischen auch das mittelständische Gewerbe in den innenstadtnahen Lagen der Großstädte von steigenden Mieten bedroht ist.
Die auf kleine und mittlere Flächen spezialisierte Immobiliengesellschaft Münchner Gewerbehöfe hatte darum einen Realisierungswettbewerb für den Neubau eines Gewerbehofs ausgeschrieben, den nun Glass Kramer Löbbert Architekten (zusammen mit Patrick Lau) gewonnen haben. – Die Ergebnisse:
- 1. Preis: Glass Kramer Löbbert Architekten mit Patrick Lau und bbz landschaftsarchitekten (alle Berlin)
- 2. Preis: atelier pk und UTArchitects mit Planorama Landschaftsarchitektur (alle Berlin)
- 3. Preis: Fuchs und Rudolph Architekten (München) mit Landschaftsarchitekt Johann Berger (Freising)
- Anerkennung: N-V-O Nuyken von Oefele und Baumschlager Hutter (beide München) mit toponauten Landschaftsarchitektur (Freising)
- Anerkennung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten (Stuttgart) mit Keller Damm Roser Landschaftsarchitekten (München)
Die Entscheidung der Jury unter Vorsitz von Ludwig Wappner fiel eindeutig aus. Insbesondere gelobt wurden an der erstplatzierten Arbeit die ausdrucksvolle Eingangssituation mit dem breiten Vordach und die große Varianz an Mieteinheiten. Erwähnung fand ebenfalls die effiziente Erschließung, die durch Aufweitungen und Fassadeneinschnitte gut belichtet wird und eine gewissen Großzügigkeit erhält. Auch sind hier gemeinsam genutzte Besprechungsräume angeordnet. Der Jury entging außerdem nicht, dass sich die so gebildeten Terrassen bestens für die eine oder andere Zigarette eignen.
der erste preis ist schon ok, keine frage. etwas ungelenk (wenn überhaupt) gelöst ist meines erachtens aber das zusammentreffen von braunem sockelbau und darüber liegendem riegel. vielleicht geben die kommenden leistungsphasen ja noch a bisserl was her und sorgen fürs zusammenfügen zu einer (mir bislang hier noch) fehlenden überzeugenden gesamtform!
Wer sich hier hübsche 'Erker' wünscht, hat wohl die Typologie Gewerbehof nicht ganz verstanden.
hätte man die springenden loggien des ersten preises weggelassen, wäre es genau der typus des standard-wohn- und geschäftshaus an der hauptstraße einer beliebigen sowjetischen kleinstadt gewesen. als plattenbau, selbstredend. was dann vielleicht schon fast wieder zur werktätigenthematik passt, weniger hingegen zu münchen.
vielleicht hätte man das preisgeld lieber in den bau gesteckt und sich dafür noch ein paar erker oder dachsheds leisten können. aber in 30 jahren will man ja schließlich auch noch was zum abreißen haben, insofern gut für unsere zunft!