Hascher Jehle gewinnen
Wettbewerb Volkstheater Rostock
Schon seit längerem werden in Rostock Pläne für einen Neubau des Volkstheaters diskutiert. Eine dringend notwendige Sanierung des Bestandsgebäudes in der Doberaner Straße – selbst nur ein nach dem Zweiten Weltkrieg umgebautes Vereinshaus – erwies sich als unwirtschaftlich. 2018 genehmigte die Rostocker Bürgerschaft schließlich ein Investitionsvolumen von 110 Millionen Euro für einen Neubau. Für dessen Realisierung stellt ein Wettbewerb nun den nächsten Schritt dar.
Der Ausschreibung für den Theaterneubau in Rostock ging 2015 ein städtebaulicher Wettbewerb für die Neuordnung der zentralen Areale Am Bussebart und Stadthafen voraus. In seinem Zusammenhang legte die Stadtverwaltung den Standort eines möglichen Theaterneubaus Am Bussebart fest. Die Lage für das zukünftige Volkstheater ist prominent, städtebaulich jedoch bisher ungefasst: Wo heute Autos zwischen Stadthafen und Lange Straße parken, sollen zukünftig Schauspiel, Oper, Musik und Tanz in einem zeitgemäßen Vier-Sparten-Theater dargeboten werden. Für den nichtoffenen Realisiserungswettbewerb qualifizierten sich zehn Büros. Die 13-köpfige Jury unter Vorsitz von Peter Eickholt (Architekt, Neckarsteinach) und mit Sachpreisrichter Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen vergab schließlich folgende Platzierungen:
- 1. Preis: Hascher Jehle Assoziierte (Berlin)
- einen 3. Preis: Bez + Kock Architekten Generalplaner (Stuttgart)
- einen 3. Preis: pfp architekten (Hamburg).
Des weiteren nahmen folgende Büros an dem Wettbewerb teil:
- Dietrich | Untertrifaller Architekten (Bregenz)
- Max Dudler Architekten (Berlin)
- gmp Generalplanungsgesellschaft (Berlin)
- asp Architekten (Stuttgart)
- Architecture-Studio (Paris)
- DFZ Architekten (Hamburg)
- vielmo architekten (Berlin)
„Selbstbewusst, elegant und sensibel“ reagiert der Siegerentwurf von Hascher Jehle Assoziierte laut Jury auf die stadträumlichen und topografischen Besonderheiten des Ortes. Vor allem die Grundrissorganisation, das Nutzungskonzept und die allseitige Fernwirkung der begehbaren Gebäudeskulptur wird vom Preiskomitee positiv hervorgehoben. Bei dem drittplazierten Entwurf von Bez + Kock Architekten gefiel der markante, klar und kompakt geformte Baukörper sowie die Gliederung des Theaterplatzes. Der ebenfalls drittplazierte Entwurf von pfp architekten ergänzt laut Juryprotokoll die westliche Torsituation der repräsentativen Lange Straße und bietet eine durch auskragende Körper wohlproportionierte und differenzierte Fassadengestaltung des „gläsern schimmernden Kubus'“.
Trotz klarer Hierarchisierung der drei Preisträger geht der städtische Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock (KOE) mit allen dreien gleichsam in Verhandlung. Mit einem der Büros soll schließlich ein Planungsvertrag geschlossen werden, der das beauftragte Büro bis zur Genehmigungsplanung bindet. Bis Ende diesen Jahres sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein, die Umsetzung des Theaterneubaus wird vorraussichtlich die KOE selbst übernehmen. Man rechnet mit einem Baubeginn 2022.
Text: Carolin Lichtenstein
Die Entwürfe werden vom 7. bis zum 11. Oktober im Foyer des Rostocker Rathauses ausgestellt, danach können sie noch bis zum 25. Oktober in den Räumen der RGS, Am Vögenteich 26, besichtigt werden.
Insgesamt beschleicht mich das Gefühl, dass alles schon mal gesehen zu haben, bei vielmo architekten meine ich, ein bisschen Gewandhaus Leipzig entdecken zu können, aber vielleicht assoziiere ich auch zu viel?
Insofern finde ich die Wahl des 1. Preises akzeptabel, zumal die formensprachliche Alternative von Max Dudler Architekten dann doch nach allem aussieht, nur nicht nach Theater ...
Beim hiesigen Wettbewerb finde ich auch die Ansätze der beiden Drittplazierten gar nicht so schlecht, jedoch offenbart die Straßenansicht m.M.n. bei allen Platzierten irgendwie eine Verweigerung des Umgangs mit dem öffentlichen Raum. Das ist mir zu wenig Platz für das städtische Leben vor so einem Gebäude. Daher vielleicht auch der Eindruck von Bürobauten. Vielleicht auch zu viel Raumprogramm für zu wenig Grundstück?
@ denkste: Musikkens Hus in Aalborg wäre ein Beispiel. Über die äußere Gestaltung mag man streiten können (an dem Platz geht das für mich sehr in Ordnung!) - die Innenräume sind aber tatsächlich großartig.
Die Aufgabe zu Rostock recht vergleichbar.
Leider in Baunetz fast immer so, da fragt man sich warum die Architektur in Deutschland nur Mittelmaß ist wenn die Diskurs schon so toll ist ....