Klein, gestaffelt, kompakt oder transluszent?
Wettbewerb für Bauhaus-Museum Weimar unentschieden
Klein, gestaffelt, kompakt oder transluszent?
Wettbewerb für Bauhaus-Museum Weimar unentschieden
„Weimar wartet ab“, hieß es am Wochenende in den Zeitungen. Die Entscheidung, welches Architekturbüro das neue Bauhaus-Museum Weimar planen soll, wurde in den Sommer vertagt. Die Jury unter Vorsitz von Jörg Friedrich (Hamburg) vergab in der zweiten Phase des internationalen Wettbewerbs aus 27 eingereichten Entwürfen, die sich im November aus insgesamt 536 Arbeiten qualifiziert hatten, vier Preise und drei Anerkennungen – konnte jedoch keinen eindeutigen Sieger wählen:
- 2. Preis: Johann Bierkandt (Landau)
- 2. Preis: HKR Architekten, Klaus Krauss und Rolf Kursawe, Köln
- 3. Preis: Heike Hanada mit Benedict Tonon (Berlin)
- 3. Preis: Bube/ Daniela Bergmann (Rotterdam)
- Anerkennung: Karl Hufnagel Architekten (Berlin)
- Anerkennung: hks Hestermann Rommel Architekten (Erfurt)
- Anerkennung: menomenopiu architectures/Alessandro Balducci (Rom)
Der zweitplatzierte Entwurf von Johann Bierkandt (Landau) entwickelt ein kleinmaßstäbliches Museums-Ensembles in deutlicher Eigenständigkeit zu den benachbarten Großbauten der Weimarhalle und des Thüringer Landes- und Verwaltungsamtes sowie der angrenzenden Wohnbebauung. Der Entwurf will keinen kompakten Museumsbau zeigen, sondern mit den einzelnen Gebäudeelemente an das differenzierte Ausbildungskonzept des Bauhauses erinnern. Gelungen ist nach Meinung des Preisgerichts die Verknüpfung des Neubaus mit dem Weimarhallenpark.
Das Büro HKR Architekten von Klaus Krauss und Rolf Kursawe schafft in seinem zweitplatzierten Entwurf laut dem Juryurteil einen gelungenen Zugang zum Park. Die markante Museumsgestalt wirkt stärker in den Stadtraum und wird durch die geschickte Staffelung lang gestreckter Baukörper bestimmt. Mehr noch lebt der Entwurf von den Qualitäten des Innenraums. Der zentrale Innenraum bildet ein differenziertes, eigenständiges und attraktives Angebot für das Neue Bauhaus-Museum.
Der drittplatzierte Entwurf von Heike Hanada mit Benedict Tonon (Berlin) positioniert im Park an der Hangkante kompakt einen minimalistischen Kubus als geometrisch einfachen Gebäudekörper, dessen Wegeführung und Raumdisposition im Inneren große Potentiale bieten kann.
Das Museumsgebäude des drittplatzierten Entwurfs von Bube/Daniela Bergmann (Rotterdam) als Komposition dreier transluszenter Baukörper liegt zurückgezogen in einem neu gewonnenen Parkumfeld. Auch dieses Konzept setzt sich architektonisch bewusst vom beherrschenden Habitus des ehemaligen großmaßstäblichen Gauforums und der benachbarten Weimarhalle ab.
Eine endgültige Entscheidung soll im Juni getroffen werden, bis dahin werden die prämierten Entwürfe in einem VOF-Verfahren für das Hauptprojekt des „Kosmos Weimar“ noch einmal überarbeitet. Grund für die Verzögerung sei der Wunsch nach einer „qualitativen Verbesserung“ der Projekte; das Baugelände sei eines der schwierigsten und mit den meisten Problemen beladenen Areale der Stadt. Die Eröffnung des Neuen Bauhaus-Museums in Weimar ist für 2015 geplant.
Alle 27 Entwürfe sind in einer Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar bis zum 9. April 2012 im Neuen Museum Weimar zu sehen.
Alle Fotos: Klassik Stiftung Weimar / Lutz Edelhoff
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Die Bebauung des Areals ausschliesslich mit dem Museum führt ja zu einer geradezu suburbanen Atmosphäre und Baudichte mitten in der Stadt. Das die verbleibenden, großen Resträume zu grünen Parkerweiterungen aufgewertet werden, scheint vor dem Hintergrund heutiger Stadtfinanzen recht unrealistisch. Stattdessen dürfte es später zu einer wilden Nachverdichtung kommen - attraktiver innerstädtischer Baugrund ist begehrt. Schade eigentlich. Denn schon im Wettbewerb waren städtebauliche Konzepte für das Areal gewünscht. Bauliche Ergänzungen konnten vorgeschlagen werden. Kaum vorstellbar, das bei über 500 Arbeiten allein Karl Hufnagel Architekten hierzu eine überzeugende Idee gefunden hat. Goodbye Stadt, hello Architektur - eine freie Entscheidung der Jury also? Für Weimar bleibt zu hoffen, dass die Chance einer Ordnung des Umfeldes noch aufgegriffen wird.
Bzgl. HKR-Architekten muss ich mich Wagner5 anschließen: nur der Riegel zieht klare Positionen als Haus in der Stadt. Spannend wäre es hier gewesen ein Bild des anscheinend beeindruckenden Innenraumes sehen zu können! Ähnliches Potential wie der HKR-Entwurf könnte m.E. städtebaulich der Entwurf von Hufnagel bieten. Allerdings wirkt der Baukörper etwas sehr pathetisch.
Ein Bauhaus-Museum hier? Wahrscheinlich will man nachhaltig Touristenströme hierherlocken, denn gegenwärtig rauscht man hier nur vorbei. Richtig, anhand der Modellbildchen soll man sich vor zu schnellen Urteilen zurückhalten, aber oft hat man dann doch den Blick und das erste richtige Gefühl, Ja, das ist es! Das kommt aber bei den gezeigten Arbeiten leider so gar nicht auf.... PS: Bild 8 hat mit dem Standort rein gar nix zu tun, Platz vor dem Nationaltheater.