Schutzdach für die Koksofenbatterie
Wettbewerb auf Zollverein in Essen entschieden
Die rund 600 Meter lange Koksofenbatterie im UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen soll ein Dach erhalten. Denn die Substanz wird durch eindringende Feuchtigkeit zunehmend zerstört. Eine klassische Sanierung kommt nicht infrage, da sie den Charakter der Anlage als „Großmaschine“ verfälschen würde. Deshalb suchte die Stiftung Zollverein in einem Realisierungswettbewerb Entwürfe für ein Schutzdach, das „nicht nur funktionalen Ansprüchen genügt, sondern auch Ausdruck des Erhaltungswillens“ ist.
Freischlad + Holz Planung und Architektur (Darmstadt) betreuten den einphasigen, nicht offenen architektonischen und tragwerksplanerischen Realisierungswettbewerb. Ein Preisgeld von 144.000 Euro stand zur Verfügung. Insgesamt 15 Arbeiten wurden eingereicht. Die Jury unter Vorsitz des Kölner Architekten Ingo Kanehl entschied wie folgt.
- 1. Preis: JSWD Architekten (Köln) mit Keeve Cologne (Köln)
- 2. Preis: Und Mang Architektur (München) mit Kayser + Böttges I Barthel + Maus Ingenieure und Architekten (München)
- 3. Preis: TRU Architekten (Berlin) mit Sailer Stepan Tragwerkteam (München)
- 4. Preis: Schaltraum Architekten (Hamburg) mit WTM Engineers (Hamburg)
- Anerkennung: kbnk Architekten (Hamburg), Münch Architekten (Hamburg) mit WETZEL & VON SEHT (Hamburg)
- Anerkennung: ADEPT (Kopenhagen) mit Werner Sobek (Stuttgart)
Der Ansatz des Siegerentwurfs liegt in der maximal einfachen Wirkung, so die Jury. Das Schutzdach zeichne sich durch geringe Höhenentwicklung, klare Linienführung und eine auskragende Geometrie aus, die einen „optimalen Schutz des Denkmals“ ermögliche. Die filigrane Dachkante und die ruhige, flächige Untersicht setzten einen bewussten Kontrast zur „stark reliefartig wirkenden und feingliedrigen Plastizität des Bestandes“.
Funktional überzeugte der Entwurf ebenfalls: Die Positionierung der Stützen bewahrt den Raum für zentrale Anlagen und bewegliche Füllwagen. Oberlichter und Ausschnitte beziehen sich auf die prägnanten Bestandselemente und stehen in „Korrespondenz zu den Kohleeinbringöffnungen“. Die Jury lobt die „einfache, klar gegliederte Konstruktion“ mit geringem Wartungsaufwand. Kritisch sieht das Preisgericht die noch nicht abschließend geklärte Entwässerung und die Fundamentierung der Stützen. Auch die Materialwahl Cortenstahl wird „kontrovers diskutiert“, da sie die Lesbarkeit des neu hinzugefügten Bauteils als eigenständige Ergänzung beeinflussen könnte.
Text: Ella Einicke


